Wir sehen dich, du Tierhasser

Die Thurgauer brachten in den letzten acht Jahren mindestens 180 Hunde wegen einer Vergiftung zum Tierarzt. Bei den meisten Fällen ist das Gift bekannt, weil die Besitzer gesehen haben, was ihr Tier gefressen hat. In anderen Fällen gehen sie von einer gezielten Vergiftung aus.

Gjon David
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Katze und Hund: Lieblinge, aber für manche leider auch ein Hassobjekt. (Bild: pd, fotolia)

Katze und Hund: Lieblinge, aber für manche leider auch ein Hassobjekt. (Bild: pd, fotolia)

Sandra Brüshaber aus Arbon ist besorgt: «Die Toleranz und die Akzeptanz Hunden gegenüber hat sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert.» Immer mehr Kunden erzählen der Hundetrainerin, dass Leute absichtlich Hunde vergiften. «Der Fall ist problematisch», sagt Brüshaber. «Diese Hundehasser legen Giftköder an stark frequentierten Wegen aus, im hohen Gras oder in Gebüschen.» Der Mensch solle die Giftköder nicht sehen, aber der Hund geht dem Geruch nach und würde diese finden. «Der Hund ist naturgemäss ein <Schlinger>, das heisst, das Futter wird einfach nur verschluckt, nicht gekaut», sagt die Hundetrainerin.

Ohne Behandlung folgt der Tod

«Ich habe auch schon von solchen Fällen gehört, wobei es neben Hunden auch um Katzen gehen kann», sagt Thomas Knecht, Leitender Arzt Forensische Psychiatrie in Herisau. Ein spezifischer Fachbegriff für diese Tierhass-Charaktere existiert aber seines Wissens nicht.

Pius Spescha von der Tierarztpraxis Dammbühl in Wängi sagt: «Hundehasser verwenden meistens Meta-Anzündwürfel.» Die Würfel würden in Wurststücke gesteckt und ausgelegt. «Ohne Behandlung sterben die Hunde sehr qualvoll, je nach Giftmenge und Grösse des Hundes nach ein paar Stunden oder innert zwei Tagen», sagt Spescha. Sei das Gift bekannt, habe man die Möglichkeit von Gegenmitteln.

Allerdings sei das bei den wenigsten Substanzen der Fall, erläutert Lisa Goldinger vom Tiermedizinischen Zentrum «Tezet» in Müllheim. «In den letzten acht Jahren wurden 189 Hunde, mit dem Verdacht der Besitzer auf Vergiftung, bei uns vorgestellt. Jedoch hätten sie bei keinem der Fälle nachweisen können, dass es sich um eine böswillige Vergiftung handle. Giftige Stoffe würden aber auch in vielen Haushalten unsorgfältig aufbewahrt, sagt Goldinger besorgt.

Tierschützer relativieren

Durch die allgemein gesunkene Toleranz habe sich mit Sicherheit auch die Zahl der Hundehasser erhöht, vermutet Hundetrainerin Sandra Brüshaber. Es komme immer häufiger vor und in immer grösseren Gebieten. «Ich habe von absichtlichen Vergiftungsfällen in Kreuzlingen, Arbon und Romanshorn gehört.»

Heinz Lienhard, Präsident vom Tierschutzverein Kreuzlingen relativiert: «Beim einzigen mir bekannten Fall handelte es sich um einen mit Rattengift und Nadeln präparierten Cervelat. Das war aber vor zehn Jahren». Auch bei der Kantonspolizei Thurgau sind in den vergangenen Monaten keine Straftatbestände im Zusammenhang mit einem nachweislich vergifteten Hund registriert worden, sagt Mediensprecher Ernst Vogelsanger. Hundetrainerin Brüshaber rät trotzdem zur Vorsicht: «Nicht nur im Thurgau, auch bei den drei Weiern in St. Gallen wurde ich vor Gift-Ködern gewarnt.»