Zahlen werden immer schwärzer

Die Finanzlage der Thurgauer Politischen Gemeinden hat sich letztes Jahr im Durchschnitt weiter verbessert. Die Gemeinden konnten ihr Eigenkapitalpolster weiter stärken. 14 Gemeinden haben ein überhöhtes Eigenkapital.

Martin Knoepfel
Merken
Drucken
Teilen

FRAUENFELD. Das Spektakulärste an den Kennzahlen sei, dass es seit 17 Jahren mit den Gemeindefinanzen aufwärtsgehe. Dabei sei der Steuerfuss der Gemeinden seit dem Jahr 2000 im Mittel von 75 auf 59 Prozent gesunken. Das sagt Hansjörg Enzler, Leiter der Abteilung Finanzausgleich und Gemeinderechnungswesen im Thurgau. Gestern veröffentlichte die Dienststelle für Statistik die Übersicht über die Finanzen der Politischen Gemeinden. Sie zeigt, dass die Thurgauer Gemeinden finanziell gut dastehen. Im Vergleich mit anderen Kantonen bewegen sie sich im Mittelfeld.

Weniger investiert

Letztes Jahr nahmen die Thurgauer Gemeinden 745 Millionen Franken ein und gaben 723 Mio. aus. Der erwartete Einbruch bei den Steuern blieb aus. Grösster Ausgabenposten war die soziale Wohlfahrt vor der Verwaltung. Allerdings wies Enzler darauf hin, dass die Pflegefinanzierung noch eine grosse Unbekannte ist.

Bei den Investitionen traten die Thurgauer Gemeinden letztes Jahr auf die Bremse. Sie investierten noch 56,2 (Vorjahr: 81,0 Mio. Franken). Quasi als Gegenstück dazu konnten drei von vier Gemeinden neben ihren Investitionen noch Schulden zurückzahlen.

Verschuldung ist tragbar

Die wichtigste Kennzahl ist der Anteil des Kapitaldiensts am Gemeindehaushalt. Er umfasst die Zinsen auf den Schulden und die Abschreibungen auf Investitionen. Vier Gemeinden liegen beim Kapitaldienstanteil über 15 Prozent. Bis 15 Prozent spricht man von einer mittleren oder tiefen Belastung. Den höchsten Wert hatte letztes Jahr Wigoltingen mit 18,3 Prozent. Ab 25 Prozent muss eine Gemeinde Massnahmen treffen, um den Haushalt zu sanieren. Natürlich profitieren Gemeinden, die viel für Schuldzinsen und Abschreibungen ausgeben müssen, auch von den tiefen Zinsen.

Bei der Verschuldung liegt keine Gemeinde im kritischen Bereich. Als untragbar gilt eine Verschuldung von 5000 Franken pro Kopf und mehr. Davon ist die am stärksten verschuldete Gemeinde im Kanton, Bürglen, mit 2707 Franken weit entfernt. 48 Gemeinden besassen mehr Vermögen als Schulden. Im Mittel haben die Thurgauer Gemeinden ein Vermögen von 323 Franken pro Kopf. Neben dem Thurgau gilt das noch für fünf weitere Kantone.

Dieses Jahr beträgt der Finanzausgleich für finanzschwache oder stark belastete Gemeinden 17,1 Mio. Franken. Empfänger sind 46 (Vorjahr: 49) Gemeinden. Das Geld dafür kommt einerseits aus der Kantonskasse, andererseits aus den Schatullen von 19 (Vorjahr: 13) Gemeinden. Die 19 Gemeinden zahlen zusammen 3,2 Mio. Franken.

Am meisten Geld erhalten Amriswil (3,3), Arbon (2,0) und Fischingen (0,96 Mio. Franken). Am meisten pro Einwohner bekommt Schönholzerswilen mit 562 Franken. Grösste Zahler sind Bottighofen und Frauenfeld mit 0,7 und 0,6 Mio. Franken. Ein Bottighofer liefert im Mittel 330 Franken ab.

Die Übersicht über die Finanzkennzahlen der Gemeinden enthält eine Fülle weiterer Informationen. Sie ist im Internet öffentlich zugänglich. Die Zahlen für die Zeit vor 2008 sind mit den neueren nicht vergleichbar, da damals teilweise die Werkbetriebe eingeschlossen waren.

gdestat.beedata.ch