Wirtschaftskanton weiterentwickeln

Leicht optimistische Töne, aber auch klare Voten gegen die staatliche Regulierungswut waren beim Thurgauer Gewerbeverband zu hören. Rico Kaufmann aus Roggwil wurde neu in den Vorstand gewählt.

Martin Sinzig
Drucken
Teilen

weinfelden. Die wirtschaftliche Lage helle sich auf, Licht am Ende des Tunnels sei erkennbar, erklärte Verbandspräsident und FDP-Kantonsrat Peter Schütz in seiner Standortbestimmung an der Delegiertenversammlung. Rund 270 Personen, darunter 191 Delegierte aus 40 Branchen- und Berufsverbänden sowie Gewerbevereinen, nahmen daran teil.

Endlich die BTS bauen

Damit die KMU weiterhin das Herzstück der Wirtschaft bleiben könnten, seien verschiedene Massnahmen nötig.

Vorab gelte es, neben dem Wohnkanton Thurgau auch den Wirtschaftskanton weiterzuentwickeln, plädierte Schütz etwa für eine Förderung der Spezialindustrie und der Dienstleistungen. Administrative und steuerliche Belastungen müssten weiter gesenkt, der Steuerwettbewerb fortgesetzt werden. Schliesslich gelte es auch die Infrastrukturen zu komplettieren und endlich die Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) zu bauen.

Die Wirtschaft müsse die Probleme aktiv angehen und den Diskurs auch bei Themen wie der Personenfreizügigkeit oder etwa beim Bankkundengeheimnis suchen. Vor allem aber müsse die Wirtschaft geschlossen für den Standort Schweiz einstehen. Er wolle Mut machen, auch in einem schwierigen Umfeld weiter unternehmerisch und optimistisch zu denken und zu handeln, betonte der Gewerbepräsident. «Was zählt, sind gute Arbeit, Leistung und etwas Bescheidenheit.»

Beitragserhöhung gutgeheissen

Als neuer Vertreter des Oberthurgaus wurde Rico Kaufmann aus Roggwil einstimmig in den Vorstand gewählt. Der 38-Jährige ist Inhaber und Geschäftsführer der Holzbaufirma Kaufmann Oberholzer AG, Roggwil und Schönenberg, mit 110 Mitarbeitern. Kaufmann ist zudem Vizepräsident des Gewerbes Thurgau Oberer Bodensee (GTOB).

Im weiteren hiessen die Delegierten eine Beitragserhöhung von 40 auf 55 Franken mit grossem Mehr gut.

Ammann warnt vor Illusionen

Als Gastreferent skizzierte Manuel Ammann, Professor an der Universität St. Gallen, anschliessend die Situation nach der weltweiten Finanzkrise. Von einer Rückkehr zur Normalität könne man nicht sprechen. Vor allem die hohe Staatsverschuldung werde noch lange beschäftigen. Die Rettung könne nicht von weiteren staatlichen Regulierungen und Kontrollen kommen. Vor allem dürfe man die Probleme nicht ständig auf das nächsthöhere Kollektiv abschieben.

Die implizite Staatsgarantie für Banken müsse eliminiert werden, und es brauche nicht mehr, sondern bessere Regulierungen, forderte Ammann.

Aktuelle Nachrichten