«Wir werden es im Auge behalten»

Mit anderen Regio-Gemeinden hat Frauenfeld ein neues Baureglement erstellt. Laut Stadtbaumeister Christof Helbling ändert sich das Stadtbild dadurch nicht komplett – das geschieht erst mit der Revision der Ortsplanung in einigen Jahren.

Markus Zahnd
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Der Wohnpark Promenade, mittlerweile fertig gebaut, ist ein Beispiel für verdichtetes Bauen. (Archivbild: Nana do Carmo)

Der Wohnpark Promenade, mittlerweile fertig gebaut, ist ein Beispiel für verdichtetes Bauen. (Archivbild: Nana do Carmo)

Herr Helbling, das neue Baureglement liegt öffentlich auf. Weshalb benötigt Frauenfeld ein solches?

Christof Helbling: Der Kanton hat die Gemeinden aufgrund des geänderten übergeordneten Rechts aufgefordert, bis 2018 die neuen Messweisen umzusetzen. Diese neuen Messweisen gehen auf die interkantonale Vereinbarung der Harmonisierung der Baubegriffe (IVHB) zurück.

Das heisst: Die Stadt wollte nicht unbedingt, aber sie musste ein neues Reglement erstellen.

Helbling: Genau. Wir haben aber inhaltlich kein komplett neues Baureglement erstellt, sondern die neuen Messweisen in das alte übernommen. Denn mit dem alten Reglement sind wir gut gefahren und wollten möglichst viel davon erhalten.

Frauenfeld hat das Reglement mit zwölf anderen Regio-Gemeinden erarbeitet. Weshalb?

Helbling: Wir haben den Auftrag als Chance gesehen, die Reglemente zu vereinheitlichen. So konnten wir einerseits Planungskosten sparen. Andrerseits ist es für Projektverfasser attraktiv, wenn die Reglemente einheitlich oder zumindest ähnlich sind.

Nun haben also dreizehn Regio-Gemeinden trotz unterschiedlicher Voraussetzungen das gleiche Baureglement?

Helbling: Im Grunde schon, denn das Baureglement regelt den Regelfall, und da unterscheiden sich die Gemeinden kaum. Die Regio Frauenfeld hat so etwas wie einen regionalen Baukasten erstellt, und jede Gemeinde hat das herausgenommen, was in der Gemeinde basierend auf dem unveränderten Zonenplan nötig ist. Und ortstypische Dinge werden ohnehin über Gestaltungspläne geregelt. Dort wird der Sonderfall abgebildet. Derzeit sind in Frauenfeld rund 115 Gestaltungspläne aktiv.

Im neuen Baureglement geht es also um neue Messweisen. Was ändert sich?

Helbling: Der wesentlichste Punkt ist die Änderung der Nutzungsziffer von der Ausnutzungs- zur Geschossflächenziffer. Neu sind auch sämtliche Nebenräume wie zum Beispiel Estrich und Keller zur Geschossfläche zu rechnen. Daher mussten wir das Nutzungsmass erhöhen, um mindestens gleich viel Nutzfläche zu ermöglichen.

Was sind die Folgen der Änderung?

Helbling: Jemand, der einen grossen Keller baut, kann nun in den oberen Etagen weniger Nutzfläche erstellen. Vielleicht werden nun weniger Keller und damit oberirdisch grössere Volumen gebaut.

Wo sehen Sie Probleme dieser neuen Regelung?

Helbling: Ich habe den Eindruck, dass sich folgendes Problem einstellen könnte: Es kann sein, dass Investoren weniger Nebennutzfläche und dafür mehr Wohnfläche bauen werden. Zum Wohnen braucht man aber diese Nebennutzflächen wie Veloräume oder Keller.

Hat das Hochbauamt in diesen Fragen gar keinen Einfluss mehr?

Helbling: Wir werden das im Auge behalten. Wenn sich zeigen sollte, dass das ein Problem wird, müssen wir das neu regeln.

Das Stadtbild wird sich mit dem neuen Baureglement demnach nicht komplett ändern.

Helbling: Nein. Es geht um das Baureglement und nicht um den Zonenplan. Eine Veränderung des Zonenplans würde sich auf das Stadtbild bedeutend mehr auswirken.

Weshalb hat man den Zonenplan nicht auch gerade angeschaut?

Helbling: Wir haben die Vorlage bewusst nicht überladen. Denn in der Ortsplanung haben wir derzeit keinen Handlungsbedarf. Das wird aber mittelfristig auch kommen.

Weshalb kommt das mittelfristig?

Helbling: Derzeit ist der kantonale Richtplan in der Revision. Wenn dieser gilt, müssen die Gemeinden ihre Richtplanung im Siedlungsbereich auch anpassen. Dann wird es eine Revision der Ortsplanung geben. Ausserdem haben wir weitere Pendenzen im Zusammenhang mit den Naturgefahren.

In naher Zukunft wird also der Zonenplan angepasst. Wohin geht hierbei der Trend?

Helbling: Das eidgenössische Raumplanungsgesetz sagt, dass man die Entwicklung genauer steuern und diese in den Zentren stattfinden muss. Da Frauenfeld gemäss allen Prognosen weiter wachsen wird, müssen wir Massnahmen ergreifen. Wir müssen also weiterhin die innere Verdichtung anstreben. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob im Zentrum auch höher gebaut werden kann. Zudem könnte es Anpassungen an den Zonenrändern geben. Das könnte das Stadtbild dann massiv verändern.

Das neue Baureglement liegt noch bis am 23. September öffentlich auf. Danach befindet der Gemeinderat darüber.

Christof Helbling Leiter Amt für Hochbau und Stadtplanung (Bild: Markus Zahnd)

Christof Helbling Leiter Amt für Hochbau und Stadtplanung (Bild: Markus Zahnd)