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WINTERTHUR/FRAUENFELD: Rettung des Wärmerings nicht mehr fern

Die zweitletzte Hürde ist genommen. Das Winterthurer Stadtparlament hat am Montag der Sanierung der Wärme Frauenfeld AG zugestimmt. Das letzte Wort hat nun am Sonntag das Frauenfelder Stimmvolk.
Mathias Frei
Der Wärmering nutzt die Abwärme des gereinigten Abwasser der Kläranlage in der Grossen Allmend in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Der Wärmering nutzt die Abwärme des gereinigten Abwasser der Kläranlage in der Grossen Allmend in Frauenfeld. (Bild: Andrea Stalder)

Sie wirken erleichtert. Obwohl sie, wenn alles gut läuft, auf Ende Jahr ihre Verwaltungsratsmandate bei der Wärme Frauenfeld AG (WFAG) los sind. Nach nicht einmal anderthalb Stunden können WFAG-VR-Präsident Urs Manser, die Verwaltungsräte Markus Kutter und Reto Angehrn sowie Geschäftsführer Jürg Seemann am frühen Montagabend den Heimweg in den Thurgau antreten. Die Debatte des 60-köpfigen Winterthurer Stadtparlaments über den Verzicht auf Forderungen in Höhe von 1,4 Millionen Franken gegenüber der WFAG verläuft unspektakulär. Und schliesslich resultiert ein klares Ja. Zuvor haben bereits der Winterthurer Stadtrat und die vorberatende Kommission Bau und Betriebe (BBK) Zustimmung beantragt.

Erstaunlich ist einzig, dass das Abstimmungsresultat nicht ausgezählt wird. Etwa ein halbes Dutzend SVP-Parlamentarier stimmt Nein, die siebenköpfige GLP-Frakation enthält sich der Stimme. Der grosse Rest gibt das Handzeichen für ein Ja.

So oder so: Die Rettung des Wärmerings ist nicht mehr fern. Jetzt braucht es nur noch die Zustimmung des Frauenfelder Stimmvolks am Sonntag. Dann kann die WFAG durch einen Schuldenschnitt saniert und der Wärmering per 2018 als neuer Betriebszweig in die Frauenfelder Werkbetriebe integriert werden. Der für die technischen Betriebe zuständige Stadtrat Stefan Fritschi spricht vom Grabstein der WFAG, der an dieser Sitzung gemeisselt werde. Er gibt zu: «Man kann nur Ja, Ja oder Ja sagen.» Und: «Besser den Spatz in der Hand.»

Die grosse Angst vor dem Konkurs

In Winterthur hat die Angst vor den nicht kalkulierbaren Folgen eines Konkurses der AG offenbar ungleich mehr Gewicht als im Frauenfelder Gemeinderat. In der Thurgauer Kantonshauptstadt hat die Legislative bei der Beratung der WFAG-Sanierung einen starken Akzent auf den erfolgreichen ökologischen und ökonomischen Weiterbetrieb des Wärmerings gesetzt.

Und was sich weiter in der Debatte am Montag im Winterthurer Rathaus zeigt: Die Winterthurer Politik will abschliessen mit der WFAG. Besser: Ein Ende mit Schrecken. «Es ist klar: Wir müssen heute zu einem Ja kommen», sagt Christa Meier (SP). Die Ausgangslage sei zwar «denkbar unbefriedigend». Aber wer ablehne, spiele mit dem Feuer. Denn ein Konkurs sei die noch schlechtere Lösung. Hans Rudolf Hofer von der SVP spricht von einem Ja «ohne Begeisterung». Aber man können nun nur noch zwischen Pest und Cholera wählen. Sein Fazit zur WFAG: Sanierungsfall, zu wenig Kunden, zu teure Infrastruktur und unterkapitalisiert.

Wie viel Verzicht ist gerecht?

Auch Felix Helg (FDP) zieht eine «ernüchternde» Bilanz. Er stellt die gerechte Verteilung der Sanierungslasten in Frage. Zudem habe ihn die Rolle der Thurgauer Kantonalbank als Gläubigerin nicht überzeugt. Die TKB und die Lastenverteilung sind im Übrigen schon im Frauenfelder Gemeinderat ein grosses Thema gewesen. Helg dreht also den Spiess einfach um. Markus Nater (GLP) ist ebenfalls nicht zufrieden mit der Verteilung der Sanierungsanteile. Man müsse der Stadt Frauenfeld zum Verteilschlüssel gratulieren, mokiert er sich. Dass Winterthur 1,4 Millionen Franken übernehmen muss, hält er für «kein akzeptables Ergebnis». Offenbar hat die GLP Nachverhandlungen beim Verteilschlüssel gefordert, was der Winterthurer Stadtrat aber abgelehnt hat.

EVP-Gemeinderat Michael Bänninger sagt, Winterthur komme «mit zwei blauen Augen» aus der WFAG heraus. Zudem kündigt Zeno Dähler (EDU) als Fraktionssprecher CVP/EDU einen Vorstoss an, womit er klären will, ob man Rückgriff nehmen kann auf die Winterthurer Verantwortlichen der WFAG. Für Reto Diener (Grüne) ist es wichtig, dass der Wärmering weiterläuft, denn das Fernwärmenetz stelle einen ökologisch wertvollen Beitrag dar. Insofern verstehe er die 1,4 Millionen nicht nur als Beitrag an den Schuldenschnitt, sondern auch als Investition in die Zukunft.

Einzig Franco Albanese (SVP) poltert ein wenig. Er spricht von einem Ablasshandel und der Enteignung von Volksvermögen. Nach Albaneses Meinung hätte man die offen Forderungen an die WFAG in Darlehen umwandeln sollen.

Rettung und Übernahme

Um den Wärmering zu retten, soll bei der WFAG zuerst ein Schuldenschnitt von vier Millionen Franken erfolgen. Frauenfeld übernimmt 2,2 Millionen, Winterthur verzichtet auf 1,4 Millionen. TKB und Kanton beteiligen sich auch an der Sanierung. Die drei Aktionäre Frauenfeld, Winterthur und der ARA-Verband verzichten zudem auf ihr Aktienkapital. Dann übernimmt Frauenfeld die Aktiven und Passiven der AG für 1,95 Millionen Franken und weist den Werkbetrieben Fernwärme als neues Geschäftsfeld zu. (ma)

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