Zentralismus und Bürokratie

Der schweizerische Föderalismus hat sich bewährt. Es bringt ja wirklich nichts, alles zu zentralisieren. Wo doch bewiesen ist, dass ein Appenzeller Kind nicht gleich früh reif ist für den Kindergarten wie eines im Luzernischen. Oder für den Englischunterricht.

David Angst
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Der schweizerische Föderalismus hat sich bewährt. Es bringt ja wirklich nichts, alles zu zentralisieren. Wo doch bewiesen ist, dass ein Appenzeller Kind nicht gleich früh reif ist für den Kindergarten wie eines im Luzernischen. Oder für den Englischunterricht. Im Prinzip müsste man mit dem Föderalismus noch weiter gehen. Das Bundesgericht zum Beispiel könnte man geradeso gut abschaffen. Dort kommt aus Thurgauer Sicht ohnehin nur Schrott heraus in letzter Zeit.

Ebenso überflüssig sind eidgenössische Gesetze für Finanzpolitik, Steuerpolitik, Raumplanung, Radio und Fernsehen, Luftfahrt, Strassenbau und den öV. Kann man alles den Kantonen überlassen. Wenn es hart auf hart kommt, gibt es eigentlich nur drei Dinge, die man auf Stufe Eidgenossenschaft regeln muss: die Landesverteidigung, die AHV und den Pausenapfel.

Beim Pausenapfel sind sich sogar der Nationalrat und der Bundesrat einig. Beide unterstützen eine Motion von Christian Lohr, der verlangt, an allen Schweizer Schulen Äpfel zu verteilen. Nun schert aber der Ständerat aus. Selbst die beiden Thurgauer Ständeräte haben gegen das Apfel-Obligatorium gestimmt. Vordergründig behaupten die Ständeräte, der Pausenapfel sollte nicht vom Bund verordnet werden. Hartnäckige Recherchen haben aber etwas anderes ergeben: Weil an der Expo in Mailand schon so viele Apfelringli gegessen worden sind, sind im Thurgau die Äpfel ausgegangen.

So oder so. Zentralismus und Bürokratie machen unser Land kaputt. Gerade auch bei der Strassensignalisation. Wofür braucht Wäldi zum Beispiel Fussgängerstreifen, wo es doch keine Fussgänger hat? Dort fahren nämlich 84 Prozent der Einwohner Auto. In Gachnang ist das bevorzugte Verkehrsmittel das Velo. Und in Birwinken der Rolator. Da braucht es wieder andere Verkehrssignale.

Wohin Zentralismus und Bürokratie führen können, sehen wir jetzt gerade in Hauptwil. Genauer gesagt in Frauenfeld, wo der Amtsschimmel galoppiert, weil der Hauptwiler Gemeinderat am Strassenrand grüne Streifen für die Fussgänger malen liess. Weshalb in aller Welt soll man zwischen Freihirten und Hauptwil keine grünen Streifen malen dürfen? Wären weisse etwa besser? Wo doch jedem einleuchtet, wie heikel weisse Streifen sind, und wie schwierig es ist, die Kuhfladen von ihnen wegzuwischen.

Aber davon haben die Bürohengste in Frauenfeld keine Ahnung.

david.angst@thurgauerzeitung.ch