«Wir haben die Seuche im Griff»

Im vergangenen Jahr mussten im Thurgau Schweine wegen einer Seuche notgeschlachtet werden. Für Kantonstierarzt Paul Witzig ist das kein Grund zur Beunruhigung. Vielmehr habe man im Vergleich zu früher die Schweineseuche erfolgreich eingedämmt.

Silvan Meile
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Paul Witzig Thurgauer Kantonstierarzt (Bild: Reto Martin)

Paul Witzig Thurgauer Kantonstierarzt (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Seuchenalarm in Schweinemastbetrieben der Linthebene. In Benken mussten mehr als 300 Tiere eines Betriebs geschlachtet werden, weil die Schweineseuche Enzootische Pneumonie (EP) ausbrach. Von dort aus droht nun gemäss Medienberichten die hochansteckende Lungenentzündung der Schweine in die Ostschweiz überzuschwappen. Die Seuche sei vermutlich von Wildschweinen übertragen worden. Die Meldung lässt im Kanton Thurgau mit seiner grossen Population an Wildschweinen aufhorchen.

Im Thurgau derzeit kein Thema

Doch der Thurgauer Kantonstierarzt Paul Witzig bleibt gelassen und gibt bezüglich Seuchenalarm sofort Entwarnung.

Solche Schlagzeilen würden dramatisch klingen, in der Realität habe man diese Seuche aber längst im Griff, sagt Witzig: «Die EP ist in der Schweiz praktisch ausgerottet. Die staatliche Bekämpfung ist eine Riesenerfolgsgeschichte.» Früher sei die Schweineseuche, die sich als Lungenentzündung zeigt, noch fast in jedem Stall aufgetreten. Heute würden nur noch sporadisch Fälle auftreten, im Thurgau sei die Seuche derzeit kein Thema.

Notschlachtungen im 2014

Ganz frei von der Schweineseuche ist der Kanton aber nicht. «Wir hatten im vergangenen Jahr einen Fall in einem Zuchtbetrieb», sagt der Kantonstierarzt Witzig. Weil die Tiere jeweils von solchen Zuchtbetrieben weiter in Mastställe verschoben werden, seien durch diese Infektion schliesslich vier Betriebe beziehungsweise einige hundert Tiere betroffen gewesen. Deshalb mussten im vergangenen Jahr auch im Thurgau Schlachtungen als Massnahme gegen diese Schweineseuche vorgenommen werden. Für den Menschen bestehe keine Gefahr. Das Fleisch der Schweine könne bedenkenlos gegessen werden.

Überträger sind nicht eindeutig

Doch nicht alle betroffenen Schweine und Ferkel mussten notfallmässig geschlachtet werden. Ein Teil der infizierten Tiere sei an einem neuen Standort in sogenannten Absonderungsställen gehalten worden. Getrennt von den anderen Artgenossen konnten sie dort die Krankheit nicht weiter übertragen, sagt Witzig. Schliesslich fanden sie, wie alle anderen Mastschweine auch, den Weg auf die Schlachtbank.

Betroffene Betriebe müssen nach einem solchen Seuchenfall die Ställe und Transportfahrzeuge gründlich desinfizieren. Für sie bedeute dies vor allem einen beträchtlichen Aufwand und einen grossen finanziellen Verlust.

«Je länger, je mehr wird behauptet, dass die Ansteckungen über Wildschweine erfolgt», sagt Kantonstierarzt Witzig. Es bestünde dafür aber lediglich eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Die entsprechenden Erreger seien bei den Wildtieren zwar auch schon nachgewiesen worden, aber nicht in einer so grossen Zahl, dass die Wildschweine zwingend als Überträger der EP-Seuche feststehen.

Auch Roman Kistler, Chef der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung, sind keine Fälle bekannt, bei denen Wildschweine im Thurgau nachweislich die Schweineseuche Enzootische Pneumonie auf Schweinemast oder -zuchtbetriebe übertrugen.

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