Windräder säen, Strom ernten

Bis 15 Prozent des kantonalen Strombedarfs können mit Windenergie abgedeckt werden. Dafür braucht es im Thurgau 50 Windräder mit einer Höhe von mehr als 100 Metern. An der Wega macht eine Ausstellung die Windenergie erlebbar.

Silvan Meile
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Thomas Volken, Experte für Windenergie des Kantons, spricht an der Wega-Sonderausstellung über das Potenzial von Windenergie im Thurgau. (Bild: Andrea Stalder)

Thomas Volken, Experte für Windenergie des Kantons, spricht an der Wega-Sonderausstellung über das Potenzial von Windenergie im Thurgau. (Bild: Andrea Stalder)

WEINFELDEN. Der Kanton Thurgau bringt frischen Wind in die Energiedebatte. Und er legt Zahlen auf den Tisch. Mit 50 über hundert Meter hohen Windrädern könnte im Thurgau bis zu 15 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs gedeckt werden. Das hat Thomas Volken, Experte für Windenergie des Kantons, gestern an der Eröffnung der Wega erklärt. An der Messe in Weinfelden ist der Thurgau erster Gastgeber einer Sonderausstellung zu Windenergie, die das Bundesamt für Energie zusammen mit der ETH Zürich und der eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa entwickelte. An der Ausstellung erhalten die Besucher nicht nur Informationen rund um die Windenergie, an einer virtuellen Windparkbegehung werden die visuellen und akustischen Auswirkungen in der unmittelbaren Umgebung solcher Windräder erlebbar gemacht. Das ermöglicht ein Simulator.

Im Thurgau wehe genügend Wind

Regierungsrat Kaspar Schläpfer, Vorsteher des Departementes für Inneres und Volkswirtschaft, spricht von einem Glücksfall, dass die Wanderausstellung gerade im Thurgau erstmals gezeigt werde. «Jetzt ist nämlich der Moment, die Diskussion zur Energieversorgung der Zukunft im Allgemeinen und zur Nutzung der Windenergie im Speziellen zu lancieren.» Denn die Studie, mit welcher der Thurgau das Potenzial von Windenergie auf der gesamten Fläche des Kantons erhob, spricht eine deutliche Sprache: «Im Thurgau können Windanlagen wirtschaftlich betrieben werden», sagt Schläpfer. Er will deshalb die Diskussion über die Windnutzung breit anstossen. Die Bevölkerung hat an der Wega Gelegenheit, sich über Technik, Potenzial, mögliche Standorte für die Windenergienutzung sowie die Chancen für den Kanton und die potenziellen Standortgemeinden zu informieren. Windstrom sei sauber, sicher, technisch erprobt und erneuerbar. Er biete Chancen für den Kanton, weil er regionale Wertschöpfung generiert und die Abhängigkeit von importierten Energieträgern reduziere, sagt Schläpfer.

Kein Wildwuchs an Windrädern

Acht Thurgauer Standorte eignen sich gemäss kantonaler Studie. Würde also das Maximum von möglichen 50 Windrädern auf diese Gebiete verteilt werden, rechnet der Kanton mit dem Potenzial von bis zu 15 Prozent des Strombedarfs. «Wir wollen aber keinen Wildwuchs an Windrädern», ergänzt Schläpfer. Deshalb sei der Kanton derzeit daran, dass die in der Studie ausgewiesenen möglichen Standorte für Windenergie im kantonalen Richtplan aufgenommen werden.

Bald Resultate aus Braunau

In weiteren Schritten müssten die Zonen in den kommunalen Nutzungsplänen betroffener Gemeinden festgelegt werden. Mögliche Windparkstandorte liegen charakteristisch ausserhalb einer bestehenden Bauzone. Dadurch wird in einer Thurgauer Gemeinde, in der dereinst ein Windrad aufgestellt werden soll, vorgängig auch die Gemeindeversammlung ihren Zuspruch geben müssen, erklärt der kantonale Windenergieexperte Thomas Volken. Es ist dadurch auch denkbar, dass mögliche Investoren eine Gemeinde am finanziellen Ertrag einer Anlage beteiligen, um Goodwill für ihr Projekt zu schaffen.

Erste Messungen eines Stromproduzenten finden im Thurgau derzeit auf dem Gemeindegebiet von Braunau statt. Ende Jahr wird dort die einjährige Phase der Erhebungen abgeschlossen sein. Dann werden die Resultate zeigen, ob die Windverhältnisse auch den wirtschaftlichen Kriterien von Investoren genügen.