WWF reicht Beschwerde gegen Wolfsabschüsse ein

ST. GALLEN. Der WWF Schweiz wehrt sich auf dem Rechtsweg gegen die geplanten Wolfsabschüsse am Calanda: Der Verband hat Beschwerde gegen die Abschussverfügungen der Kantone St. Gallen und Graubünden eingereicht.

Adrian Vögele
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ST. GALLEN. Der WWF Schweiz wehrt sich auf dem Rechtsweg gegen die geplanten Wolfsabschüsse am Calanda: Der Verband hat Beschwerde gegen die Abschussverfügungen der Kantone St. Gallen und Graubünden eingereicht. Insbesondere fordert der WWF, dass Futterquellen im Wolfsgebiet künftig konsequent beseitigt werden: «Faktisch wurden die Wölfe regelrecht angefüttert», sagt Gabor von Bethlenfalvy, Grossraubtier-Experte beim WWF.

Bevor im vergangenen Dezember die Abschussbewilligung erteilt worden sei, sei der Umgang mit Futterquellen am Calanda fahrlässig gewesen, schreibt der WWF. «So wurden weder die jagdlichen Einrichtungen zum Anlocken von Tieren (sogenannte Luderplätze) in der Nähe der Siedlungen noch die Entsorgung von Schlachtabfällen und Beseitigung von Nachgeburten von Kühen auf Miststöcken oder im Gebüsch konsequent unterbunden.» Genau diese Massnahmen verlangt der WWF in seiner Beschwerde für die Zukunft.

Lerneffekt unklar

Der Abschuss von zwei Jungwölfen sei unverhältnismässig, so der WWF. «So wird bereits normales Wolfsverhalten als potenzielle Gefahr dargestellt.» Ob die zurückbleibenden Wölfe aus den Abschüssen etwas lernen würden, sei unklar. Der WWF schlägt stattdessen vor, dass «wenig scheue» Wölfe vorübergehend betäubt und mit einem Sender ausgestattet werden. «Dieses für Wölfe unangenehme Erlebnis wäre die bessere Vergrämungsmassnahme.» Sie diene auch einer besseren Überwachung des Rudels. Zudem fordert der Verband, dass Abschüsse zumindest von ausgewiesenen Wolfsexperten begleitet werden, die deren Wirkung beurteilen.

Die Beschwerde des WWF hat keine aufschiebende Wirkung – bis die Verwaltungsgerichte darüber entschieden haben, bleiben die Abschussverfügungen in Kraft. Diese sind bis zum 31. März befristet. Ob die Gerichte die Verfahren noch vorher abschliessen können, ist fraglich.

Keinen Aufschub beantragt

Zwar wäre es möglich gewesen, bei den Gerichten eine aufschiebende Wirkung für die Beschwerde ausdrücklich zu beantragen. Die Richter hätten dann zuerst entscheiden müssen, ob die Abschussbewilligung sistiert wird oder nicht. Der WWF hat von dieser Möglichkeit jedoch keinen Gebrauch gemacht. «Erfahrungsgemäss dauert es Wochen, bis die Gerichte über solche Anträge entschieden haben», sagt Gabor von Bethlenfalvy. Es sei darum unwahrscheinlich, dass sich die Abschüsse so verhindern liessen.