«Wir geben immer freundlich Auskunft»

In einer Serie stellen wir Ihnen Orte aus aller Welt vor, die wie Orte im Thurgau heissen. Der 79-jährige Rudolf Holzer ist in Moos im Südtirol aufgewachsen und lebt noch heute dort. Er erinnert sich an die Zeit, bevor der Tourismus ins Dorf gekommen ist.

Katharina Brenner
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Herr Holzer, wie ist das Leben in Moos?

Rudolf Holzer: Das Leben hier hat sich seit meiner Kindheit stark verändert. Die Zahl der Häuser hat sich seitdem verdreifacht. Von den 500 bis 600 Einwohnern heute haben nur noch zehn Familien eine Landwirtschaft. Wir haben nur Milchwirtschaft. Vergleichsweise ist der Milchpreis hier sehr gut, denn unsere gute Milch ist sehr beliebt bei den Touristen. Der Grossteil der Mooser lebt heute vom Tourismus.

Wo kommen die Gäste hauptsächlich her?

Holzer: Von Mitte Juni bis Mitte September kommen 70 Prozent der Gäste aus Italien. In der Vor- und Nachsaison sind es meistens sehr viele Deutsche. Aber auch Österreicher machen hier Urlaub, und in den vergangenen Jahren kommen auch mehr und mehr Schweizer.

Kennen Sie Moos bei Hefenhofen im Thurgau?

Holzer: Nein, das kenne ich nicht. Es gibt aber auch nochmal ein Moos hier im Südtirol. Das liegt im Passeiertal.

Wie würden Sie die Mooser beschreiben?

Holzer: Die sind natürlich sehr fleissig, sehr arbeitsam und tüchtig. Wir geben immer freundlich Auskunft und haben uns ganz auf den Tourismus eingestellt: Viele Mooser sind im Sommer als Bergführer tätig und im Winter als Skilehrer. Moos liegt ja an der Grenze zum Veneto. Da sind die Leute wieder ganz anders. Dort wird immer noch Ladinisch gesprochen.

Welche Sprachen werden in Moos gesprochen?

Holzer: Die gesamte Bevölkerung ist zweisprachig. Seit 1945 ist es gesetzlich geregelt, dass Italienisch Zweitsprache ist – nicht Fremdsprache, sondern Zweitsprache. Die Sprache gehört ja schliesslich dazu, wir sind in Italien. Aber auch davor haben schon viele Italienisch gesprochen. Vor dem Ersten Weltkrieg sind viele junge Italiener ins Trentino gekommen und haben hier die letzten beiden Schuljahre verbracht.

Sie kennen sich gut aus mit der Mooser Geschichte. Der Bürgermeister von Sexten, Fritz Egarter, hat sie als Chronisten vorgestellt. Sehen Sie sich auch so?

Holzer: Ich würde mich eher als jemanden bezeichnen, der sich für die Belange der Mooser interessiert. Ich habe immerhin mein ganzes Leben in Moos verbracht.

Was war ihr Beruf?

Holzer: Ich habe 46 Jahre lang an der Grundschule unterrichtet. Bis Ende der 80er-Jahre jedes Fach, dann haben die einen eher Deutsch und solche Fächer, die anderen Mathe und verwandte Fächer unterrichtet. Nur Italienisch wurde immer von Muttersprachlern unterrichtet.

In welche Richtung sind Sie gegangen?

Holzer: Mir persönlich lagen die naturwissenschaftlichen Fächer mehr.