WWF & Co. bremsen Vettel aus

Formel-1-Pilot Sebastian Vettel will neben seinem Haus in Kemmental einen Swimmingpool und einen Tennisplatz bauen. Die Pläne könnten am Widerstand von WWF und der Stiftung Landschaftsschutz scheitern.

Markus Schoch
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Sebastian Vettel: Die Gemeinde Kemmental will für den Wahl-Thurgauer eine Sonderbauzone schaffen. (Bild: EPA/Srdjan Suki)

Sebastian Vettel: Die Gemeinde Kemmental will für den Wahl-Thurgauer eine Sonderbauzone schaffen. (Bild: EPA/Srdjan Suki)

Kemmental. Die beiden Organisationen haben Einsprache gegen die Zonenplanänderung eingereicht, die dem Bauvorhaben den Weg ebnen sollen.

Das Problem ist: Der Rennfahrer wohnt zwar im Grünen und besitzt einiges Land, doch darauf kann er seine Pläne nicht verwirklichen. Der grösste Teil des Grundstücks liegt in der Landschaftsschutzzone, in der weder ein Tennisplatz noch ein Swimmingpool vorgesehen sind.

Die Gemeinde hat aber eine Möglichkeit gefunden, wie die Wünsche des prominentesten Einwohners doch erfüllt werden könnten: 918 Quadratmeter seines Bodens werden zu einer «Sonderbauzone für Freizeitanlagen» erklärt, umgekehrt werden an einem anderen Ort 1500 Quadratmeter Bauland ausgezont. Und Vettel wäre bereit, von seinem übrigen Grundbesitz 232 Quadratmeter in die Landschaftsschutzzone auszonen.

Nach Meinung von Gemeindeammann Walter Marty gibt es mit dieser Lösung nur Gewinner: Rennfahrer Vettel bekommt, was er will, und die Natur erhält mehr Platz.

Kein Präjudiz schaffen

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und der WWF Bodensee/Thurgau sehen das anders. Sie lehnen die Zonenplanänderung entschieden ab. Es gehe um «rein private Interessen».

Eine Ausnahme für Vettel zu machen, lasse sich rechtlich nicht begründen und würde zu einem «unerwünschten Präjudiz» führen, kritisieren sie in ihrer Einsprache. Der Kanton sei immer wieder konfrontiert mit Einzonungs- und Baugesuchen für Reithallen oder Scheunen in schützenswerten Räumen. In Zukunft wäre es schwierig, sie abzulehnen, wenn man bei Vettel ein Auge zudrücken würde. Insbesondere der Tennisplatz stehe «quer in der Landschaft», finden die beiden Einsprecher.

Er rage am weitesten in die räumlich geschlossene Geländekammer mit ihren «sehr hohen Natur- und Landschaftswerten» hinein. Für WWF und Landschaftsschutz ist die geplante Anlage völlig unnötig. Es gebe in der Umgebung genügend öffentliche Tennisplätze. Für das Schwimmbad könne eine Lösung in der Nähe der Häuser gefunden werden.

Von den vorgesehenen Kompensationsmassnahmen halten die beiden Einsprecher nicht viel. «Sie sind klar ungenügend», da die Bauparzelle bei Gelegenheit wieder eingezont werden könnte.

Vettel Schwierigkeiten bewusst

Gemeindeammann Marty hat keine Angst, dass Vettel Kemmental den Rücken kehren könnte, wenn es nicht so läuft wie geplant. Der Rennfahrer sei sich von Anfang an bewusst gewesen, dass es Widerstand geben könnte.