Ziemlich rechts trifft auf bürgerlich

WÄNGI. Mit derart grossem Interesse haben die Veranstalter nicht gerechnet. Am Podium der Wängemer Kandidaten für das Gemeindepräsidium ist der Saal lange vor Beginn bis auf den letzten Platz gefüllt. Thomas Goldinger und Iwan Wüst mobilisieren ihre Wähler.

Olaf Kühne
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Iwan Wüst ist Kantonsrat und politisiert für die EDU. (Bilder: Olaf Kühne)

Iwan Wüst ist Kantonsrat und politisiert für die EDU. (Bilder: Olaf Kühne)

Christlich, konservativ und «ziemlich rechts»: Iwan Wüst machte am Mittwochabend keinen Hehl aus seiner Parteizugehörigkeit und seiner entsprechenden Gesinnung. Der EDU-Kantonsrat traf an einem Podium der Interpartei auf seinen Kontrahenten im Rennen um das Wängemer Gemeindepräsidium: Thomas Goldinger, Gemeindeschreiber und FDP-Mitglied.

Doch während letzterer sich politisch kaum positionieren musste – ein einfaches «bürgerlich» genügte – wurde Wüst diesbezüglich in die Mangel genommen. Die Frage aus dem Publikum, ob er für eine Trennung von Kirche und Staat sei, liess er aber trotz mehrmaligem Nachhaken des Fragenden unbeantwortet.

Thomas Goldinger ist Gemeindeschreiber und Mitglied der FDP. (Bild: OLAF KUEHNE)

Thomas Goldinger ist Gemeindeschreiber und Mitglied der FDP. (Bild: OLAF KUEHNE)

Kein absolutes Wachstum

Abseits von Religion und Partei waren die Unterschiede, die sich im Laufe des Abends offenbarten, indes nicht allzu gross. Goldinger und Wüst waren sich in zahlreichen Themen einig. So bezüglich der künftigen Entwicklung Wängis. «Die Zeiten des absoluten Wachstums sind vorbei», sagte Goldinger. «Ich sehe Wängi nicht mit 7000 Einwohnern in den nächsten 20 Jahren.» Ein «gesundes» Wachstum befürwortete er aber genauso wie sein Gegenspieler. «Über 95 Prozent unserer Ausgaben sind fremdbestimmt – mit steigender Tendenz», sagte Wüst. «Nur schon für deren Finanzierung brauchen wir ein gewisses Wachstum.»

Einigkeit auch bezüglich des geplanten Wängemer Kleinwasserkraftwerkes: Beide Präsidiumskandidaten stehen hinter dem Projekt. Wüst ergänzte seinen Standpunkt: «Ich bin für den Atomausstieg.» Schliesslich liege ihm als gläubigem Christ die Schöpfung besonders am Herzen, weshalb er trotz seiner Positionierung im rechten politischen Lager durchaus für den Umweltschutz sei. Ungeachtet seines ökologischen Bekenntnisses benannte Wüst, von Moderator Urs Schrepfer nach Wängis Stärken gefragt, den nahen Autobahnanschluss, während der liberale Goldinger, nach Schwächen gefragt, den fehlenden S-Bahn-Anschluss bedauerte.

Gelassener Amtsinhaber

Wie weit Goldinger und Wüst mit ihren Auftritten die Meinungsbildung der Stimmbürger zu beeinflussen vermochten, liess sich am Mittwochabend nicht ausmachen. Das Interesse am Podium war jedenfalls riesig. Lange vor Beginn war der letzte Platz im «Schäfli»-Saal besetzt, zahlreiche Besucher verbrachten den Abend stehend.

Ruhig sitzen blieb hingegen der abtretende Amtsinhaber Benno Storchenegger. Er schien die Darbietungen seiner potenziellen Nachfolger sichtlich zu geniessen. «So etwas erlebt man genau einmal im Leben», sagte er lachend. Dass just neben Storchenegger vor und nach dem Podium Goldinger sass, sei indes reiner Zufall, betonte dieser.

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