Zuerst Baumaschinen, dann Natur

Wo einst Rekruten exerzierten, entsteht in Frauenfeld ein neues Naherholungsgebiet. Doch der Weg zurück zur ursprünglichen Natur ruft vorerst nach Bau- und Forstmaschinen.

Stefan Hilzinger
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FRAUENFELD. Der «Rossgunten» ist unansehnlich grau. Der Mühlewiesenkanal versorgt den Tümpel am nördlichen Ende des Frauenfelder Buebewäldlis normalerweise mit Frischwasser. Doch wegen der Arbeiten für den Murg-Auen-Park ist der Kanal trocken. «Wir pumpen etwas Grundwasser in den Tümpel, damit er nicht <kippt>», sagt Wasserbauingenieur Christian Herrmann.

Frische Betonmauern sichern das linke Ufer des Kanals. Ins Erdreich gerammte Holzpfähle schützen als Palisaden die Baumbestände der rechten Seite. Derzeit stehen die Bauarbeiten zwar still, weil die Baufirmen Betriebsferien haben. Doch nächste Woche gehen die Arbeiten am Kanal weiter. Beim neuen Wasserkraftwerk an der Zeughausbrücke zweigt der Mühlewiesekanal ab Richtung Norden, wo heute der Neubau der Firma Sia steht.

Turbine könnte Strom erzeugen

Einst versorgte der Kanal die Textilfabrik Altermatt mit Wasserkraft. Im September, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sein werden, wird das Wasser sanft über die neuen Betonschwellen von einem Teich in den nächsten plätschern. Statt wie einst bis zu 3000 Liter pro Sekunde, werden dann noch 100 bis 500 Liter pro Sekunde durch den Kanal fliessen. Zwar nicht mehr genug, um eine ganze Fabrik mit Energie zu versorgen, aber immer noch so viel, dass eine Kleinturbine Strom für drei Haushalte gewinnen könnte. Noch ist das Wasserrad beim Ausfluss des Mühlewiesenkanals in den «Rossgunten» erst eine Idee. «Vielleicht lässt sich ja ein Sponsor finden», meinte der zuständige Stadtrat Ruedi Huber, anlässlich des Augenscheins gestern Freitag.

Erst der Anfang

Der neugestaltete Kanal ist der erste Schritt, um aus dem einstigen Militärgebiet «Buebewäldli» das städtische Naherholungsgebiet Murg-Auen-Park zu schaffen. Im Zentrum steht die Wiederbelebung des Altlaufs der Murg, wie er bis zur künstlichen Gewässerkorrektur im Jahr 1870 bestanden hat. Er führt unterhalb des neuen Kraftwerks vom Hauptlauf weg nach Westen und dann in einer Schlaufe über den «Rossgunten» oberhalb der Autobahn wieder zurück in den Hauptlauf.

Um die ursprüngliche Auenlandschaft mit wechselnden Wasserständen wiederherzustellen, fahren im kommenden Herbst und Winter die Bau- und Forstmaschinen auf. Teile des Murgdamms werden abgetragen. Auf gewissen Abschnitten wird der Damm abgesenkt und der Altlauf der Murg teilweise ausgebaggert. Mit dem Aushub wird ein Lärmschutzwall zwischen Autobahn und Wald aufgeschüttet. Dieser werte das Naherholungsgebiet auf, sagen die Verantwortlichen.

Schwarzpappeln und Eichen

Im Zuge der Bauarbeiten werden auch Bäume gefällt werden müssen. «Die schon gerodeten und noch zu rodenden Flächen werden am gleichen Ort oder an anderer Stelle im Park aufgeforstet», sagt Ruedi Huber. Standortfremde Arten wie Robinien oder Tannen verschwinden. Dafür werden standortgerechte Bäume gefördert, wie Eichen, Eschen oder Weiden. Besonderes Augenmerk liegt auf den seltenen und geschützten Schwarzpappeln, im Volksmund «Thureichen» genannt. Diese und die teilweise sehr mächtigen Eichen werden möglichst nicht angerührt.

Einweihung im Frühjahr 2014

3,6 Millionen Franken investiert die Stadt Frauenfeld in den Murg-Auen-Park. Die Arbeiten am Mühlewiesenkanal sollten im September abgeschlossen sein. Am 11. September wird der Fussweg wieder eröffnet. Anstelle der drei Militärbaracken gibt es einen neuen Pavillon mit öffentlicher Infrastruktur wie WCs und einer Kioskwirtschaft. Der Stadtrat rechnet damit, das aufgefrischte Naherholungsgebiet im Frühling 2014 einweihen zu können.