Zirkus: Haustier statt Raubtier

Zirkusdirektor Martin Stey feiert am Samstag den Tournéebeginn in Steckborn: Schon lange verabschiedete sich der Familienzirkus von den Raubtiernummern, stattdessen spielen Hunde Fussball und zeigen Ziegen, was sie draufhaben.

Gudrun Enders
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Diese Ziege kann sogar reiten: Junior Martin Stey zeigt auf der Tournée eine Dressurnummer mit Miniziegen, Lamas und Eseln. (Bild: Benjamin Manser)

Diese Ziege kann sogar reiten: Junior Martin Stey zeigt auf der Tournée eine Dressurnummer mit Miniziegen, Lamas und Eseln. (Bild: Benjamin Manser)

STECKBORN. Der rote Samtvorhang bauscht sich. Gemecker im Hintergrund. Zirkusdirektor Martin Stey tritt durch den Vorhang, noch in zivil. Er führt eine Mini-Ziege an der Leine. Das Tier sieht das Podest in der Mitte der Manege und springt gleich darauf, motiviert von den Leckerlis, die Martin Stey in der Hand hält. Beide zeigen sich dem Zeitungsfotografen von ihrer besten Seite.

Es ist Mittwochmorgen. Der Zirkus Stey hat Stellung auf dem Platz hinter dem Seeschulhaus bezogen. In Steckborn findet traditionell die Premiere statt, denn Familie Stey wohnt nur wenige Kilometer entfernt in Hörhausen, und das Winterlager ist ein paar Dörfer weiter in Bonau beheimatet. Auf dem jahrelangen Standort des Zirkus im Feldbach werden zurzeit die alten Industriehallen abgerissen, deshalb gastiert Stey mitten im Städtchen. Dem jungen Zirkusdirektor ist das mehr als recht: «Da wissen die Steckborner, dass wir da sind.

» Kaum beginnt die Pause, wuseln die Primarschüler zwischen den Wohnwagen herum. Stey schaut den Kindern hinterher: «Genau davon lebt unser kleiner Familienzirkus.»

Erste Saison als Zirkusdirektor

Junior Martin Stey bestreitet dieses Jahr die Tournée in eigener Regie. Im letzten Jahr kamen seine Eltern noch einmal mit, obwohl sie längst das Pensionsalter erreicht hatten.

Doch nun übernimmt der Junior das Ruder: «Das bedeutet sehr viel mehr Arbeit für mich», sagt Stey, der unumwunden zugibt, aufgeregt zu sein.

In der vergangenen Saison setzte Zirkus Stey wieder auf die traditionellen Werte eines Familienzirkus. «Die Rechnung ging auf», sagt Stey. Auch in dieser Saison wird sich der kleine Thurgauer Zirkus einem traditionellen Auftritt verschreiben.

Als Martin Stey in seiner ersten Saison 2008 auf eine wunderschöne und aufregende Asia-Show setzte, war das Publikum zwar begeistert, aber nicht so zahlreich, dass danach die Kasse stimmte. Nun bleibt Martin Stey beim Bewährten. Er selbst wird bei drei Nummern in der Manege stehen. Zudem treten in seiner Manege in diesem Jahr unter anderem Boxer-Hunde als verrückte Fussball-Mannschaft auf.

Älteste Zirkusdynastie

Stey junior kann auf familiäre Unterstützung zählen: Im Büro sitzt sein Onkel, Ruedi Mettler, der die Administration bestreitet. Das Büro ist ein alter Wohnwagen aus Holz, in dem Bilder von der Grossmutter des 34jährigen Zirkusdirektors hängen. Es handelt sich um Mathilde Stey. Ihre Schwester Mimi Stey dagegen gehört zum Zirkus Royal. Onkel Mettler kennt die Geschichten, denn er reiste insgesamt schon 23 Jahre mit dem Zirkus mit. Und so kennt er auch die Geschichte seines Bürowagens.

Zunächst war es der private Wohnwagen von Familie Stey. Später wurde er zum Schulzimmer umfunktioniert. «Martin Stey hat hier die Schulbank gedrückt», sagt Mettler. Sogar eine Tafel hängt noch. Martin Stey entspringt einer Zirkusfamilie, die sich als älteste Zirkusdynastie rühmt. Der Stammbaum soll bis auf 1437 zurückreichen.

Auftritte in Steckborn: Samstag 15 und 20 Uhr, Sonntag 15 Uhr