«Wir wollen kein Kunstwerk»

SALENSTEIN. Angehende Bauern sollen für ihre Ausbildung auf dem Arenenberg einen zeitgemässen Stall erhalten. Bauernpolitiker kritisieren die Kosten von 2,8 Millionen Franken. Arenenberg-Chef Martin Huber versichert, dass der Stall praxisnah wird.

Christof Widmer
Drucken
Teilen
Der Ausbildungsstall auf dem Arenenberg bietet Platz für nur 22 Kühe, braucht aber trotzdem einen Angestellten, der sich um die Tiere kümmert. (Bild: Reto Martin)

Der Ausbildungsstall auf dem Arenenberg bietet Platz für nur 22 Kühe, braucht aber trotzdem einen Angestellten, der sich um die Tiere kümmert. (Bild: Reto Martin)

Der Thurgau ist ein Milchwirtschaftskanton. Einer von zwölf Litern Milch, die in der Schweiz gemolken werden, stammt aus einem Thurgauer Stall. Und die Milchbauern rüsten auf: Grosse Laufställe, in denen die Kühe selbständig zum Melkroboter gehen, lösen den klassischen Stall mit angebundenen und aufgereihten Kühen ab. Diese Entwicklung soll sich auch in der landwirtschaftlichen Ausbildung auf dem Arenenberg spiegeln. Im dortigen Milchviehstall des Bildungs- und Beratungszentrums lernen die angehenden Landwirte die Arbeitsabläufe im Stall eins zu eins.

Mustergültig ist der Stall aber nicht mehr. Er hat nur Platz für 22 Kühe. «Ein normaler Familienbetrieb hat heute aber viel mehr Kühe», sagt Martin Huber, Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg. Der Schul-Stall ist zudem nur mit einem einfachen Melkstand ausgerüstet, nicht aber mit einem Melkroboter. «Der Stall ist nicht mehr praxisnah», sagt Huber.

Arenenberg will Signal setzen

Als der Arenenberger Stall 1990 gebaut wurde, war er noch vorbildlich. Damals sei es darum gegangen, ein Signal zu setzen, dass ein Laufstall auch für 22 Kühe angezeigt ist, sagt Huber. «Jetzt wollen wir wieder ein Signal setzen.» Auf dem Arenenberg soll ein neuer Schul-Stall entstehen, der für die modernen Strukturen in der Milchwirtschaft steht. «Die optimale Stallgrösse für einen Thurgauer Landwirtschaftsbetrieb liegt bei 50 bis 70 Plätzen», sagt Huber.

Mehr Kühe machen den Lehr-Stall zudem wirtschaftlicher. Das Bildungs- und Beratungszentrum muss einen Angestellten für den Stall einsetzen – egal ob dort 22 oder 60 Kühe stehen. Die Milch vom Arenenberg wird derzeit in der Käserei Neuenschwander in Güttingen verarbeitet. Voraussichtlich produziert der Lehr-Stall auch künftig Käserei-Milch. Das bedeutet, dass ohne Futter aus dem Silo gewirtschaftet wird. Silo-Milch nehmen die Käsereien nicht an.

Normaler Laufstall für die Hälfte

Die Landwirtschaft begrüsst zwar, dass der Arenenberg einen modernen Stall für die Ausbildung erhält. Auf Kritik stossen aber die vergleichsweise hohen Kosten von 2,8 Millionen Franken, wie dies im Finanzplan ausgewiesen ist. Ein üblicher Laufstall in dieser Grösse wäre für die Hälfte zu haben, hiess es in der Budgetdebatte im Grossen Rat Anfang Monat. Die Berater des Arenenbergs wiesen die Bauern stets darauf hin, dass sie nur mit günstigen Bauten dem Preisdruck entgegentreten können, sagte zum Beispiel SVP-Kantonsrat Moritz Tanner (Winden).

Sein Fraktionskollege Daniel Vetterli (Rheinklingen) forderte, dass sich der Bau an der landwirtschaftlichen Praxis orientiert. Stallbauspezialisten unterschieden sich aber stark von Architekturbüros. Wenn der Kanton den Auftrag ausschreibe, müsse er sicherstellen, dass auch renommierte Stallbauer offerieren können, forderte Kantonsrat Vetterli.

In sensible Landschaft gebettet

Baudirektorin Carmen Haag versicherte noch in der Debatte, die Botschaft gehört zu haben. Auch Huber stellt klar: «Wir wollen kein Kunstwerk.» Ziel sei ein praxisnaher Stall. Die höheren Kosten erklärt Huber damit, dass der Stall in eine sensible Landschaft eingebettet werden muss. «Der Standort ist aber noch nicht exakt definiert», ergänzt er. Zudem sei die Ausschreibung aufwendiger, weil es sich um ein kantonales Projekt handelt. Im Gegensatz zu privaten Projekten sei ein Wettbewerbsverfahren nötig. Mehrkosten gebe es auch für Einbauten und Einrichtungen für die Schule und für die Zugänglichkeit für Besucher.

Martin Huber Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg (Bild: Reto Martin)

Martin Huber Direktor des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg (Bild: Reto Martin)