«Wir kaufen lokal ein»

«Die Welt im Wandel – wo bleibt der Mensch»: Diesem Thema widmet sich das morgige Wirtschaftsforum Thurgau im Rahmen der Wega. Auftreten wird auch Rhea Beltrami, Chefeinkäuferin von McDonald's Schweiz.

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Rhea Beltrametti (Bild: pd)

Rhea Beltrametti (Bild: pd)

Frau Beltrami, «Die Welt im Wandel» – das ist das Motto des Wirtschaftsforums. Auch Ihre berufliche Welt hat sich gewandelt. Sie haben von der Geschäftsleitung des Bauernverbands zu McDonald's gewechselt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten.

Rhea Beltrami: Es handelt sich keineswegs um zwei völlig verschiedene Welten. Es ist die gleiche Welt, aber bei McDonald's sehe ich sie von einem andern Blickwinkel aus.

Bereits als Mitarbeiterin des Bauernverbandes hatte ich regelmässig einen engen Kontakt zu McDonald's. Deshalb war dieser Schritt gar nicht so weltbewegend, wie man meinen könnte.

McDonald's Markenzeichen ist der Hamburger. Dieser wird seit Jahren nach der gleichen Rezeptur hergestellt. Weshalb kann sich dieses Produkt in einer Welt des Wandels halten?

Beltrami: Weil es sich um ein bewährtes Rezept handelt, mit dem McDonald's auch heute noch den Nerv von Konsumentinnen und Konsumenten trifft.

Ausschlaggebend ist aber vor allem die Qualität. McDonald's hat von Anfang an mit Schweizer Rindfleisch auf Qualität gesetzt.

Wie wichtig sind andere Produktebereiche wie etwa Salate im Angebot von McDonald's?

Beltrami: Uns ist wichtig, dass wir mit einem breiten Angebot aufwarten können. Damit haben die Konsumenten die Wahlfreiheit.

Mit dem Salatangebot, für das wir regelmässig Promotionen machen, decken wir zudem eine wichtige Zielgruppe ab: nämlich die Mütter. Diese wählen eher einen Salat, während ihre Sprösslinge das Happy Meal vorziehen. Deshalb sind solche Ausweitungen des Angebots richtig und wichtig. Aber die Mehrheit unserer Gäste kommt nach wie vor wegen Big Mac und Co.

Sie waren 2009 für Einkäufe im Umfang von 148 Millionen Franken zuständig. Der Anteil des Einkaufsvolumens in der Schweiz beläuft sich bei McDonald's auf 79 Prozent. Weshalb ist dieser Anteil so hoch? Rindfleisch und Pommes frites könnte man billiger aus dem Ausland beziehen.

Beltrami: Das ist tatsächlich so. Aber es gehört zur Unternehmensphilosophie von McDonald's, lokal einzukaufen – und das schon seit über 30 Jahren. Seit der Eröffnung des ersten Restaurants in der Schweiz arbeiten wir mit Bell zusammen.

Auch von der Ökologie her ist es sinnvoll, lokal einzukaufen. Was zudem ganz wichtig ist: Die Qualität des Rohmaterials stimmt.

Zum Profil von McDonald's gehört auch die günstige Verpflegung. Ein Burger mit Schweizer Fleisch ist 20 bis 30 Rappen teurer als einer mit Importfleisch. Weshalb realisieren Sie diesen Preisvorteil für Ihre Kunden nicht?

Beltrami: Weil unsere Kunden bereit sind, den Preis für Qualität und für lokale Produkte zu bezahlen. Das zeigen auch verschiedene Studien.

Es gelingt uns aber trotzdem, ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis aufrechtzuerhalten.

McDonald's setzt etwa auf nachwachsende Rohstoffe bei Verpackungen und bezieht Fleisch aus integrierter Produktion: Ist der Aspekt der Nachhaltigkeit eine Konzession an die Befindlichkeit in der Schweiz?

Beltrami: Nein, das halten wir nicht nur in der Schweiz so.

Es ist Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie, lokal einzukaufen, sofern dies möglich ist und ökologisch und ökonomisch Sinn macht. Rund 50 Prozent unserer Transportkilometer legen wir auf der Schiene zurück. Es mag sein, dass McDonald's Schweiz in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle spielte, weil die Schweizer Infrastruktur besser ausgebaut ist als in andern europäischen Ländern.

Als Chefeinkäuferin von McDonald's verfügen Sie über Marktmacht. Wie gehen Sie mit dieser um, in einer Situation, in der das Preisbewusstsein der Schweizer Konsumenten steigt?

Beltrami: Genau darum geht es in meinem Referat am Wirtschaftsforum vom kommenden Freitag. Nach den beiden Grossverteilern sind wir der grösste Abnehmer von Produkten der Schweizer Landwirtschaft. Ich kann nur ganz kurz sagen, dass wir uns dessen absolut bewusst sind und unsere Verantwortung wahrnehmen. Dafür spricht auch, dass unsere Lieferanten seit über 30 Jahren eng mit uns zusammenarbeiten.

Interview: Christian Weber