«Wir können jetzt nach vorne schauen»

Der neue Lehrplan kommt auf Sommer 2017. Für jene, die das verhindern wollten, ist der Abstimmungskampf unfair verlaufen, weil in ihren Reihen alte Sekten-Verbindungen aufgedeckt wurden.

Silvan Meile
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Als Ohrfeige will Felix Huwiler das wuchtige Nein vom Sonntag nicht verstanden haben. Dass 75 Prozent der Thurgauer Stimmbevölkerung gegen die Lehrplan-Initiative stimmten, trägt der Co-Präsident des Komitees «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule» mit Fassung. «Aber die Enttäuschung ist schon da», fügt er hinzu. Es sei unfair, dass die persönlichen Hintergründe einzelner Komiteemitglieder im Abstimmungskampf erwähnt worden seien. Die Thurgauer Zeitung machte publik, dass Mitglieder des Komitees der Lehrplangegner Verbindungen zum ehemaligen Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM) hatten. Die einst als Psycho-Sekte bezeichnete Vereinigung dürfte den Initianten der Volksinitiative «Ja zu einer guten Thurgauer Volksschule» geschadet haben. Über eine Volksabstimmung versuchten sie, dem Regierungsrat die Kompetenz zur Erteilung des Lehrplans zu entziehen. Gleichzeitig sollte die Einführung des neuen Lehrplans – basierend auf dem Lehrplan 21 – verhindert werden. Gegner wie Befürworter führten einen sehr engagierten Abstimmungskampf. Das zeigte sich nicht zuletzt während Wochen an vollen Leserbriefspalten.

Initianten halten an Zugeständnissen fest

Der Regierungsrat wird nun den neuen Lehrplan per Sommer 2017 einführen. Das klare Resultat der Abstimmung sei als Vertrauensbeweis und Wertschätzung gegenüber der Schule zu deuten, sagt Thomas Minder, Präsident des Verbands der Thurgauer Schulleiter. Er kämpfte «Tag und Nacht» an vorderster Front für ein Nein zur Lehrplan-Initiative. «Mit grosser Erleichterung starte ich nun in die neue Woche. Wir können vorwärts schauen und müssen uns nicht nach hinten orientieren», sagt Minder. Das war ein oft eingebrachtes Argument, dass die Initiative eine Schule längst vergangener Tage wolle. Unterschiedliche Ansichten prallten im mit harten Bandagen geführten Abstimmungskampf aufeinander. «Sehr emotional und mit persönlichen Angriffen», sagt Minder. «Man kann den Lehrplan kritisieren, sollte das aber so machen, dass man dem Gegenüber immer noch in die Augen schauen kann», findet der Präsident der Thurgauer Schulleiter.

Immerhin habe jede vierte Stimme dem Anliegen der Initiative zugestimmt, obwohl seinem Komitee durch Regierung, Parteien, Verwaltung und Verbänden eine Übermacht gegenübergestanden sei, sagt Huwiler. Er werde nun darauf schauen, ob die Zugeständnisse, die in der Diskussion um die Abstimmung gemacht wurden, auch eingehalten werden. Dabei denke er an Methodenfreiheit für Lehrpersonen oder klassischen Unterricht mit Lesen, Schreiben und Rechnen.