Zeit für eine neue Aufgabe

Seit gestern abend ist Ursula Duewell Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins Frauenfeld. Sie will die Traditionen des Vereins weiterführen und die Vereinsamung im Alter bekämpfen. Ihre Zielgruppe sind in erster Linie Neurentner.

Rahel Haag
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Ursula Duewell ist Präsidentin des ältesten Frauenvereins der Schweiz. (Bild: Reto Martin)

Ursula Duewell ist Präsidentin des ältesten Frauenvereins der Schweiz. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Ursula Duewell lebt mit ihrer Familie in der Nähe des Kantonsspitals Frauenfeld. Hier in dem hellen Haus zog sie ihre drei Kinder gross. Noch wohnen sie alle daheim.

«Ich war während neun Jahren Präsidentin des Elternvereins Frauenfeld», sagt Duewell. Jetzt, wo ihre Kinder immer grösser werden, sei es Zeit für etwas Neues. So wird sie nun Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins Frauenfeld. Ihre Vorgängerin Katrin Schlaginhaufen habe den Verein fünf Jahre lang geführt. «Jetzt will sie ihr Arbeitspensum erhöhen und hat mich angefragt, ob ich ihre Position nicht übernehmen würde.» Duewell dagegen ist schon seit über 20 Jahren nicht mehr berufstätig. «Ich habe damals entschieden, meinen Beruf aufzugeben, um mich um die Kinder kümmern zu können.» Da sei die Freiwilligenarbeit genau das Richtige für sie gewesen.

Traditionen weiterführen

Mit 51 Jahren sei sie eine der jüngsten im Verein. «Im Durchschnitt sind unsere Mitglieder zwischen 60 und 70 Jahre alt», sagt sie. Ihr geht es in erster Linie darum, die Traditionen des Vereins weiterzuführen, der 1841 gegründet wurde und damit der älteste Frauenverein der Schweiz ist. «Und natürlich wollen wir etwas gegen die Vereinsamung im Alter tun.» Der Verein organisiert für die freiwilligen Helfer immer wieder Anlässe, bei denen sie sich austauschen können. Für die Fahrer des Rotkreuz- und des Mahlzeitenfahrdienstes gibt es regelmässige Treffen. Die übrigen Helfer treffen sich an einem Helfernachmittag. «Unsere Zielgruppe sind Neurentner, die eine neue Aufgabe suchen.»

Der Gemeinnützige Frauenverein zählt derzeit rund 400 Mitglieder – Männer können dem Verein nach wie vor nicht beitreten. «Vor allem beim Fahrdienst haben wir auch männliche Helfer.» Die Tradition, dass der Verein Frauen vorbehalten sei, wolle man aber weiterführen. «Es gibt ja auch Clubs, die nur männliche Mitglieder aufnehmen», sagt sie.

Ein langfristiges Engagement

Wie viel Arbeit als Präsidentin auf sie zukommt, weiss Ursula Duewell noch nicht. «Ich rechne mit einigen Stunden pro Woche.» Doch es ist ihr ernst mit ihrer neuen Aufgabe. So spricht sie von einem langfristigen Engagement und davon, dass sie sich etwas aufbauen wolle.

Vor 15 Jahren zog Ursula Duewell mit ihrem Mann und den beiden Söhnen von Zug nach Frauenfeld. Ihr Mann habe am Kantonsspital eine Stelle als Chefarzt bekommen. «Meine Tochter kam hier zur Welt und ist eine echte Thurgauerin», sagt sie lachend. Sie selbst habe Frauenfeld nicht gekannt, aber schnell gemerkt: «Frauenfeld ist ideal, um Kinder grosszuziehen. Hier hat man alles, was man braucht, und lebt trotzdem nicht in einer Grossstadt.» Und Ursula Duewell kennt den Unterschied. Früher lebte sie in Genf, Zürich und Washington. Mittlerweile sei sie in Frauenfeld gut vernetzt und habe im Thurgau ihren Lebensmittelpunkt. «Das wird sich auch nicht so schnell ändern. Hier sind mein Mann und ich sesshaft geworden.»

Mehr Zeit für sich

Im Sommer werde sie seit langem wieder einmal alleine mit ihrem Mann verreisen. «Wir werden drei Wochen mit dem Auto in Norwegen unterwegs sein», sagt sie. Zu zweit sei das Reisen weniger kompliziert. Man sei einfach flexibler. «Ausserdem haben wir dann wieder einmal Zeit für uns.»

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