Zuerst ein genauer Blick in die Tiefe

Bevor EKT und Axpo ihre Geothermie-Bohrung starten, müssen sie wissen, wo sie das am besten tun. Dafür untersuchen sie im nächsten Winter den Untergrund im Oberthurgau.

Christof Widmer
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AMRISWIL. Einfach aufs Geratewohl loszulegen, wäre bei einer teuren Geothermiebohrung viel zu risikoreich. Darum will das Konsortium von EKT und Axpo zuerst den Oberthurgauer Untergrund genau erkunden. Das wird nächsten Winter mit der sogenannten 3D-Seismik geschehen.

Dabei kommen unter anderem schwere Vibrationsfahrzeuge zum Einsatz. Sie erzeugen Schallwellen, die die Gesteinsschichten unterschiedlich zurückwerfen. An der Oberfläche empfangen Geophone die reflektierten Wellen. Eine zweite Quelle von Schallwellen können kleine Sprengladungen sein.

Aus den Daten lässt sich schliesslich ein dreidimensionales Bild des Untergrunds zusammensetzen. So haben Anfang 2010 auch die Stadtwerke St. Gallen den Untergrund untersucht für ihr eigenes Geothermieprojekt.

Weniger Schäden im Gelände

Für die Seismik-Messkampagne im Thurgau läuft zurzeit die Ausschreibung (unsere Zeitung berichtete). Laut EKT-CEO Markus Schüpbach sollen die Messungen im nächsten Winter über die Bühne gehen. In dieser Jahreszeit entstünden wenig Schäden an Ackerkulturen. Die Kampagne im Feld wird gemäss dem Zeitplan im November starten. Bis Mitte 2014 sollen dann die Daten ausgewertet sein.

Das EKT wolle die breite Bevölkerung möglichst eng in die aufsehenerregende Seismik-Kampagne mit einbeziehen, versicherte Schüpbach. Die betroffenen Gemeinden hätten bereits erste Informationen erhalten.

Die Messungen sollen im Einvernehmen mit den Grundeigentümern stattfinden. Entschädigungen sind vorgesehen. Die Erfahrungen mit der St. Galler Messkampagne zeigen, dass die Eigentümer in aller Regel problemlos mitmachen. Damals seien die Vibrationsfahrzeuge auf Flurstrassen zum Einsatz gekommen, sagte Marco Huwiler von den St. Galler Stadtwerken. Auf Äckern und Wiesen standen die Geophone.

Arbeit von 7 bis 22 Uhr

Für die Messungen wollen sich die Verantwortlichen ein tägliches Zeitfenster von 7 bis 22 Uhr offenhalten, jeweils von Montag bis Samstag. Die Arbeit in den Abendstunden soll garantieren, dass den Messteams keine Erschütterungen aus anderen Quellen in die Quere kommen.

Das Messgebiet umfasst das Dreieck zwischen Kesswil, Andwil SG und Steinach. Das EKT hält die Option offen, das Gebiet bis über Sulgen hinaus zu vergrössern. Damit sei aber derzeit nicht zu rechnen, teilt das EKT mit.