«Wir sind hier drin nur zu Gast»

WITTENWIL. Wittenwil hat sein Wahrzeichen wieder. Eineinhalb Jahre lang wurde das Schloss umgebaut. Nun verfügt der einstige Sitz des Landvogtes über zwei Luxuswohnungen. Bevor diese vermietet werden, öffnen die Besitzer die Türen des historischen Gebäudes noch einmal für die Öffentlichkeit.

Olaf Kühne
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Stattlich präsentiert sich das Schloss Wittenwil. (Bilder: Olaf Kühne)

Stattlich präsentiert sich das Schloss Wittenwil. (Bilder: Olaf Kühne)

800 Jahre lang hatte das Schloss Wittenwil keinen Balkon. Jetzt hat es zwei. Leichte Konstruktionen aus Metall und Holz, befestigt in den altehrwürdigen Gemäuern mit gerade mal 20 Schrauben. Nichts für die Ewigkeit. Und damit entsprechend Gabriel Müllers Philosophie. Eineinhalb Jahre lang hat der Frauenfelder Architekt zusammen mit spezialisierten Handwerkern das Schloss Wittenwil umgebaut und sagt: «Wir sind hier drin nur zu Gast.»

Stets sei am Schloss gebaut worden, jede Epoche habe ihre Spuren hinterlassen. Schöne und unschöne – aus heutiger Sicht. Deshalb sollen auch künftige Generationen entscheiden, ob das Gebäude wirklich Balkone braucht, findet Müller.

Ein Bijoux ist so oder so entstanden. Müllers Auftraggeber erwarben das Schloss vor drei Jahren und wandten sich danach an ihn – einen ausgewiesenen Fachmann für historische Bauten – mit dem Wunsch, zwei Wohnungen darin zu realisieren. Keine Prestigeobjekte mit historischer Fassade als Alibi, sondern Wohnungen für Liebhaber, die geschichtsträchtige Details zu schätzen wissen.

Über 100 Objekte umgebaut

Vom Erwerb der Liegenschaft bis zur Baueingabe dauerte es denn auch ein ganzes Jahr. Zeit, die Müller für Analysen, Abklärungen und Recherchen brauchte – und in der er in regem Austausch mit der kantonalen Denkmalpflege stand. Nicht zum erstenmal. Müller ist auf dem Amt kein Unbekannter. Über 100 historische Objekte hat er in den letzten 20 Jahren schon umgebaut; rund zwei Drittel davon unter Mitwirkung der Denkmalpflege. «Es war jedesmal eine super Zusammenarbeit», sagt Müller.

Keine selbstverständliche Aussage von einem Architekten. Doch das Resultat in Wittenwil gibt ihm recht. Das kleine Dorf in der Gemeinde Aadorf hat sein Wahrzeichen in alter Frische wieder.

Überwältigt vom Interesse

«Der einstige Sitz des Landvogtes ist ein wichtiges Objekt für die regionale Identifikation», ist Gabriel Müller überzeugt. Dass die Wittenwiler Dorfbevölkerung diese Einschätzung teilt, hat sie bereits bewiesen. Ende Mai organisierten Müller und seine Bauherren im fast fertigen Umbau einen Tag der offenen Türe. Mit vielleicht 20 Interessierten habe man gerechnet, sagt Müller, gekommen sei dann schlicht das ganze Dorf. «Wir waren total überwältigt vom Interesse», freut sich der Architekt. Dabei habe es vereinzelt durchaus auch kritische Stimmen gegeben. Für Müller kein Problem. Im Gegenteil: «Das zeigte uns, wie sehr sich die Wittenwiler mit ihrem Schloss identifizieren.»

Der Kachelofen wärmte einst das Schloss Hard in Ermatingen.

Der Kachelofen wärmte einst das Schloss Hard in Ermatingen.

Modernes Bad hinter antiker Türe.

Modernes Bad hinter antiker Türe.

Architekt Gabriel Müller hat das Schloss umgebaut. (Bild: Olaf Kühne)

Architekt Gabriel Müller hat das Schloss umgebaut. (Bild: Olaf Kühne)

Bild: OLAF KÜHNE

Bild: OLAF KÜHNE

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