Wohnen in einer alten Scheune

Roswitha und Martin Frey-Saxer haben die Scheune neben ihrem Riegelhaus in Dingenhart zum Leben erweckt. Eine Inschrift aus 1864 dokumentiert, dass dieser Ort schon früh eine Zuflucht mit Blick auf Säntis und Berner Alpen war.

Margrith Pfister-Kübler
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Die neue Fassade schützt den alten Riegel der Scheune und trägt die Handschrift von Roswitha und Martin Frey. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die neue Fassade schützt den alten Riegel der Scheune und trägt die Handschrift von Roswitha und Martin Frey. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

DINGENHART. Diese Scheune ist ein Stück Geschichte. «Die Bauern sagen, dass es sich nicht mehr lohnt, solch eine Scheune zu erhalten und modernen Wohnkomfort daraus zu machen», sagen Roswitha und Martin Frey-Saxer.

Begeistert sind sie, dass sie es trotzdem geschafft haben. Die neue, alte Scheune zeigt sich originell und lädt ein zum aussergewöhnlichen Wohnen. Drei Wohnungen mit Remisen sind unter dem Scheunendach realisiert worden.

Viel historischer Charme

Im Jahre 1987 haben Roswitha und Martin Frey-Saxer das gesamte Anwesen in der Ortsbildschutzzone gekauft und zuerst die Sanierung des Wohnhauses durchgezogen. 1989 sind sie eingezogen, im alten Kuhstall haben sie eine Sauna eingebaut.

Die historischen Elemente in der Liegenschaft erwiesen sich als Triebfeder, die Scheune nicht dem Verfall preiszugeben, sondern daraus eine luftige Sache zu machen. Sie sind bis heute überwältigt vom historischen Charme, den alten Balken und der Inschrift «Adam Nadler, Dingenhart, 1864», die sich im Wohnhaus findet. Es hat sogar Aussenmauern, von denen nicht bekannt ist, zu wem sie wirklich gehören. Das wäre noch zu klären in der Dorfgeschichte. In der Scheune fanden sich zudem alte Backsteine. «Die haben wir saubergeputzt und wiederverwendet», sagt das Ehepaar stolz und zeigt auf die ordentlich verlegten alten Backsteine, die modernen Wohnräumen zu besonderer Ausstrahlung verhelfen.

Der Rundgang durch die drei Wohnungen bis unters Dach, wo früher Heu gelagert wurde, führt über ein grosszügig angelegtes Treppenhaus. Dort hängen alte Stalllaternen, die wieder flottgemacht wurden. Grosse Fenster und unterschiedliche Lichteinfälle prägen die drei Lofts mit Raumhöhen von fast drei Metern. Loggias dienen als Wohnraumerweiterung. «Uns war es wichtig, nur natürliche Materialien einzusetzen, keine Chemie, nur Naturmaterialien und Beton», versichert Martin Frey. Der bestehende Scheunenraum darf umgebaut nur zur Hälfte beheizten Raum beanspruchen. So wolle es das Baureglement von Matzingen. Dingenhart gehört zur Politischen Gemeinde Matzingen. «Manche Verbote sollte man verbieten», sagen die beiden und lachen. Diese Vorgaben haben den Innenausbau beeinflusst. Als Architekten haben sie die Scheunenspezialisten Bernath und Widmer aus Zürich zugezogen und Urban Bernhardsgrütter aus Märstetten als Holzbauer.

Bleiker-Öfen als Blickfang

Der Umbau hatte viele Stadien: Das alte Gebälk wurde gesichert. Die grossen Fenster sorgen nicht nur für den Durchblick, sondern sind auch von aussen begehbar. Der alte Riegel wurde stehengelassen und durch die neue Fassade geschützt. «Im Mietpreis inbegriffen ist das Fensterputzen zweimal pro Jahr», kommentiert Roswitha Frey anfallende Hauspflege. Die Energie kommt aus Photovoltaik und Erdwärme. Alten Bleiker-Öfen mit reich verzierten Kacheln aus den Zimmern des Wohnhauses wurde durch einen Hafnermeister neues Leben eingehaucht. Sie sind nun Hingucker mit neuem Innenleben in diesen Scheunenlofts. Bleiker-Öfen waren in den Bauernstuben im Thurgau wegen der geringen Höhe sehr verbreitet.

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