WIRTSCHAFTSDELIKT: Millionenprozess vor Obergericht

In knapp zwei Wochen beginnt in Frauenfeld der Berufungsprozess in der Flowtex-Affäre. Es geht um mutmassliche Betrügereien im Umfeld eines der grössten Firmenkonkurse in Deutschland.

Stefan Hilzinger
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Manfred Schmider auf dem Weg in den Gerichtssaal. (Bild: Anthony Annex/KEY (Frauenfeld, 5. Oktober 2015))

Manfred Schmider auf dem Weg in den Gerichtssaal. (Bild: Anthony Annex/KEY (Frauenfeld, 5. Oktober 2015))

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Es kommt selten vor, dass deutsche Medien aus Frauenfeld berichten. Doch am 25. Oktober dürfte dies der Fall sein. Dann beginnt vor dem Thurgauer Obergericht der Berufungsprozess in der so genannten Flowtex-Affäre. Manfred Schmider, der einstige Firmenchef (siehe Kasten), seine Ex-Frau, die beiden Kinder und ein Anwalt der Frau müssen sich wegen mutmasslicher Veruntreuung, Geldwäsche und weiterer Wirtschaftsdelikte verantworten.

Es ist ein Déjà-vu für Frauenfeld, denn exakt vor zwei Jahren, am 5. Oktober 2015, begann vor dem Bezirkgericht das erstinstanzliche Verfahren. Nach dem Schuldspruch im Januar 2016 haben sowohl die drei verurteilten Hauptangeklagten als auch die Staatsanwaltschaft Thurgau Berufung eingelegt. Manfred Schmider, seine Ex-Frau und der Anwalt der Frau fordern weiterhin einen Freispruch. Für die Staatsanwaltschaft gehen die Urteile des Bezirksgericht dagegen zu wenig weit.

Zwanzig Tage wandte das Bezirkgericht damals für den Prozess auf. Die Akten der Staatsanwaltschaft füllen 140 Bundesordner. Gemäss Ankündigung des Obergerichtes dürfte sich der Berufungsprozess wiederum bis in den Januar hinziehen.

Wie verschmutzt ist das Geld?

Warum findet dieser Prozess internationaler Tragweite überhaupt in Frauenfeld statt? Am Anfang steht eine Einzahlung der angeklagten Ex-Frau auf ein Konto der Frauenfelder Filiale einer Grossbank. 2009 meldete die Bank diese Einzahlung in der Höhe von 80000 Franken bei der Meldestelle für Geldwäscherei. In der Folge nahm die Thurgauer Staatsanwaltschaft – die damals noch Untersuchungsrichteramt hiess – ihre Ermittlungen auf. Zentraler Punkt des Verfahrens ist, ob Manfred Schmider, seine Ex-Frau und die beiden Kinder Vermögenswerte in die Schweiz geschafft hätten (etwa Bilder des Malers Marc Chagall, Luxusuhren oder Diamanten) mit dem Ziel, diese der Flowtex-Konkursmasse zu entziehen. Das Gericht muss unter anderem beurteilen, ob die Gelder, mit denen die Beschuldigten seinerzeit die Wertgegenstände gekauft hatten, «kontaminiert» waren; das heisst, ob sie aus den kriminellen Tätigkeiten der Flowtex stammen. Das gilt auch für das Anwesen in St. Moritz, das die Ex-Frau 2006 für rund 22 Millionen Franken verkauft hatte.

Flowtex-Gläubiger hoffen auf Rückzahlungen

Vor zwei Jahren sprach das Bezirksgericht Schmider, seine Ex-Frau und den Anwalt teilweise schuldig. Es verhängte teilbedingte und bedingte Gefängnis- sowie Geldstrafen. Vermögenswerte, wie die Chagall-Bilder und Diamanten, müssen ausgehändigt werden. Die Kinder wurden freigesprochen.

Von Bedeutung ist das Verfahren auch für die Gläubiger der Flowtex, die weiterhin auf Schulden sitzen. Denn durch die Verwertung beschlagnahmter Wertgegenstände können sie auf etwas mehr Konkursdividende hoffen.