Zinsen machen der TKB Sorgen

Die Thurgauer Kantonalbank dürfte ihr Gewinnziel für 2010 nicht erreichen, glaubt der neue CEO Peter Hinder. Auch im ersten Halbjahr 2010 ging der Erfolg aus dem Zinsgeschäft weiter zurück. Ihre Risikopolitik will die TKB aber nicht ändern.

Kaspar Enz
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Peter Hinder nimmt Platz: Der neue Vorsitzende der Geschäftsleitung der TKB, Peter Hinder (l.), und Bankratspräsident René Bock. (Bild: Urs Jaudas)

Peter Hinder nimmt Platz: Der neue Vorsitzende der Geschäftsleitung der TKB, Peter Hinder (l.), und Bankratspräsident René Bock. (Bild: Urs Jaudas)

weinfelden. Er sei zufrieden, dass er seine angestrebte Rolle wieder spielen könne, sagte René Bock gestern vor den Medien. Bock war noch nicht lange Bankratspräsident der Thurgauer Kantonalbank, als er im letzten Sommer gleich auch die operative Führung der Bank zu übernehmen hatte, weil Hanspeter Herger, der damalige Vorsitzende der Geschäftsleitung, zurücktrat.

Vor drei Monaten hat Peter Hinder nun diese Position übernommen und gestern konnte er zum ersten Mal die Halbjahreszahlen der Bank präsentieren. «Peter Hinder ist schnell im Thurgau gelandet», sagte Bock.

Gewinnziel korrigiert

Er sei beeindruckt, wie die Thurgauer Unternehmen die Krise bewältigen, sagte Peter Hinder. Ein Aufschwung sei wieder spürbar. Trotz des Baubooms sei der Thurgauer Immobilienmarkt nicht überhitzt. Aber Hinder hatte nicht nur Positives zu berichten.

Das Gewinnziel, das die TKB sich für 2010 setzte, dürfte nicht erreicht werden, sagte er. 136 Millionen Franken Bruttogewinn lautete das Ziel; nun korrigiert Hinder die Zahl auf 110 bis 120 Millionen Franken. «Wir gingen bei der Budgetierung von einer Erholung der Zinsen und der Aktienmärkte aus.» Doch der Aufschwung an den Börsen, der Ende 2009 einsetzte, wurde von der Euro-Krise zunichte gemacht.

Und obwohl die Zinsen schon länger auf historisch tiefem Niveau seien, gehe die Entwicklung nach unten weiter. «Das kostet uns im Zinsergebnis viel Geld.»

Um 7,5 Millionen Franken ging der Erfolg aus dem Zinsgeschäft bei der TKB zurück, trotz höheren Ausleihungen und mehr Kundengeldern. Schmerzhaft, denn der Zinserfolg ist die wichtigste Ertragskomponente der Kantonalbank. «Seit acht Jahren gehen die Margen im Hypothekengeschäft zurück», sagte Peter Hinder. Positiv sei aber, dass der Trend in den letzten eineinhalb Jahren abgeflacht sei.

«Doch die Auswirkungen treffen uns erst verzögert», denn die meisten Hypotheken seien festverzinslich. «Das kann auch der Volumenzuwachs nicht wettmachen», sagte Peter Hinder. Dafür müsste es wesentlich stärker wachsen. «Das ginge auf Kosten der Qualität.» Doch: «Wir lassen uns nicht nervös machen und halten an unserer Risikopolitik fest.» Die Werte für Tragbarkeit und Belehnung würden nicht verändert. Die TKB stelle sich auf einen längeren Zeitraum mit tieferen Zinsen ein, sagte Hinder.

«Irgendwann müssen die Zinsen steigen. Die Frage ist, wann.»

Lehrlinge sind versorgt

Gesunken ist aber nicht nur der Bruttogewinn. Auch der Geschäftsaufwand ging leicht zurück. Dank der neuen IT-Plattform habe der Sachaufwand schon letztes Jahr nachhaltig gesenkt werden können. Im ersten Halbjahr 2010 war aber vor allem der Personalaufwand für den Rückgang verantwortlich. Die Zahl der Vollzeitstellen sank von 664 auf 647. Bei den 20 Lehrabgängern habe die TKB ihre Verantwortung wahrgenommen, sagte Hinder.

Auch diejenigen, die noch keinen fixen Vertrag haben, stellt die TKB für mindestens ein Jahr an. Mit einem Jahr Erfahrung falle es leichter, eine feste Stelle zu finden. wirtschaft 20

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