Zuhören, lesen und lernen

FRAUENFELD. Fremdsprachige Eltern lernen in der Bibliothek der Kulturen in Frauenfeld Geschichten, Lieder und Verse in ihrer Muttersprache kennen. Das hilft beim Erlernen von Deutsch als Zweitsprache.

Ruth Bossert
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Animatorin Teuta Mamudi (rechts) erzählt Geschichten. (Bild: Ruth Bossert)

Animatorin Teuta Mamudi (rechts) erzählt Geschichten. (Bild: Ruth Bossert)

«Wer seine Muttersprache gut kann, lernt andere Sprachen besser», sagt Teuta Mamudi und zeigt auf das Bilderbuch, das sie den acht Kindern zwischen zwei und sechs Jahren und deren Eltern eben erzählt hat. Während sich die Eltern nun auf Albanisch oder einige auch in Deutsch unterhalten, holen sich die Kinder aus einer grossen Kiste ihre Bilderbücher. Ob Deutsch oder Albanisch spielt den Kindern keine Rolle, wichtig sind ihnen die Geschichten, die sich zwischen den Buchdeckeln verbergen.

Begeistert für das Projekt

Teuta Mamudi wurde in Albanien geboren, wuchs in Deutschland auf und lebt seit sechs Jahren in der Schweiz. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter. Als sie vom Projekt des Schweizerischen Instituts für Kinder- und Jugendmedien (SIKJM) «Schenk mir eine Geschichte – Family Literacy» hörte, war sie sofort begeistert und nahm die Anfrage der Thurgauischen Arbeitsgemeinschaft für Elternorganisationen (Tageo) sofort an, als Animatorin für Albanisch sprechende Kinder und ihre Eltern das Projekt zu begleiten. Seit September haben sich in der Bibliothek der Kulturen in Frauenfeld nun während sechs Nachmittagen fremdsprachige Kinder zusammen mit ihren Eltern oder Grosseltern getroffen mit dem Ziel, die Welt der Kinderbücher in ihrer Muttersprache kennenzulernen.

Gleiche Chancen für alle

In vier Sprachen (Albanisch, Serbokroatisch, Portugiesisch und Türkisch) und an fünf verschiedenen Standorten (Frauenfeld, Diessenhofen, Bürglen, Kreuzlingen und Weinfelden) läuft das Projekt des SIKJM, sagt Susanna Fink, Geschäftsstellenleiterin der Tageo. «So hilft Tageo, die Chancengleichheit der Kinder von fremdsprachigen Eltern im Hinblick auf den Schulerfolg zu erhöhen.» Wer von klein auf vielfältige Erfahrungen und Fähigkeiten rund um die Erzähl-, Sprach- und Schriftkultur machen könne, habe später Vorteile beim Lesen- und Schreibenlernen, ist sie überzeugt. Zudem erkennen die Eltern den Wert der Mehrsprachigkeit. In Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Integration hat Tageo Animatorinnen wie Teuta Mamudi gesucht. Ihre persönlichen Kontakte helfen mit, dass immer mehr Familien vom kostenlosen Angebot Gebrauch machen.

Die Geschichtennachmittage werden ab Februar weitergeführt.