Zehn Jahre Haft für Rolf Erb beantragt

Rolf Erb verweigerte gestern am Bezirksgericht Winterthur jegliche Antwort, weil er das Verfahren als «nicht fair» beurteilte. Der Richter stellte rund zwei Stunden Frage um Frage in die Stille des Saals.

Caspar Hesse
Drucken

Der zweite Prozesstag am Bezirksgericht Winterthur bot zwei Überraschungen. Zum einen hatte das Gericht den beiden neu zugelassenen Wahlverteidigern Delnon und Rüdy die Prozessakten in elektronischer Form auf einem USB-Stick überreichen wollen, doch weder Vera Delnon noch Bernhard Rüdy erschienen vor Gericht. Rolf Erb zeigte sich darüber nicht erstaunt, hätten die beiden doch erklärt, sich ohne Verschiebung des Prozesses nicht genügend vorbereiten zu können. Zum andern verweigerte Erb selber dem Gericht jegliche Antwort zu seiner Befragung und sagte in einer persönlichen Erklärung, er könne kein faires Verfahren erwarten.

Erb ist «schockiert»

Er sei schockiert über den Vorwurf, dass er mit dem Verschiebungsantrag rechtsmissbräuchlich gehandelt haben soll, wie ihm das Gerichtspräsident Bernhard Sager unterstellte (Ausgabe von gestern). Es würden wichtige Akten im Keller der Staatsanwaltschaft lagern, die ihn entlasteten, vor allem Unterlagen zu den Devisengeschäften.

Nach der Befragung zur Person beantragte die Verteidigung, auf die Befragung zur Sache zu verzichten, da Erb keine Antwort geben werde. Sager fuhr trotzdem weiter mit der Befragung, da es nicht möglich sei, auf das rechtliche Gehör zu verzichten. Während rund zweier Stunden reihte sich Frage an Frage, ohne dass je eine Antwort gegeben wurde. Nur gerade bei der letzten, einer nebensächlichen Frage, gab Erb Antwort, da dies die einzige Frage gewesen sei, die ihm in der Einvernahme noch nicht gestellt worden sei.

Staatsanwalt: Zehn Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft beantragte, Erb wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung schuldig zu sprechen und forderte zehn Jahre Haft. Dazu sollen diverse Vermögenswerte gesperrt werden, darunter einige Liegenschaften.

Ihr Plädoyer wird die Staatsanwaltschaft morgen Donnerstag halten. Bis dahin ist der Fall unterbrochen. Am heutigen Mittwoch wird Rolf Erb Gelegenheit gegeben, die Protokolle gegenzulesen. Am kommenden Mittwoch wird dann die Verteidigung ausführlich zu Wort kommen. Das Urteil erfolgt schliesslich erst einige Wochen später.