Zur Therapie in die Brauerei

Die Psychiatrische Klinik Münsterlingen rückt näher zu ihren Patienten. Die Tagesklinik für Alterspsychiatrie zieht nach Weinfelden. Zu den Patienten gehören auch Demenzkranke, die durch stationäre Therapien selbständig bleiben sollen.

Silvan Meile
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Nach dem Umbau wird die einstige Brauerei Bärlocher zu einem Therapiezentrum: Elsi Bärlocher spricht im ehemaligen Brauerei-Maschinenhaus zu Architekten und Vertretern der Spital Thurgau AG. (Bild: Andrea Stalder)

Nach dem Umbau wird die einstige Brauerei Bärlocher zu einem Therapiezentrum: Elsi Bärlocher spricht im ehemaligen Brauerei-Maschinenhaus zu Architekten und Vertretern der Spital Thurgau AG. (Bild: Andrea Stalder)

WEINFELDEN. Der Krankheitsverlauf einer Demenz kann mit Therapien und Medikamenten begünstigt und hinausgezögert werden. Im Thurgau wird dafür die ehemalige Brauerei Bärlocher in Weinfelden zur Anlaufstelle von Menschen, bei denen eine Demenz festgestellt wird. Wo während mehr als 140 Jahren Bier gebraut wurde, entsteht eine Tagesklinik für ältere Personen. Dazu gehört ein offenes Atelier und ein Beratungsangebot für Angehörige. Auch Senioren mit psychischen Erkrankungen wie etwa Depressionen oder Angsterkrankungen finden hier Hilfe. Die Patienten werden in Weinfelden tageweise behandelt, leben weiterhin zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld. Im Mai öffnet der neue Klinik-Standort.

Die Brauerei erfüllt Kriterien

Mit der Alterstagesklinik in Weinfelden untermauert die Psychiatrische Klinik Münsterlingen ihre Strategie, ambulante Angebote an Aussenstandorten auszulagern. «Wir suchten eine Immobilie in Weinfelden», sagt Stephan Kunz, Verwaltungsdirektor Psychiatrische Dienste Thurgau. Mit der stillgelegten Brauerei fanden die Verantwortlichen ein Objekt, das die Kriterien der Spital Thurgau AG erfüllt. «Es ist in Zentrumsnähe, das Bauprojekt war bereits fortgeschritten und dennoch haben wir ein Mitspracherecht», sagt Kunz. Konkret heisst dies, dass die Bärlochers den Rohbau vermieten, die Spital Thurgau AG ihrerseits organisiert den Innenausbau auf eigene Faust. Gestern fand eine Baustellenbegehung statt. Finanzzahlen wurden keine bekanntgegeben.

Stationär in der Kantonsmitte

Mit dem neuen Standort in der ehemaligen Brauerei rückt die Klinik Münsterlingen näher zu ihren Patienten. Diese kommen aus dem ganzen Kanton. Wegen der guten Erreichbarkeit für die Bevölkerung wählte man Weinfelden als geographisches und durch den öffentlichen Verkehr erschlossenes Zentrum. Die neue Alterstagesklinik löst das bisherige Angebot in Münsterlingen ab. Dabei werden die bestehenden 16 Patientenplätze auf 24 aufgestockt. 17 Mitarbeiter werden dadurch ihren Arbeitsplatz von Münsterlingen nach Weinfelden verlegen.

Die Selbständigkeit wahren

Eine der Fachpersonen, die in Weinfelden einen neuen Arbeitsplatz vorfinden wird, ist Claudia Brüllhardt. Sie ist Frau der ersten Stunde der Münsterlinger Tagesklinik. 1998 starteten dort die ersten Therapien für Demenz-Erkrankte. Im Vergleich zu damals sei die Bevölkerung heute viel sensibilisierter auf die Krankheit Demenz, sagt sie.

Ziel der stationären Therapie mit Demenzpatienten sei, die Situation zu stabilisieren. Das soll den Betroffenen in erster Linie ermöglichen, noch Jahre selbständig im gewohnten Umfeld zu bleiben und dabei beispielsweise ein Mal pro Woche zur Therapie nach Weinfelden zu fahren. «Die Demenz können wir nicht heilen, aber den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen», sagt Gerhard Dammann, ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Dienste Thurgau.

Das Angebot der Tagesklinik richte sich vor allem an jene Erkrankten, bei denen sich die Krankheit noch in einem frühen Stadium zeigt. Da nebst Demenz unterschiedliche psychische Erkrankungen von älteren Patienten unter dem gleichen Dach therapiert werden, können Synergien entstehen, «weil Demenz oft Begleitsymptome wie etwa Schlafstörung, Aggression oder Depression» hervorbringe, erklärt Dammann.