Wir sind ja so bescheiden

RESTZUCKER

David Angst
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Dass es zwischen dem Frühfranzösisch-Entscheid des Grossen Rats und dem Rücktritt Didier Burkhalters einen Zusammenhang gibt, ist nicht erwiesen. Aber auf alle Fälle hat er uns Thurgauern damit die Show gestohlen. Jetzt hätten wir mal etwas Applaus erhalten. Aber nach Burkhalters Rücktritt ging dann gleich das Gestürm los, wer seinen Sitz erben könnte. Ein Lateiner müsse es sein, heisst es. Die grösste Klappe haben die Tessiner. Wir Thurgauer sind einmal mehr ganz ruhig – obwohl wir einen bilinguen Ständerat haben. Das wäre doch mal ein Signal aus Bern gewesen, quasi als Belohnung für die Rettung des Sprachenfriedens einen zweisprachigen Thurgauer zum Bundesrat zu wählen.

Wir stellen unser Licht eben gerne unter den Scheffel. Ein weiteres Beispiel: In Hinwil sei die weltweit erste Anlage in Betrieb genommen worden, die das Treibhausgas CO2 aus der Luft abscheiden könne. Das behaupteten die Zürcher Medien, als diese vor 14 Tagen eingeweiht wurde. Es gibt aber in Sulgen schon länger eine Anlage, die das kann. Ganz in thurgauischer Bescheidenheit behauptet man hier nur, die erste solche Anlage in der Schweiz zu besitzen.

Die Geschichte erinnert ein wenig an die drei Metzger, die alle an der gleichen Strasse ihr Geschäft hatten. Der erste hatte eine Tafel im Schaufenster: «Hier gibt es die besten Würste der Schweiz.» Der zweite schrieb: «Hier gibt es die besten Würste der Welt.» Der dritte schrieb nur: «Wir haben die besten Würste an dieser Strasse.»

In Küsnacht am Zürichsee soll übrigens demnächst ein unterirdischer Kreisel gebaut werden. Wahrscheinlich heisst es dann bei der Eröffnung, es sei dies der erste der Welt.

David Angst

david.angst@thurgauerzeitung.ch