Zölibatsproblem führt zu Rücktritt

Der Benediktinermönch Niklas Raggenbass aus Kreuzlingen legt sein Amt als Stadtpfarrer von Solothurn nieder. Er habe in seelsorgerischen Beziehungen die notwendige Distanz nicht wahren können. Der Bischof nimmt die Demission an.

Urs Oskar Keller
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Niklas Raggenbass war gerne Seelsorger. (Bild: Urs Oskar Keller)

Niklas Raggenbass war gerne Seelsorger. (Bild: Urs Oskar Keller)

KREUZLINGEN/SOLOTHURN. «Ich wette, der Niklas wird noch Papst!», hoffte Christian Forster im August 2013 vor der St. Ursen-Kathedrale in Solothurn. Der Kreuzlinger Gemeinderat (Rägäboge) hatte der Einsetzung seines Freundes Niklas Raggenbass als Pfarradministrator beigewohnt. Doch bereits nach zwei Jahren legt Raggenbass, Benediktinermönch des Klosters Engelberg, nun sein Amt als Pfarradministrator der beiden Pfarreien St. Urs und Viktor und St. Marien in Solothurn nieder.

«Ich bin zur Überzeugung gekommen, dass ich den Dienst als Seelsorger in den beiden Pfarreien und im Bistum Basel nicht mehr wahrnehmen kann», bestätigt Niklas Raggenbass gegenüber unserer Zeitung seine Demission. «Ich suche einen neuen Weg», sagt der 60jährige Thurgauer Theologe. «Wenn es mir auch schier das Herz zerreisst.»

Schwierige Beziehungen

Was ist geschehen? In den vergangenen Monaten habe er im Umgang mit Erwachsenen die von Seelsorgern geforderte Einhaltung von Nähe und Distanz leider nicht immer wahren können, schrieb Niklas Raggenbass an die Angehörigen seiner Pfarreien. «Es entstanden schwierige zwischenmenschliche Beziehungen, was mich auch an meine psychischen und körperlichen Grenzen führte. Zugleich musste ich mich neu fragen, ob ich zum Seelsorger berufen und als solcher geeignet bin.»

Die Hintergründe bleiben kryptisch. Es gab ein Zölibatsproblem. Das alles sei eben sehr delikat und ausserordentlich schwierig, ergänzt Raggenbass. Das Zölibat verpflichtet katholische Geistliche, sexuell enthaltsam zu leben und nicht zu heiraten.

In einem Gespräch mit dem zuständigen Bischof Felix Gmür bot Raggenbass an, zurückzutreten. Der Bischof des Bistums Basel, der seinen Sitz in Solothurn hat, hat seine Demission angenommen. Hansruedi Huber, Kommunikationsverantwortlicher des Bistums Basel: «Niklas Raggenbass hat sehr gute Arbeit geleistet. Insofern sind sein Abgang und die Umstände, die dazu geführt haben, eine Enttäuschung. Im Zentrum stehen nun die Konsolidierung des Vertrauens und die Neubesetzung.»

Kirchgemeinde bedauert

Der Kirchgemeinderat habe Pater Raggenbass' Wunsch nach sofortigem Rücktritt akzeptiert und betont sein Bedauern über die Geschehnisse, schreibt Karl Heeb, Präsident der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn in einer Mitteilung. Die Kirchgemeinde sagt ebenfalls, dass es dem Benediktinerpater nicht immer gelungen sei, «in seelsorgerischen Beziehungen die notwendige Distanz einzuhalten». Niklaus Raggenbass ist sich bewusst, dass «ich einige Personen durch mein Verhalten verletze und enttäusche». In der Zwischenzeit hat Raggenbass Solothurn bereits verlassen und sich «an einen geeigneten Ort» zurückgezogen, damit er seine priesterliche Berufung grundsätzlich überdenken und seinen Weg suchen und finden kann. Er gesteht: «Ich bin sehr gerne Seelsorger, und da vergesse ich, dass ich eben noch einen Hinterhof – ein <privates> Leben – habe. Und das habe ich wie eine Besenkammer behandelt.»

Unkonventionelle Ideen

Der Stadtpfarrer kam bei der Bevölkerung gut an, und seine Predigten wurden sogar beklatscht. Die «Solothurner Zeitung» beschreibt den Benediktinermönch als einen Seelsorger, der durch oft unkonventionelle liturgische Ideen und durch seelsorgerische Nähe für frischen Wind in den Pfarreien St. Ursen und St. Marien gesorgt habe. «Mit seiner progressiven Amtsauffassung dürfte er aber gerade bei konservativen Kirchgängern auch angeeckt haben.»

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