Zürich dämpft die grüne Hoffnung

FRAUENFELD. Nach den Wahlen in Zürich müssen sich die Thurgauer GLP und die Grünen auf einen Rückgang an Wählerstimmen im Herbst einstellen. Die Idee einer gemeinsamen Listenverbindung ohne Sozialdemokraten dürfte einen Dämpfer erleiden.

Silvan Meile
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Das eidgenössische Parlament wird im kommenden Herbst neu bestellt. (Bild: EQ Images/Yoshiko Kusano)

Das eidgenössische Parlament wird im kommenden Herbst neu bestellt. (Bild: EQ Images/Yoshiko Kusano)

«Die Grünen werden von ihrem eigenen Erfolg eingeholt», sagt Jost Rüegg, Vizepräsident der Thurgauer Grünen. Die gesamte Politik bewege sich bei Umweltthemen in eine Richtung, welche die Grünen seit 30 Jahren vorgeben würden. Doch zu wenig würde die Öffentlichkeit die Erfolge seiner Partei in der Bildungs-, der Verkehrs- und sogar der Wirtschaftspolitik bemerken, bedauert Rüegg: «Nach wie vor werden die Grünen in der Öffentlichkeit als Partei mit einem Thema, der Umwelt, wahrgenommen.» So erklärt sich Jost Rüegg auch das schlechte Abschneiden an den Zürcher Kantonsratswahlen. Am vergangenen Sonntag erlitten die Grünen des Nachbarkantons eine herbe Niederlage mit sechs Sitzverlusten. Die Wahlen im bevölkerungsreichsten Kanton gelten schweizweit als Gradmesser. Sie sollen zeigen, wie sich die politischen Kräfteverhältnisse im Blick auf die eidgenössischen Wahlen vom kommenden Herbst verschieben können.

Die aktuelle Grosswetterlage lässt die Grünen zusammen mit den Grünliberalen im Regen stehen. Denn auch die GLP büsste in Zürich fünf Sitze ein. Und dabei hatten genau diese beiden Parteien im Thurgau Pläne gehegt, mit einer eigenen gemeinsamen Listenverbindung zusammen den Wahlerfolg zu suchen. Mit dem Resultat aus Zürich dürfte diese Idee einen Dämpfer erlitten haben.

Hoffen auf Kulturland-Initiative

Das schlechte Resultat aus Zürich liesse sich nicht einfach auf die Thurgauer Politlandschaft übertragen, findet Rüegg. Hier seien so starke Schwankungen zwischen den einzelnen Wahlen nicht üblich. Ausserdem sei es im Thurgau kürzlich mit der Kulturland-Initiative zu einem Schulterschluss zwischen den Grünen, den Bauern und Teilen der CVP gekommen, was sich aus Sicht der Grünen bei den Wahlen auszahlen könnte. Das liesse sie im Thurgau hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, sagt Rüegg.

GLP will auf Wirtschaft setzen

«Unsere Chancen haben sich nicht verbessert», gibt Stefan Leuthold zu. Der Co-Präsident der GLP Thurgau sagt, das Wahlresultat aus Zürich stimme seine Partei nachdenklich. Für die Grünliberalen gelte es, nun nochmals neu zu analysieren, mit welcher Partei sie eine Listenverbindung eingehen werden. Schon seit Wochen stellt sich die Frage, wie sie ihren Nationalratssitz verteidigen wollen. «Wir müssen allenfalls den Fokus verstärkt auf Wirtschaftsthemen legen», sagt Leuthold. In Zürich ging jedenfalls die FDP als grosse Siegerin aus dem Rennen. Und im Thurgau stehen die Chancen der Liberalen somit noch besser, den vor vier Jahren an die GLP verlorenen Nationalratssitz zurückzugewinnen.

Die Grünliberalen Thurgau hoffen nun nach dem schlechten Abschneiden im Kanton Zürich auf bessere Resultate der Wählerschaft im eigenen Kanton, bevor man sich auf Partner für eine Listenverbindung festlegt. «Noch sind Parlamentswahlen in Weinfelden, Frauenfeld und Kreuzlingen», sagt Leuthold. Diese seien für die GLP Thurgau der entscheidendere Gradmesser als Zürich.

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