Wir sind Thurgauo!

Thursicht

Urs Brüschweiler
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Ja, es ist nicht einfach mit dem hiesigen Dialekt. Das böse Internet ist voll mit Witzen und Sprüchen über unsere Aussprache. Aber was kann ein rechtschaffener Thurgauer schon dafür, wenn er halt Mühe hat mit der Endung «-er». Und stattdessen irgendwie ein komisches «o» rauswürgt. Dann geht der Thurgauo eben ins Feierabend-Bio und findet den Summo am See den absoluten Hammo.

Ob nun alle Thurgauer wirklich so reden, sei dahingestellt. Aber statt sich im Spannungsfeld des helvetischen Dialekt-Wetteifernspermanent als Opfer – pardon – als Opfo zu fühlen, wären mehr Selbstbewusstsein und Stolz angebracht. Sexy ist, wer sich sexy fühlt. Scham ist sowieso die verkehrte Reaktion. Und hässlich tönt das, was die Zürcher reden.

Es gibt viele Thurgauer Whatsapp-Gruppen, da wird die gesprochene Sprache mittlerweile auch so aufgeschrieben. Wenn zugegebenermassen auch etwas überspitzt. Das liest sich dann so: «Chunsch no vobi?» – «Jo, abo chli spöto!» Das sieht im ersten Moment zwar komisch aus, wird aber mit der Zeit normal. Man beginnt es zu mögen. Und es ist kürzer und spart Zeit.

Das Spiel mit der Mundart-Charakteristik hat das Zeug zur regionalen Marke. Über das «Hoptsach dä Hond isch gsond» der Appenzeller lacht auch niemand, sondern man findet es liebenswert. Wenn aber unsere Eigentümlichkeit ein Kulturgut werden soll, braucht sie einen Namen. Sollte noch keiner vergeben worden sein, wird das an dieser Stelle nachgeholt. In diesem Sinne: ein Hoch auf das «Thurgau-O».

Urs Brüschweiler

urs.brueschweiler

@thurgauerzeitung.ch