Zusammenrücken im Klassenzimmer

Nach Jahren der stark rückläufigen Schülerzahlen steigen diese nun wieder rasant an. 27 Prozent mehr Kinder könnten bis 2024 im Thurgau die Schulbank drücken. Doch das Wachstum ist ungleichmässig verteilt. Kleine Landschulhäuser profitieren davon kaum.

Silvan Meile
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Im August empfing Primarlehrerin Sarah Potenza im Kreuzlinger Schulhaus Wehrli die neuen Erstklässler. (Archivbild: Reto Martin)

Im August empfing Primarlehrerin Sarah Potenza im Kreuzlinger Schulhaus Wehrli die neuen Erstklässler. (Archivbild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Im Thurgau steigen die Schülerzahlen rasant an. Das geht aus einer Publikation des Bundesamtes für Statistik hervor. Darin errechnet der Bund bis ins Jahr 2024, dass die Schülerzahlen in den Thurgauer Schulzimmern um bis zu 27 Prozent ansteigen. In diesem Szenario weist der Thurgau zusammen mit den Kantonen Basel Stadt und Zug für die kommenden Jahre das schweizweit grösste Wachstum bei den Schülerzahlen auf. «Wir sind dafür gewappnet», sagt die Thurgauer Bildungsdirektorin Monika Knill auf Anfrage.

Uneinheitliches Wachstum

«Im wesentlichen können wir die Zahlen dieser Prognose bestätigen», sagt Walter Berger, Chef des kantonalen Amts für Volksschule. Das Wachstum der Schülerzahlen hänge aber hauptsächlich vom Wanderungssaldo ab, der nur erahnt, nicht aber tatsächlich errechnet werden kann. Entscheidend ist somit nebst dem aktuellen Geburtenüberschuss, ob der Trend der vergangenen Jahre anhält, dass sich viele junge Paare, die Kinder haben oder noch bekommen, aus anderen Kantonen oder dem Ausland im Thurgau niederlassen werden.

Ein Problem stelle sich bei der Uneinheitlichkeit dieses Wachstums, sagt Berger. Denn von den steigenden Schülerzahlen sind nicht alle Thurgauer Schulen gleichmässig betroffen. Die kleinen Landschulhäuser, die seit Jahren unter Druck stehen und längerfristig auf zusätzliche Schüler angewiesen sind, dürften davon kaum profitieren.

Das Wachstum konzentriere sich vor allem auf stark anwachsenden Gemeinden am See, dem Thurtal oder im Raum Wil. «In einzelnen Gemeinden werden zusätzliche Schulzimmer nötig sein», sagt Berger.

Auch Regierungsrätin Knill erwähnt, dass es bezüglich Raumbedarf wohl eher jene Schulhäuser treffe, in denen es jetzt schon eng ist. Beunruhigend sei die Situation jedoch nicht. Schliesslich können sich die Schulgemeinden mit einem gewissen Vorsprung auf die steigenden Schülerzahlen vorbereiten.

Engpass bei Schulleitern

Einen Lehrermangel sei trotz steigender Anzahl Schüler nicht zu erwarten, sagt Amtsleiter Berger. Es seien derzeit genügend Lehrpersonen ausgebildet. Zu einem Engpass könne es allenfalls bei Schulleitern und Kindergärtnerinnen kommen. In beiden Bereichen bestünden im Thurgau gewisse Nachwuchsprobleme. Diese gelte es anzugehen. Details dazu will er derzeit aber noch nicht verraten. Nur so viel: Die Stelle der Schulleiter müsse allenfalls attraktiver werden, sagt Berger.

Seit 2014 geht es nach mehreren Jahren der sinkenden Schülerzahlen nun wieder aufwärts. Mehr als 30 000 Schüler besuchten im vergangenen Schuljahr die obligatorische Schule im Thurgau, 1,7 Prozent davon in einer Privatschule. Der Trend der steigenden Schülerzahlen soll insbesondere mit stetem Geburtenüberschuss und Zuwanderung anhalten.

Schweizweit ist die Talsohle ebenfalls erreicht. Die eidgenössischen Statistiker rechnen mit einem Anstieg der Zahl der Primarschüler von 16 Prozent bis 2024. Seit 1999 nahmen landesweit die Schülerzahlen der Primarschulen ab.

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