Wo's den Kühen vögeliwohl ist

Oberhalb von Steckborn baut ein Landwirt den ersten Thurgauer Kompostierungsstall. Dieses schweizweit neue Stallsystem ist sehr tierfreundlich. Die Betriebskosten für das Einstreumaterial Sägespäne sind aber relativ hoch.

Mathias Frei
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Glückliche Kühe: In Österreich wurden schon 2008 erste Kompostierungsställe in Betrieb genommen. (Bild: pd)

Glückliche Kühe: In Österreich wurden schon 2008 erste Kompostierungsställe in Betrieb genommen. (Bild: pd)

STECKBORN. Vor drei Jahren hat Hubert Hegglin erstmals von Kompostierungsställen gehört. Und als er dann in Österreich sah, wie zufrieden die Kühe in ihrem Kompostierungsstall wirkten, wusste er, dass er auf seinem Eichhof oberhalb Steckborn auch ein derartiges Stallsystem bauen und ausprobieren will. Der Kompostierungsprozess ergibt sich dabei aus dem Einstreu durch Sägespäne zusammen mit dem Mist der Kühe (siehe Kasten).

Anfangs Jahr ist Hegglins Bauvorhaben gestartet: ein Stall für 50 Kühe und mit insgesamt 400 Quadratmetern Liegefläche.

Mindestens 7,5 Quadratmeter

Von der Anordnung her besteht der Kompostierungsstall zum einen aus einem befestigten Fressgang, zum anderen aus der Liegefläche. Christof Baumgartner, Berater Milchproduktion am BBZ Arenenberg, befasst sich seit anderthalb Jahren mit solchen Stallkonzepten. Erfahrungen aus Deutschland und Österreich zeigten, dass es eine Mindest-Liegefläche pro Kuh 7,5 Quadratmeter brauche. Ansonsten werde der Einstreu zu feucht.

Bei der Erstbefüllung der Liegefläche seien 20 bis 30 Zentimeter Höhe vorzusehen, sagt Baumgartner. Danach schlägt er alle zwei bis fünf Wochen – je nach Zustand der Kompostmatratze – 10 bis 20 Zentimeter Nachstreu vor. Der Stall muss ein- bis zweimal jährlich komplett ausgemistet werden. Aufgrund der fehlenden Prozesswärme ist ein Neuaufbau im Winter sehr schwierig. Der kompostierte Einstreu kann wie Mist ausgebracht werden.

Tiefe Bau-, hohe Betriebskosten

Pro Kuh und Jahr ergibt sich so eine Einstreumenge von 10 bis 16 Kubikmetern. Präferiertes Einstreumaterial sind Sägespäne. Und genau darin liegt zurzeit die Krux am Kompostierungsstall. Die Baukosten sind zwar tiefer, die laufenden Betriebskosten sind aber höher: 15 Kubikmeter Sägespäne kosten 300 Franken, ein Jahresverbrauch pro Tier von 250 Kilogramm Stroh nur 50 Franken. Für den Erfolg des Stalls werde es entscheidend sein, die Kosten für den Einstreu verringern zu können, sagt Baumgartner. Zur Diskussion stünden alternative Materialien wie Hobelspäne, Hackschnitzel, Pferdemist oder Feststoffe von Biogas-Anlagen. Stroh jedoch funktioniere nicht. Kosten können auch minimiert werden, wenn die Kühe durch den Sommer auf der Weide sind.

Äusserst tiergerecht

Landwirt Hegglin legt Wert auf eine gute Durchlüftung im Stall, damit sich Wärme und Feuchtigkeit nicht stauen. Auch das minimiert die Kosten. Für Hegglin sollen sich in Zukunft zudem die tieferen Tierarztkosten rechnen. Euter und Klauen sind gesunder. Kompostierungsstall-Betreiber sprechen von einem Rückgang der Klauenkrankheit Mortellaro von 50 auf 2 Prozent. Und nicht zuletzt auch der allgemeine Kuhkomfort sei's ihm wert, sagt Hegglin. Baumgartner pflichtet ihm bei: «Gut funktionierende Kompostierungsställe sind äusserst tiergerechte Haltungssysteme.»

Klar ist: Damit der Stall funktioniert, muss der Einstreu zweimal täglich mit einem Grubber oder einer Fräse bewegt werden. Damit Luft dazukommt sowie Kot und Urin eingearbeitet werden. Der Arbeitsaufwand ist damit sogar kleiner als bei einem Boxenstall. Und das Resultat: Kompost, der am Ende wie Blumenerde duftet.