Zu Advent wieder im Dienst

FRAUENFELD. Die Sanierung der katholischen Stadtkirche Frauenfeld neigt sich dem Ende zu. Einer der Schluss- und Höhepunkte sind die künstlerischen Intarsienarbeiten aus Marmor und Zinn im Chorraum sowie in der Vierung. Am ersten Adventssonntag soll der erste Gottesdienst stattfinden.

Stefan Hilzinger
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Jelenko Trivunic setzt die Teile der Marmor-Intarsie in der Vierung der katholischen Stadtkirche, wo neu das Taufbecken zu stehen kommt. (Bild: Reto Martin)

Jelenko Trivunic setzt die Teile der Marmor-Intarsie in der Vierung der katholischen Stadtkirche, wo neu das Taufbecken zu stehen kommt. (Bild: Reto Martin)

Die Marmorstücke lagern auf Tablaren in grossen Holzkisten. Teil um Teil sucht Jelenko Trivunic heraus. «Sie zu finden, geht länger, als sie zu versetzen», sagt der Steinverleger, der seit 28 Jahren für die Firma Schmitt Natursteine aus Herisau tätig ist. Am Freitagabend war die kreisrunde Marmorintarsie an der Vierung der Kirche fast fertig. Hier soll künftig das Taufbecken stehen. Die Fugen muss Trivunic nun noch mit Zinn ausgiessen, ebenso die Fugen bei der Einlegearbeit aus dem gleichen Carrara-Marmor im Chorraum. Schöpfer der beiden Werke ist Franz Wanner aus Walenstadtberg. Der freischaffende Künstler hatte die Jury der Kirchgemeinde mit seinem Ansatz überzeugt (siehe Befragt).

Goldschimmernder Marmor

Die 62 000 Franken für den künstlerischen Schmuck aus goldschimmerndem Marmor aus den unterirdischen Steinbrüchen von Ronchieri bei Lucca in Italien ist nur einer von vielen Budgetposten der umfassenden Innen- und Aussenrestaurierung der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus. Die Erneuerung der gut hundertjährigen neobarocken Kirche wird nun etwas teurer als die budgetierten 5,4 Millionen Franken (siehe Kasten). Doch langsam, aber sicher gehen die Arbeiten dem Ende zu.

Am Freitagabend trafen sich die Handwerker in der Kirche zu einem Umtrunk. Das Gerüst im Innern ist abgebaut, die Orgel ist ausgepackt. Anfang dieser Woche erfolgt nun eine Innenreinigung, dann wird das sanft überholte Gestühl wieder eingebaut. «Am ersten Adventssonntag findet der erste Gottesdienst seit der Schliessung statt», sagt Architekt Peter Büchel aus Weinfelden, der für die Komplettsanierung verantwortlich zeichnet.

Heller als bisher

Das Gotteshaus scheint innen wesentlich heller als bei seiner vorübergehenden Schliessung seit Mitte April. «Es ist unglaublich hell, sehr schön. Schon die gründliche Reinigung hat viel gebracht», sagt Kirchenpräsident Lukas Leutenegger. Architekt Büchel weist auf ein dunkelbraunes Quadrat an der Decke, das mit Absicht nicht gereinigt wurde. «So hat es vor der Renovation ausgesehen.» Statt dunkelbraun und grau dominieren nun helle Pastellfarben und Weiss.

Beichtstühle umgewidmet

Nicht nur der Altarraum samt neuem Ambo und die Vierung mit Taufstein haben frische Akzente erhalten. Im Zug der Sanierung hat auch ein Teil der fünf Beichtstühle eine neue Funktion bekommen. Zwei Stühle dienen noch der Beichte, einer davon in klassischer Gestaltung «wie man sie aus den Filmen kennt», sagt Büchel. Der zweite ist so gestaltet, dass Seelsorger und Beichtender sich offen gegenübersitzen. In einem weiteren Beichtstuhl liegt künftig ein Fürbitte-Buch auf. Die beiden letzten Beichtstühle schliesslich stehen künftig für Alpha und Omega, den Anfang und das Ende irdischen Lebens. In ersteren sollen Familien Geburtsanzeigen auflegen können, in zweitem Todesanzeigen oder Danksagungen.

Nun ist noch die Orgel dran

Baustart für die Rundum-Erneuerung der katholischen Stadtkirche war im Mai 2014. Zu Ostern 2016 sollen die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Denn die Sanierung der Orgel steht noch an. Sie wird nur für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel vorübergehend in Betrieb genommen.