Zurück zu Vernunft und Natur

Unternehmertum und nicht die Spekulation sollen im Vordergrund stehen, fordert Peter Schifferle, Präsident der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK).

Martin Sinzig
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Weinfelden. «Wir hatten in verschiedener Hinsicht das Mass verloren. Es geht nun darum, den Boden zu finden und zur marktwirtschaftlichen Vernunft zurückzukehren», erklärte an der Generalversammlung in Weinfelden IHK-Präsident Peter Schifferle vor 70 Gästen und 170 Vertretern von Mitgliedfirmen. Gleichzeitig plädierte er für eine Rückbesinnung auf beständige Werte und nachhaltiges Wirtschaften.

Das Ende der gegenwärtigen Krise komme nicht durch staatliche Konjunkturprogramme, sondern durch Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich noch stärker als bisher engagierten. «Wir müssen uns an langfristigen Zielen orientieren, das echte Unternehmertum und nicht die Spekulation fördern und auf dem Boden der Realität bleiben.»

Trendwende erst 2011

Er wolle nicht schwarzmalen, doch die Krise werde noch über längere Zeit Schmerzen verursachen, sagte Schifferle. Mit einer Trendwende rechnet der IHK-Präsident erst ab 2011.

Die schlechten Nachrichten würden vorderhand überwiegen, und in vielen Unternehmen werde man nicht darum herumkommen, den Gürtel enger zu schnallen und Kosten zu senken. Die Rezession werde schliesslich auch die privaten Haushalte und den Konsum erfassen.

Dreidimensionales Modell

Den Blick auf grundsätzliche Fragestellungen richtete Gastreferent Werner Müller.

Der frühere deutsche Bundeswirtschaftsminister, heute Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bahn AG und Verwaltungsrat der Stadler Rail Gruppe, plädierte für ein dreidimensionales Modell der Marktwirtschaft. Dieses soll neben der Arbeit und dem Kapital den lange Zeit ausser Acht gelassenen Faktor Natur einbeziehen.

Nicht zwingend sei eine Begrenzung des Wirtschaftswachstums. Dieses habe sich zunehmend von belastenden Problemen entkoppelt, so auch vom Bevölkerungswachstum.

Müller forderte global abgestimmte staatliche Rahmenbedingungen, um Ressourcen wie Luft und Wasser zu schützen. Besonders bei den Energierohstoffen gelte es, die Bedingungen so zu setzen, dass die Gesamtwirtschaft in den Einklang mit der Natur komme.