«Wir haben vieles ausprobiert»

TZ-Sommerserie Geschwister: Dieter Bachmann, Inhaber der Gottlieber Spezialitäten AG, und seine grosse Schwester, die TV-Produzentin Regula Marti. Der Drang, Neues zu entdecken, hat Bruder und Schwester schon immer vereint.

Daniela Huber
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Sie verbindet die Neugier auf das Leben: Regula Marti und Dieter Bachmann am Seerhein in Gottlieben. (Bild: Reto Martin)

Sie verbindet die Neugier auf das Leben: Regula Marti und Dieter Bachmann am Seerhein in Gottlieben. (Bild: Reto Martin)

GOTTLIEBEN. «Das Leben treibt einen irgendwohin», stellt Regula Marti mit einem Lächeln fest. Eigentlich hätte auch alles ganz anders kommen können. Heute sitzen Dieter Bachmann (42) und seine elf Jahre ältere Schwester im Seecafé in Gottlieben, da wo Dieter Bachmanns Firma die berühmten Hüppen produziert und Boote auf dem Seerhein vorbeiziehen.

Regula Marti hat ihrem Bruder Skifahren beigebracht, Schwimmen nicht. Wobei er bemerkt, dass sie ihm eigentlich alles erzählen könnte. An alles könne er sich nicht erinnern, dazu sei er damals zu klein gewesen. Die TV-Produzentin und der Unternehmer stammen aus einer sechsköpfigen Familie. Beide haben eine Berufslehre gemacht, sie als Drogistin und er als Augenoptiker, erst später hat das Leben sie auf die Pfade geleitet, die sie heute gehen.

Regula Marti: «Ich wollte Lehrerin werden. Aber in der sechsten Klasse waren wir so eine Saubande in der Schule, da dachte ich mir: ich will doch nicht immer schimpfen müssen. Also lieber nicht.»

Dieter Bachmann: «Und ich wollte Bauer werden.»

Regula: «Stimmt.»

Dieter: «Ich bin damals als kleines Kind in Tägerschen immer abgehauen von zu Hause und von einem Bauernhof der Nachbarschaft zum andern spaziert. Die haben mir dann überall was zu essen gegeben, das war super.»

Regula: «Und wir Schwestern sind dann von Bauernhof zu Bauernhof dich suchen gegangen. Am Ende mussten wir dich einzäunen. Manchmal wurdest du wegen deiner Ausbrecherei ohne Znacht ins Bett geschickt, aber dann hatte ich immer Mitleid und dir doch etwas zu Essen ins Zimmer geschmuggelt.»

Mit 15 war er DJ

Entdeckerdrang und Neugierde haben die beiden Geschwister schon immer vereint. Trotz des Altersunterschiedes. Als Dieter vierzehn Jahre alt war, hatte ihn seine Schwester in die Medienwelt gebracht. Mit fünfzehn legte er bereits Musik auf als DJ.

Regula: «Du hast ja schon damals auch gleich Parties und Konzerte organisiert und mich als Moderatorin aufgeboten.»

Dieter: «…um gratis Presseberichte zu schreiben.»

Regula: «Das hab ich gern gemacht. Mein kleiner Bruder war für mich immer etwas Spezielles. Ich fand ihn immer en Coole.»

Der coole kleine Bruder wuchs schnell und eroberte im Eiltempo die Welt, während die grosse Schwester unbeirrbar ihren eigenen Weg ging: «Ich hatte nach drei Jahren Kanti keine Lust mehr», erzählt Regula Marti, «da ging ich heimlich zum Berufsberater, der mir sagte, ich solle eine Hausbeamtenlehre machen. Das kam für mich aber gar nicht in Frage. Dafür habe ich eigenständig eine Lehrstelle als Drogistin gesucht und gefunden, denn die Nähe zum Menschen war mir immer wichtig.» Von da kam dann der Kontakt zum Journalismus über eine Drogistenzeitschrift. Sie habe ja schon immer gerne geschrieben.

Dieter Bachmann sagt: «Du hast ja damals immer meine Aufsätze korrigiert. Ich war faul, was das Lernen anging. Im Verstehen war ich besser, und Mathe mochte ich lieber, deshalb habe ich die Optikerlehre angefangen.» Nach dem Lehrabschluss hat er eine Veranstaltungsfirma gegründet und kam schnell zu Geld. Später kamen Tage, wo er nicht wusste wie er sich das Mittagessen kaufen sollte.

Auch bei Regula Marti gab es harte Zeiten. Sie hat sich vor vierzehn Jahren als alleinerziehende Mutter selbständig gemacht, hauptsächlich weil sie auf flexible Arbeitszeiten angewiesen war. Das sei auch nicht immer einfach gewesen, denn Studium, Arbeit und Kinder haben sie Tag und Nacht in Anspruch genommen. Ob die beiden während der Zeit bei einander Rat geholt hätten? «Eigentlich nicht», sagt Dieter Bachmann, «es war eher so, dass wir sagten: Du, ich hab dies und jenes gemacht, was meinst du dazu?» «Wir haben vieles ausprobiert, und vieles ist gut gegangen, aber einiges auch nicht», sagt Regula Marti.

Ausprobieren und kämpfen

Das Ausprobieren, das Kämpfen, um am Ende immer etwas zu erreichen, scheinen beide gemeinsam zu haben. Dies haben die Geschwister angeblich von ihrem Vater geerbt. Ihr Vater hatte vor Jahren zusammen mit seinem Bruder eine konkursite Firma gekauft und zum Laufen gebracht. Oftmals hatten die Eltern weniger Lohn nach Hause getragen als ihre Mitarbeiter, nur um den Betrieb über die Runden zu bringen und Arbeitsplätze zu retten. «Irgendwie glauben wir immer ans Gute im Menschen», stellen die Geschwister fest.

Aus «verschissenen Situationen rauskommen», lacht Dieter Bachmann, «das können wir beide gut.» Regula Marti stimmt ihm zu: «Ja, es passieren manchmal Sachen, da denkt man: Wofür war jetzt das wieder gut? Aber später schaut man zurück, und dann weiss man es immer.»

Regula Marti erzählt wie es war, als ihr Bruder geboren wurde: «Als unser kleiner Bruder auf die Welt kam, da war ich mit meinen Schwestern im Blauring-Lager. Wir dachten uns wunderschöne Namen aus, wie Dominik, zum Beispiel. Und dann hörte ich, dass das Baby Dieter hiess. Das konnte ich meinen Schwestern nicht mal sagen, ich brachte den Namen gar nicht über die Lippen. Dieter für ein Baby, das ging einfach nicht, fand ich damals.»

Dieter Bachmann mag seinen Vornamen. Lange nach der Zeit als Krawatten-tragender DJ hatte er am Seerhein ein Boot gehabt. Damals hätte er niemals gedacht dass er eines Tages hier arbeiten würde. Aber nun sind beide Geschwister froh darüber, dass das Leben sie dahin geleitet hat, wo sie jetzt sind. Auch ein paar Schicksalsschläge hat es gegeben, wie den Tod des Vaters. Regula Marti hat diese Erfahrung zu ihrem Fernsehfilm «Tschau zäme» inspiriert. «So ist das Leben», erklärt Dieter Bachmann, «Es führt einen immer wieder woanders hin. Aber am Ende war es uns immer wichtig, nach vorne zu schauen und niemals rückwärts zu gehen.»

Die grossen Bachmann Schwestern und der kleine Bruder: Helen, Regula und Maya mit Dieter. (Bild: pd)

Die grossen Bachmann Schwestern und der kleine Bruder: Helen, Regula und Maya mit Dieter. (Bild: pd)

Bild: DANIELA HUBER

Bild: DANIELA HUBER

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