Zugetreten, als das Opfer auf dem Boden lag

«Es ist höchste Zeit, erwachsen zu werden.» Die Bezirksrichterin findet klare Worte für den 25jährigen, ungelernten Hilfsarbeiter aus Frauenfeld.

Stefan Hilzinger
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«Es ist höchste Zeit, erwachsen zu werden.» Die Bezirksrichterin findet klare Worte für den 25jährigen, ungelernten Hilfsarbeiter aus Frauenfeld. Das Gericht hat ihn am Donnerstag wegen mehrfachen Raufhandels und Körperverletzung zu zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, bedingt auf eine Probezeit von drei Jahren. Der junge Mann nimmt den Spruch ruhig entgegen.

Weniger ruhig verhielt er sich nach Meinung von Staatsanwaltschaft und Gericht in zwei nächtlichen Auseinandersetzungen im Dezember 2009 und im November 2011. Aus einem Streit entspinnen sich – gefördert durch ordentlich Alkohol – Schlägereien mit bis zu zwanzig Beteiligten. Ein Wort ergibt das andere, ein Schubser den nächsten, Schlag folgt auf Schlag, jemand geht zu Boden, dann wird getreten.

Mit Gürtelschnalle getroffen

Der nun Verurteilte spricht von einem «Kräftemessen», was Staatsanwaltschaft und Gericht als «verharmlosend» bezeichnen. Auch dass er habe schlichten wollen, glaubt ihm das Gericht nicht. Die einfache Körperverletzung im ersten Fall bei der Schlägerei auf dem Bahnhofplatz räumt der Mann ein. Er verletzte damals zwei Brüder im Gesicht. Laut Staatsanwaltschaft habe er den Gürtel aus der Hose gezogen, diesen geschwungen und einen der Brüder mit der Schnalle getroffen, wodurch dieser an der Stirn eine Rissquetschwunde von anderthalb Zentimeter Länge erlitt.

Tritte gegen den Kopf

Schwerer wiegen die Vorwürfe im zweiten Fall, der Schlägerei zweier Gruppen vor einer Frauenfelder Bar im Herbst 2011. Die Staatsanwaltschaft spricht von «versuchter schwerer Körperverletzung», weil der Mann mit Anlauf auf den Kopf eines schon am Boden liegenden Mannes eingetreten habe. Mehrere Zeugen hätten übereinstimmend den jungen Mann als «aggressiven Angreifer» beschrieben und ein Signalement geliefert, das auf ihn als Täter zutreffe. «Der wie Pharell Williams aussieht», zitiert die Staatsanwältin. Die Zeugen seien glaubwürdig, darunter Anhänger beider in die Schlägerei verwickelter Lager sowie aussenstehende Beobachter. Das am Boden liegende Opfer habe multiple Schädelprellungen erlitten. Der junge Mann habe in Kauf genommen, sein Opfer noch schwerer zu verletzen.

Es sei nicht erwiesen, dass wirklich sein Mandant die Tritte gegen den Kopf ausgeteilt habe, sagt der Verteidiger. Die Zeugen hätten zwar ein Signalement geliefert, seinen Mandanten aber auf Fotos später nicht wiedererkannt. Der Verteidiger fordert eine bedingte Geldstrafe für Raufhandel und einfache Körperverletzung in beiden Fällen.

Tausende Franken an Kosten

Das Gericht folgt im wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Probezeit legt das Gericht auf drei Jahre fest, die Anklage wollte vier. Das Gericht verzichtete darauf, für die Dauer der Probezeit eine Bewährungshilfe anzuordnen. Es hält dem jungen Mann seine gute persönliche Entwicklung zugute. Der junge Mann hat seit gut einem halben Jahr eine feste Anstellung. Laut Verteidiger werde sein Mandant den Schuldspruch akzeptieren. Zur bedingten Freiheitsstrafe kommt noch eine stattliche Summe an Gerichts- und Verfahrenskosten sowie an Schadensersatz und Genugtuungen.