WWF und Fischzucht einigen sich

Beide sind stolz auf ihren Kompromiss: Monatelang haben Riccardo Polla als Besitzer des Kundelfingerhofs und der WWF verhandelt. Nun zieht der WWF seine Einsprache zurück – zugunsten des Mühlebachs, der revitalisiert wird.

Gudrun Enders
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Blick in ein Fischzuchtbecken auf dem Kundelfingerhof. Das Schaufelrad bringt Sauerstoff ins Wasser. (Bild: Andrea Stalder)

Blick in ein Fischzuchtbecken auf dem Kundelfingerhof. Das Schaufelrad bringt Sauerstoff ins Wasser. (Bild: Andrea Stalder)

SCHLATT. «Ich wollte eine Lösung, keinen Rechtsstreit.» Das sagt Riccardo Polla, der seit 2013 den Kundelfingerhof besitzt. Nun kann er mit anderthalb Jahren Verzögerung einen Teil seiner Fischzucht erneuern. Der WWF zieht seine Einsprache zurück. Polla sieht sich nicht mit grossen Änderungen seines ursprünglichen Projekts konfrontiert. Vielmehr werde der renaturierte Mühlebach im Bereich der alten Fischzucht revitalisiert und erhalte den Charakter eines Naturschutzgebietes. «Das gibt sicher Mehrkosten», sagt Polla. Beziffern kann er sie aber nicht, weil er noch auf eine Beteiligung von Bund und Kanton hofft.

Keine Spende an den WWF

Musste Polla eine Spende an den WWF leisten? Dieser Vorwurf geistert immer wieder bei solchen Rekursen herum. «Nein, ich habe keine Spende an den WWF gemacht», sagt Polla. «Der Umweltverband redet mit, beteiligt sich aber nicht an meinen Kosten.» Die Verfahrenskosten dagegen berappe der WWF aus eigener Tasche.

Auch der Geschäftsführer des Thurgauer WWF, Roland Peter, kennt den latent schwelenden Spendenvorwurf und sagt: «Nein, da ist kein Geld geflossen.» Er freut sich, in Riccardo Polla einen Verhandlungspartner gefunden zu haben, der offen gegenüber den Ideen der Umweltorganisation ist. «Die Renaturierung des Mühlebachs in dieser Form ist die Idee des WWF.» Vor allem wird aus dem grossen, alten Fischbecken der Beton herausgebrochen. Das Becken wird dann ein neu belebter Weiher, der als Nährstoffrückhalt und als natürliche Abgrenzung zur Fischzucht dient. Weil damit Amphibien und andere Tiere einen neuen Lebensraum bekommen und das Areal einen Korridor zwischen zwei Waldabschnitten bildet, zieht der WWF seine Einsprache zurück.

Die Landschaft schützen

Der WWF hatte sich an der Umzonung des Areals gestört und die Auffassung vertreten, eine solch intensive Fischzucht gehöre in eine Industrie- und Gewerbezone. Dabei findet es auch Geschäftsführer Peter richtig, Fisch vor Ort zu züchten statt zu importieren. «Trotzdem müssen wir unsere Landschaft vor allem während des Baubooms schützen.» Mit dem Rekurs gegen die neue Fischzuchtzone habe der WWF eine Präjudiz abwenden wollen. Doch mit der ökologischen Kompensation zeigt sich der WWF zufrieden. Geschäftsführer Peter sagt: «Die Fischzucht am Kundelfingerhof hat einen historischen Wert und befindet sich bei den ergiebigen Quellen auch am richtigen Ort.»

Der Quellpark Kundelfingerhof liegt auf dem Gemeindegebiet von Schlatt und Diessenhofen. Auf dem Gelände sprudeln die ergiebigsten Quellen der Nordostschweiz. Im frischen Quellwasser des Kundelfingerhofs tummeln sich schon seit 100 Jahren Forellen, Karpfen, Zander oder Saiblinge.