«Wir wurden auf dem falschen Fuss erwischt»

Er hat sich nie als chancenlosen Alibikandidaten gesehen – und hoffte bis zuletzt auf eine Wende im Kampf gegen SP-Kandidat Paul Rechsteiner. Der unterlegene Thomas Müller über seine Niederlage, die Fehler der SVP und seine Zukunft im Bundeshaus.

Andri Rostetter
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«Wir konnten nicht mehr Gegensteuer geben»: Thomas Müller. (Bild: Benjamin Manser)

«Wir konnten nicht mehr Gegensteuer geben»: Thomas Müller. (Bild: Benjamin Manser)

Herr Müller, Sie haben deutlich weniger Stimmen geholt als Paul Rechsteiner. Wie erklären Sie sich das?

Thomas Müller: Ein Grund mag die Stimmbeteiligung gewesen sein. Gut 60 Prozent der Stimmberechtigten sind zu Hause geblieben. Das Lager von Paul Rechsteiner konnte die Leute offenbar eher begeistern, an die Urne zu gehen.

Warum ist das der SVP nicht gelungen?

Müller: Die SVP hat am 18. Oktober einen Sitz im Nationalrat hinzugewonnen und beim Wähleranteil deutlich zugelegt. Mag sein, dass die Leute nun gefunden haben: Es reicht, jetzt soll die SP auch noch etwas haben.

Vor allem sind Sie gegen einen Bisherigen angetreten…

Müller: Das hat sicher eine grosse Rolle gespielt. Für Paul Rechsteiner ging es um alles, er wäre am Ende seiner Karriere gewesen. Das wollten die Leute offenbar nicht. Ich gönne ihm das auch.

Aber Hand aufs Herz: Nach neun Jahren im Nationalrat wären Sie sehr gern Ständerat geworden.

Müller: Klar, ich bin angetreten, um zu gewinnen. Aber ich kann mit dieser Niederlage leben. Am 18. Oktober wurde ich als Nationalrat sehr gut wiedergewählt, das zählt für mich.

Vor Ihnen ist Toni Brunner zweimal bei Ständeratswahlen gescheitert. Was macht die SVP falsch?

Müller: Ich weiss nicht, ob die SVP etwas falsch macht. Ich denke, es braucht etwas länger, bis die Mehrheitsverhältnisse auch im Ständerat ändern und die SVP zu mehr Sitzen kommt. Wir werden sehen, was in den nächsten vier Jahren passiert. Wenn der Ständerat den Nationalrat blockiert, könnte es bei den Wahlen 2019 wieder anders aussehen.

Das Rechsteiner-Lager hat Sie in der Schlussphase mit einer Inseratekampagne massiv unter Druck gesetzt.

Müller: Mit dieser Kampagne haben wir tatsächlich nicht gerechnet, da wurden wir auf dem falschen Fuss erwischt. Es war so etwas wie eine letzte Vergeltungsmassnahme der CVP. Wir konnten nicht mehr Gegensteuer geben. Aber ob die Kampagne wirklich ausschlaggebend war, kann man sowieso nicht sagen.

Trotzdem: Mit der Kampagne konnte Rechsteiner möglicherweise noch ein paar tausend Wähler mobilisieren.

Müller: Schon möglich. Aber ob man mit 10 oder 20 000 Stimmen Unterschied verliert, spielt keine Rolle. Verloren ist verloren.

Einen Vorteil hat die Nichtwahl: Sie können Ihre Sitze in den Kommissionen behalten…

Müller: Nicht nur das. Ich werde nun Präsident der Neat-Aufsichtsdelegation des eidgenössischen Parlaments – und das im Eröffnungsjahr der Neat. Das ist ein schöner Zufall. Wäre ich in den Ständerat gewählt worden, hätte ich auf das Präsidium verzichten müssen, weil turnusgemäss ein SVP-Nationalrat an der Reihe ist.

Sie werden im Dezember 63 Jahre alt. Waren das Ihre letzten Wahlen?

Müller: Was den Ständerat angeht, mit Sicherheit. Was den Nationalrat angeht, kann ich es noch nicht sagen. Das muss dann auch die Partei entscheiden. Aber wenn ich in vier Jahren nochmals antrete, dann möglicherweise nicht für eine volle Amtszeit.

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