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«Wir leben längst nicht mehr feudal»

Vor 40 Jahren kauften Heinrich und Bruna Kolb das Schlosses Liebburg in Lengwil-Oberhofen. Damals war es ein heruntergekommenes Landhaus. Heute ist es ein liebevoll renoviertes Schmuckstück. Erhalten geblieben aus historischer Zeit sind die Möbel im blauen Rittersaal.
Jeanette Herzog
Schlossherrin Bruna Kolb

Schlossherrin Bruna Kolb

Lengwil. «Wir haben weder eine Köchin noch einen Hauswart», sagt Bruna Kolb, während sie durch ihr Schloss führt. Die gebürtige Ostpreussin bewegt sich grazil, spricht sanft und mit Bedacht. «Wissen Sie, die Leute glauben, wir würden hier immer noch so leben wie früher.» Bruna Kolb ist es wichtig, klarzustellen, dass dem nicht so ist. «Wir leben längst nicht mehr feudal.» Sie führt die Treppe hinunter in das Soussol, wo sich die Küche befindet. Sie sieht nicht aus wie eine fürstliche Küche, sondern ist schon in die Jahre gekommen.

Darin steht auch kein Sterne-Koch, der den Schlossherren die Mahlzeiten zubereitet. «Ich koche selbst für meinen Mann und mich», stellt Bruna Kolb klar. «Und ich kaufe auch selbst ein.»

«Es gibt immer etwas zu tun»

So sehr sie es geniessen würden, auf der Liebburg zu wohnen, das Schloss habe auch seine Nachteile. «Wir haben dieselben Probleme wie in jedem alten Haus.

Im Sommer ist es heiss, im Winter kalt, und immer ist es feucht», sagt Bruna Kolb und deutet in eine Ecke, in der die Feuchtigkeit die Wand hochkriecht. Jammern will sie aber nicht. Es geht ihr darum zu zeigen, dass sich ein Schlossherr nicht so sehr von einem anderen Hausbesitzer unterscheidet. Derzeit lassen die Kolbs die Wetterfassade renovieren. «Es gibt immer etwas zu tun, auch im Innern müsste man einiges erneuern», sagt die Schlossherrin.

Seine Zuneigung zur Liebburg

Im Mittelalter stand eine Burg unweit der heutigen Liebburg. 1376 ist erstmals eine Handänderung dokumentiert worden. Feuer und Erdbeben machten die Burganlage um 1750 allerdings unbewohnbar. Ein Nachkomme des Besitzers baute um 1790 unmittelbar daneben, aus dem Material der alten Liebburg, das heutige Patrizierhaus mit 20 Zimmern. Als Heinrich Kolb 1970 die Liebburg erwarb, war sie ein heruntergekommenes Landhaus.

«Das Gebäudeinnere war trichterförmig eingesackt, Regenwasser tropfte bis ins zweite Stockwerk», heisst es in einer Dokumentation, die Heinrich Kolb gemeinsam mit Historikern erstellte. Der gesundheitlicher Zustand erlaubt es ihm heute nicht mehr, die Geschichte seines Schlosses selbst zu erzählen. Aus der liebevoll gestalteten Dokumentation jedoch geht seine Zuneigung zur Liebburg hervor.

Aufwendige Renovationen

1970 wäre es am einfachsten gewesen, das Schloss abzubrechen, doch war es der Wunsch Heinrich Kolbs, es wieder zu dem Wohnhaus zu machen, das es in der Vergangenheit war. Durch die aufwendigen Renovationsarbeiten hat die Liebburg auch ihren ursprünglichen Schlosscharakter zurückerhalten.

Ruhe und Freiheit

Einstmals diente die Liebburg als Sommerresidenz des Konstanzer Bischofs und war im Besitz zahlreicher wohlhabender Familien. Aus historischer Zeit erhalten geblieben sind einzig die grossen Möbel im blauen Rittersaal.

«Alles andere brachten frühere Besitzer auf die Gant», erklärt Bruna Kolb. Massive, nach Mass angefertigte Eichenmöbel stehen im Rittersaal, ein Kronleuchter hängt von der hohen Decke. 18 Stühle gehören zum rund vier Meter langen Tisch und jeder einzelne trägt das Emblem «HK» für Heinrich Kolb. Doch der Saal ist nicht für Ausstellungszwecke gedacht. Die Schlossherren speisen täglich im imposanten Interieur – Brosamen auf dem historischen Tisch zeugen davon.

Ruhe und Freiheit bedeute ihnen die Liebburg, sagt die Schlossherrin. Doch nach 18 Handänderungen zwischen 1900 und 1970 fand auch das Schloss im Besitz von Heinrich und Bruna Kolb endlich seine Ruhe.

Schloss Liebburg: Wo einstmals der Bischof von Konstanz residierte, leben heute Heinrich und Bruna Kolb und vier weitere Parteien. (Bilder: Urs Jaudas)

Schloss Liebburg: Wo einstmals der Bischof von Konstanz residierte, leben heute Heinrich und Bruna Kolb und vier weitere Parteien. (Bilder: Urs Jaudas)

Der blaue Rittersaal dient den Besitzern als Esszimmer.

Der blaue Rittersaal dient den Besitzern als Esszimmer.

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