«Wir wehren uns mit allen Mitteln»

Im Fluglärmstreit wird eine neue Anflugvariante diskutiert: Sie würde den Süden komplett entlasten, dafür aber den Osten noch stärker belasten. Der Thurgau will sich vehement wehren. «Wir sind nicht bereit, uns den schwarzen Peter zuschieben zu lassen», sagt Regierungsrat Jakob Stark.

Marina Winder
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FRAUENFELD. Regierungsrat Jakob Stark ist wütend: Über die Medien musste er erfahren, dass der Flughafen Zürich eine neue Anflugvariante prüft. Sie heisst GNA Ost, das steht für einen gekröpften Nordanflug über den Osten. Die genaue Routenführung dieser Anflugvariante ist nicht bekannt, gemäss Recherchen der NZZ soll sie der Thur entlang Richtung Osten führen und bei Bülach auf die Piste 14 schwenken. Der GNA Ost soll primär für Anflüge zwischen 6 und 6.30 Uhr eingesetzt werden. Er würde den Südanflug und damit auch den bisher als Alternative vorgeschlagenen gekröpften Nordanflug über den Aargau ersetzen. Im Thurgau aber würde er neben dem bereits praktizierten und künftig noch intensiveren Ostanflug am Abend zusätzlichen Fluglärm erzeugen.

«Dem Flughafen Zürich ist die staatspolitische Dimension dieser Angelegenheit nicht bewusst», sagt Stark. Es sei völlig falsch, dass die Suche nach einer fairen Lösung auf diese Art an die Öffentlichkeit gelange. Nun würden sich die Kantone gezwungen sehen, zu Einzelaspekten Stellung zu nehmen. Dabei laufe man schnell in Gefahr, das Gesamtziel aus den Augen zu verlieren.

Einseitige Belastung des Ostens

Die nun diskutiere Variante des Nordanflugs lehnt Stark klar ab. Ausser, die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard halte sich an ihr Versprechen und kompensiere die zusätzlichen Ostanflüge durch geeignete Massnahmen. «Konkrete Vorschläge dazu liegen aber noch nicht auf dem Tisch», sagt Stark. Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass nicht über eine verträgliche und faire Verteilung der Lasten diskutiert werde, stattdessen aber Varianten geprüft würden, die wiederum zu einer einseitigen Belastung des Ostens führen würden. «Man hat den Eindruck, dass der künftige Betrieb des Flughafens Zürich ganz darauf ausgerichtet sein wird, den Süden gänzlich von negativen Auswirkungen zu verschonen, während dem Osten unbegrenzt zusätzliche Lasten zugemutet werden», hält Stark fest.

Er habe nun vom Bund klare Angaben über die zu erwartenden Verlagerungen der Anzahl An- und Abflüge sowie über die konkreten Kompensationsmassnahmen angefordert.

Klare Konsequenzen

«Es müsste doch allen Beteiligten daran gelegen sein, eine faire Lösung zu finden. Wenn das nicht gelingt, werden die Probleme über Jahrzehnte anhalten. Wir jedenfalls werden uns mit allen Mitteln gegen eine Benachteiligung des Thurgaus wehren», kündigt Stark an. Er warte nun die konkreten Informationen vom Bund ab. «Dann werden wir alle vorgeschlagenen Massnahmen wie Flugrouten, Flughöhen und Zeitfenster kritisch prüfen und unsere definitive Stellungnahme abgeben.» Entsprechen die vorgeschlagenen Massnahmen nicht den Vorstellungen des Kantons, sei die Konsequenz klar: «Dann fordern wir unsere Parlamentsmitglieder auf, den Staatsvertrag abzulehnen.»