Zukunftsmedizin aus Münchwilen

MÜNCHWILEN. Dank Stammzellen aus Münchwilen sollen operative Eingriffe im Spital künftig gar nicht mehr nötig sein. Wie das gehen soll, erfuhren die Gäste am erstmals durchgeführten Regio-Fenster.

Hans Suter
Merken
Drucken
Teilen
Durchbruch geschafft: Verwaltungsratspräsident Peter E. Kellner (rechts) bestätigt die erzielte «Programmierbarkeit» von Stammzellen. (Bild: hs)

Durchbruch geschafft: Verwaltungsratspräsident Peter E. Kellner (rechts) bestätigt die erzielte «Programmierbarkeit» von Stammzellen. (Bild: hs)

MÜNCHWILEN. Die Verantwortlichen der Med Cell Europe AG sind fest überzeugt, dass die Medizin auf dem Gebiet der Stammzellenforschung in den nächsten Jahren bahnbrechende Fortschritte erzielen wird. Das Biotech-Unternehmen ist das erste in der Schweiz, das aus körpereigenem Fettgewebe Stammzellen gewinnen kann. Diese werden bei minus 200 Grad Celsius konserviert und so bearbeitet, dass aus ihnen bei Bedarf Zelltransplantate entwickelt werden können.

Weg von Symptombehandlung

Anlässlich des ersten Regio-Fensters der Regio Wil (siehe Kasten) gewährte das Unternehmen am Dienstagabend Personen aus Wirtschaft und Politik Einblick in ihre Tätigkeit. «Stellen Sie sich vor», begann Verwaltungsratspräsident Peter E. Kellner, «Sie brauchen kein neues Knie- oder Hüftgelenk wegen Arthrose, die Abhängigkeit von der täglichen Insulinspritze entfällt, die Heilung nach einem Schlaganfalls verläuft viermal schneller als bisher, oder Querschnittslähmungen können geheilt werden.» Was wie eine Utopie klingt, ist in den Augen des Unternehmers bereits Realität. «Wir stehen vor einer Trendwende in der Medizin. Wir bewegen uns weg von der Symptombehandlung und gehen hin zur Vorsorge, dass Probleme wie Arthrose, Herzinfarkt oder Schlaganfall gar nicht erst entstehen.»

Stammzellen sind Alleskönner

Wie Geschäftsführer Steven Kallner ausführte, wird aus verschiedenen Gründen gänzlich auf embryonale Stammzellen verzichtet. Die Stammzellen werden ausschliesslich aus Fettgewebe gewonnen und nur dem Spender selbst wieder zugeführt. Stammzellen haben die vorteilhafte Eigenschaft, dass sie sich quasi programmieren lassen.

«Injiziert man Stammzellen in das Knie eines infolge Abnützung schmerzgeplagten Patienten, steuern diese automatisch die sterbenden Zellen an und übernehmen deren Aufgabe. In diesem Fall bilden sie neue Knorpelmasse, das Knie funktioniert wieder», erklärte der Mediziner die Wirkungsweise. Dadurch lasse sich in Zukunft manch eine Gelenkoperation vermeiden.

Günstiger als Operationen

Die Entnahme der benötigten rund 20 Gramm Körperfett durch einen Chirurgen kosten rund 1000 Franken. Die Aufbereitung und Konservierung von 100 Millionen Stammzellen für zehn Jahre weitere 3000 Franken. Beim späteren Einsatz ist für die Aufbereitung pro Röhrchen und Behandlung mit 1500 Franken zu rechnen.