Zum Essen gern

Eine Gruppe von Einwohnerinnen und Einwohnern will die Stadt als Urban-Gardeners «mit Gemüse durchdringen». Die Initiantinnen stammen aus dem Umfeld des Gemeinschaftsgartenprojekts «Paradiesli».

Mathias Frei
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Dieses Urban-Gardening-Projekt aus der Stadt Bern könnte Vorbild sein für Frauenfeld: die «Hängenden Gärten vom Breitsch» im Breitenrain-Quartier. (Bild: PD/Stadtgrün Bern)

Dieses Urban-Gardening-Projekt aus der Stadt Bern könnte Vorbild sein für Frauenfeld: die «Hängenden Gärten vom Breitsch» im Breitenrain-Quartier. (Bild: PD/Stadtgrün Bern)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Eine essbare Stadt, nicht aus Schokolade oder Marzipan, sondern im übertragenen Sinn: In Hochbeeten oder auf Rasenrabatten wächst Gemüse. Mit ihrer neuen Initiative zielen Judith Degen und Fiona Käppeli auf ein Stadtbild ab, dass essbar ist, grün und auch bunt. «Rüebli kommen nicht aus dem Plastiksack des Grossverteilers, obwohl das viele Kinder glauben, die in einer Stadt aufwachsen», sagt Fiona Käppeli. Die Gärtnerstochter hat zwei Kinder, und die wissen, dass Rüebli aus dem Garten kommen. Denn Käppeli arbeitet aktiv im ersten Frauenfelder Gemeinschaftsgartenprojekt mit (siehe Kasten). Ebenfalls im «Paradiesli» wirkt Judith Degen mit. Die gelernte Naturgärtnerin und Imkerin machte zuletzt von sich reden, als sie ohne Erlaubnis der Stadt am Kanalweg unweit des Gemeinschaftsgartens ein Hochbeet erstellte.

In Frauenfeld gebe es schon gute Ansätze in Sachen urbanem Gartenbau, sagt Fiona Käppeli. Aber es sei noch mehr möglich. Dieser Meinung sind nicht nur Käppeli und Degen. Vergangenen Samstag fand sich eine Gruppe von 15 Einwohnerinnen und Einwohnern erstmals zusammen. Grundsätzliches wurde diskutiert, erste Ideen machten die Runde. Das «Paradiesli» sei der Anfang, sagt Degen. Von dort soll das Urban-Gardening in ganz Frauenfeld ausstrahlen, «die Stadt durchdringen».

«Jetzt sind Taten angesagt, bevor es zu spät ist»

Ideen gibt es einige. Eine Online-Karte könnte ein erster Ansatzpunkt sein. Mögliche Standorte zum Beispiel für Hochbeete könnten dort eingetragen werden – inklusive Abklärungen zu öffentlichem respektive privatem Grund. Und im Kreis der Gartenfreunde, die zusammengekommen sind, ist schnell klar: Man will durch Aktivismus sensibilisieren. Am liebsten schon heute beginnen statt erst übermorgen. «Jetzt sind Taten angesagt, bevor es zu spät ist», sagt Judith Degen. Denn: Urbaner Gartenbau ist nicht nur gestalterischer Akt, sondern auch gesellschaftlich und damit politisch, ist man überzeugt.

Ursina Ahorn, Präsidentin des Gemeinschaftsgartenvereins, erwähnt die Sozialkontakte, die das Gärtnern ermöglicht, und lobt die gute Zusammenarbeit mit der Frauenfelder Stadtgärtnerei. Sensibilisieren funktioniert aber zum Beispiel auch über Vermittlung. Im «Paradiesli» könnte es in Zukunft Workshops für Kinder geben oder sogar Angebote für ganze Schulklassen. «Wir wollen nicht gegen etwas sein, sondern uns für etwas einsetzen», sagt Fiona Käppeli. Es gehe darum, den öffentlichen Raum nachhaltig und gemeinsam zu gestalten. Frauenfeld, die «Stadt im Grünen», könne sich ja durchaus auch mit der Eigeninitiative ihrer Einwohner als «Grüne Stadt im Grünen» profilieren.

Konsens herrscht unter den interessierten Gärtnerinnen und Gärtnern darüber, dass es Eigeninitiative braucht und dass diese aber womöglich produktiver ist, wenn sie in Absprache mit der Stadt stattfindet. «Denn damit tun wir niemandem weh», sagt Fiona Käppeli. Um zu zeigen, dass es eine Gruppe von Personen gibt, die Verantwortung übernehmen und sich einsetzen will, soll die jetzt noch eher lose organisierte Initiative am besten in einen Verein überführt oder Teil eines solchen werden. Der «Paradiesli»-Trägerverein könnte dazu Hand bieten.

Interessierte willkommen: Nächstes Treffen der Initiative «Essbare Stadt Frauenfeld» am Samstag, 11. März, 11 Uhr, «Dreiegg» (obere Bar).