Zepf: Schonzeit für Kanton vorbei

Der Thurgauer Regierungsrat will trächtige Rehe nur einen statt drei Monate länger vor Jägern schützen. Zudem wartet er auf den Bund. Der Tierschutzverbandspräsident packt jetzt die Volksinitiative an.

Brigitta Hochuli
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Im Januar könnten Rehe und Rothirsch im Thurgau geschont werden – Voraussetzung ist aber die Revision der eidgenössischen Jagdverordnung. (Bild: fotolia)

Im Januar könnten Rehe und Rothirsch im Thurgau geschont werden – Voraussetzung ist aber die Revision der eidgenössischen Jagdverordnung. (Bild: fotolia)

Frauenfeld. Den Anstoss zu Reinhold Zepfs Vorstoss bei der Thurgauer Regierung im Juni dieses Jahres gab vor fünf Jahren der Vortrag eines Professors. Der Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbands (TTSV) war Ehrengast an der Jubiläumsfeier des Vereins Jagd Thurgau. Schon im Januar und erst recht im Juni müsse Schluss sein mit der Jagd auf trächtige Rehgeissen und Muttertiere, habe der Professor gefordert.

Jetzt kommt der Regierungsrat dieser Forderung mindestens teilweise nach. Er lehnt zwar die Ausdehnung der Schonzeit für trächtige Rehe um die Monate Mai und Juni ab, ist aber bereit, jene für Rehe und den Rothirsch auf den Januar zu prüfen. Voraussetzung sei allerdings der Abschluss der Revision der eidgenössischen Jagdverordnung (siehe Kasten).

Die wildbiologische Sicht

Zurzeit ist im Thurgau eine Schonzeit für alle Rehe vom 1. Februar bis am 30. April vorgeschrieben. Einschränkend seien die Muttertiere in Begleitung ihrer Jungen geschützt, schreibt die Regierung in einer Mitteilung. Von Mai bis Juni würden zwar von einem kleineren Kreis der Jägerschaft weibliche Rehe geschossen, dabei handle es sich aber um Schmalrehe, die weder beschlagen (gedeckt) noch trächtig seien, oder um ältere Geissen, die nicht mehr aufgenommen hätten. Kein Jäger werde indes in dieser Zeit eine trächtige Rehgeiss oder ein Kitz schiessen.

Weibliche Rehe bereits im Mai und Juni zu bejagen, sei aus wildbiologischer Sicht ausserdem begrüssenswert. Die frühzeitige Entnahme von Rehen aus einem Gebiet könne ein Revier von Verbiss und Übernutzung entlasten, und die Abschüsse könnten so gleichmässig auf die Geschlechter verteilt werden.

Ebenfalls aus wildbiologischer Sicht seien einzelne Abschüsse im Januar tolerierbar.

Nicht akzeptabel wäre hingegen, im Januar bei viel Schnee Rothirsche zu jagen, weil durch den Stress auch die Rehe beunruhigt würden.

Sicher nicht in Verordnung

Reinhold Zepf ist mit der Antwort der Regierung nicht zufrieden. Dass die Verlängerung der Schonzeit auf Januar nur geprüft werden soll, bestärkt ihn im bereits getroffenen Beschluss, eine Volksinitiative zu lancieren. Zepf betont einmal mehr (Tagblatt, 31.

8.10), dass ihm vom Bund (Uvek) geschrieben worden sei, die Verlängerung der Schonzeit werde «mit Sicherheit» nicht in die Revision der eidgenössischen Jagdverordnung aufgenommen. Die Schonzeit sei vielmehr im Bundesgesetz über die Jagd geregelt. Zepf geht davon aus, dass der TTSV die angekündigte Volksinitiative nun lanciert und mit der Unterschriftensammlung beginnt. Die Schonzeit für den Kanton sei jedenfalls vorbei.

Roman Kistler, Chef der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung, den Reinhold Zepf im übrigen als «leidenschaftlichen Jäger und demzufolge befangen» deklariert, sieht der Initiative gelassen entgegen. «Wenn Herr Zepf eine Volksinitiative lanciert, ist das grundsätzlich sein Recht. Man muss sich allerdings fragen, wie sinnvoll das wäre.» Denn der Regierungsrat sei klar zum Schluss gekommen, dass eine Verlängerung der Schonzeit von Anfang Mai bis Ende Juni nichts bringe und unnötig sei.

Für die Verwaltung sei die Akzeptanz einer solchen Initiative im übrigen schwierig einzuschätzen, denn man könne nicht objektiv beurteilen, wie viel Verständnis für die Problematik der Schonzeit von Rehen im Volk vorhanden sei. Sicher würde man versuchen, noch vermehrt zu sensibilisieren, was aber vor allem Jagdkreise tun müssten.

«Von Verwaltungsseite her wäre dies heikel und schwierig, denn je nach Adressat könnte eine offizielle Stellungnahme unterschiedlich ausgelegt werden.»

Nicht ständig anpassen

Der Grund, die laufende Revision der eidgenössischen Jagdverordnung abzuwarten, liege darin, so Kistler, dass von dieser Rahmengesetzgebung Auswirkungen auf die Jagdgesetze und Verordnungen der Kantone zum Beispiel bezüglich verbessertem Lebensraumschutz (Schongebiete) zu erwarten seien und man die Thurgauer Verordnung nicht alle zwei Monate anpassen wolle.