Zehn Millionen für Bachprojekt

Der Krebsbach kann bei Hochwasser eine Gefahr für die Autobahn werden. Um das zu verhindern, arbeitet der Kanton Thurgau mit dem Astra, den drei betroffenen Gemeinden und dem Kanton St. Gallen an einem Vorprojekt.

Belinda Halter
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An der Bachstrasse in Rickenbach ist eine Ausweitung des Krebsbaches fast nicht möglich. (Bild: Belinda Halter)

An der Bachstrasse in Rickenbach ist eine Ausweitung des Krebsbaches fast nicht möglich. (Bild: Belinda Halter)

Rickenbach. Momentan plätschert der Krebsbach ruhig von Wil nach Rickenbach. Dass das kleine Bächlein aber zur Gefahr werden kann, wissen die betroffenen Gemeinden schon lange. Bei einer Hochwassersituation kann das Wasser auf die Autobahn fliessen. Grund dafür ist der Düker, ein Kanal, der das Wasser unter der Autobahn durchführt. Dieser ist für eine Wassermenge von 15 Kubikmetern pro Sekunde gebaut. Bei einer Hochwassersituation rechnet man jedoch mit 30 Kubikmetern pro Sekunde.

Kanton ist Projektleiter

«Bis jetzt lief das Wasser erst zweimal auf die Autobahn – Unfälle gab es keine», sagt Max Forster, Leiter Betriebe der Stadt Wil. Die Gefahr bestehe jedoch immer noch und deshalb wolle man das Problem jetzt anpacken. Diesen Tatendrang verspüren auch die Gemeindeammänner von Rickenbach und Wilen, Ivan Knobel und Kurt Enderli. Die drei Gemeinden Rickenbach, Wilen und Wil haben jedoch die Projektleitung an den Kanton abgetreten. «Das Projekt ist wasserbautechnisch sehr komplex, und mehrere Gemeinden sind involviert», begründet Max Forster diesen Schritt.

Da es vorwiegend ein Schutz für Rickenbach sei, übernimmt der Kanton Thurgau die Projektleitung und nicht der Kanton St. Gallen. Die drei Gemeinden beteiligen sich in einer Projektgruppe. In dieser Gruppe vertreten sind ausserdem die Sektion Wasserbau des Tiefbauamts des Kantons St. Gallen und das Astra. Klemens Müller vom Ressort Wasserbau des Amts für Umwelt Thurgau leitet die Gruppe. Er spricht von einem umfangreichen Projekt. In einer Machbarkeitsstudie wurden bereits vor einigen Jahren vier Linienführungen ausgearbeitet. «Wir haben nun zwei Varianten ausgewählt, bei denen wir am meisten Chancen sehen», erklärt Klemens Müller. Die erste Variante sieht eine Ausweitung des heutigen Krebsbaches vor. Um die gesamte vorgesehene Hochwassermenge in die Thur zu leiten, muss ein zusätzlicher Autobahndüker gebaut und das Bachgerinne vergrössert werden. Dabei sieht Klemens Müller allerdings Schwierigkeiten auf sich zukommen. Das Gebiet, an denen der Bach vergrössert werden kann, ist eingegrenzt. Eine dieser Stellen befindet sich entlang der Bachstrasse in Rickenbach. Eingezäunt durch den Webereiweiher auf der einen und engem Baugebiet auf der anderen Seite gibt es hier fast keine Vergrösserungsmöglichkeiten. Verschärft wird die Gefahrensituation dort zusätzlich durch den Zufluss des Alpbachs.

Technisch schwierige Varianten

In der zweiten Variante ist ein neuer Entlastungskanal entlang der Autobahn auf der Wiler Seite geplant. Das Wasser würde damit weiter östlich dem Alpbach und später der Thur zugeführt werden. Obwohl Klemens Müller bei beiden Projekten vor technische Schwierigkeiten gestellt wird, bleibt er gelassen: «Das Vorprojekt soll ja aufzeigen, wo die Probleme sind.»

Grosser Zeit- und Geldaufwand

Beide Varianten benötigen vor allem zwei Güter: Zeit und Geld. «Da die Verhandlungen sehr langwierig sein können, rechnen wir mit der Realisierung des Projekts erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehntes», sagt Klemens Müller. Denn neben den technischen Herausforderungen sind auch Grundeigentümer vom Nutzen der Massnahmen zu überzeugen.

Bis zu zehn Millionen Franken – mit diesen Kosten wird gemäss der Machbarkeitsstudie gerechnet. Damit die Kosten aber nicht ausschlaggebend für eine Variante seien, wurde die Kostenteilung noch offen gelassen, sagt Müller.

Bevor sich die Projektgruppe für eine Variante entscheidet, werden vier Ingenieurbüros die zwei Vorprojekte ausarbeiten. In den Vorprojekten sollen auch die Defizite der Siedlungsentwässerung von Wilen und vom Wiler Südquartier berücksichtigt werden. Erste Entwürfe sollen bis Ende dieses Jahres erarbeitet sein, so das Ziel Müllers.