Windige Pionierrolle für Braunau

BRAUNAU. Wenn alle Faktoren passen, entsteht in rund zehn Jahren in Braunau ein Windpark – der erste der Ostschweiz. Nächsten Dienstag informieren die Verantwortlichen zusammen mit der Gemeinde die Bevölkerung über das ambitionierte Projekt.

Olaf Kühne
Drucken
Teilen
Eine von zahlreichen Windturbinen in der Schweiz. (Bild: pd/Suisse Eole)

Eine von zahlreichen Windturbinen in der Schweiz. (Bild: pd/Suisse Eole)

Die beschauliche Gemeinde am nordöstlichen Rand des Hinterthurgaus steht vor einer Pionierrolle. Erfüllen sich die Hoffnungen der Verantwortlichen, könnte in rund zehn Jahren der erste Windpark der Ostschweiz entstehen.

Ennova SA, ein Windenergie-Unternehmen aus dem neuenburgischen Le Landeron, entwickelt und betreibt bis anhin vorwiegend in der Romandie Windparks. Auf ihrer Suche nach geeigneten Standorten in der Ostschweiz ist das Unternehmen nun in Braunau fündig geworden.

Akzeptanz angestrebt

Walter Schmied ist Leiter Entwicklung bei Ennova und erklärt die Wahl: «Entscheidend ist nicht die Windstärke, sondern die durchschnittliche reguläre Windgeschwindigkeit übers Jahr.» Dazu kommen weitere Faktoren wie die Erschliessung des Gebietes, die Siedlungsdichte und nicht zuletzt die Akzeptanz in der Bevölkerung. Diese soll nun an einem Informationsabend am kommenden Dienstag, 2. Juli, ab 20 Uhr in der Turnhalle Braunau ausgelotet werden.

Mit von der Partie ist auch Gemeindeammann David Zimmermann. «Das Ganze lief bis jetzt sehr transparent», sagt er. «Ennova hat erst potenzielle Grundstückbesitzer angefragt und uns als Gemeinde dann umgehend mit ins Boot geholt.» Gleich tönt es auch seitens Ennova. «Wir werden niemanden vor Tatsachen stellen», verspricht Entwicklungsleiter Schmied. «Während ein bis zwei Jahren werden wir Messungen durchführen. Um jedes Resultat und jeden weiteren Schritt werden wir uns danach neu kümmern.»

Messresultate abwarten

Ab kommendem Freitag wird nun das Baugesuch für einen Windmessmast aufliegen. Dieser soll beim Reservoir Obere Heid zu stehen kommen und 90 Meter hoch sein. Erst wenn in spätestens zwei Jahren die Messresultate vorliegen, könne er konkretere Aussagen machen, wie der Windpark dereinst aussehen könnte, so Schmied weiter. «Wenn wir die Resultate des Windmessmastes kennen, können wir uns überlegen, wie viele und wie grosse Turbinen Sinn machen», erklärt er. «Jetzt ist es noch zu früh dafür.»

Viel Zeit also noch für die Gemeinde, sich mit dem Projekt auseinanderzusetzen. Doch Gemeindeammann Zimmermann weiss jetzt schon: «Der Gemeinderat ist grundsätzlich offen für die Idee eines Windparks in Braunau. Schliesslich müssen wir für die Energiewende alle unseren Beitrag leisten.»

Drei sind ein Park

Auch wenn es die Messresultate abzuwarten gilt, zeichnet Corinne Bryner von der Winterthurer New Energy Scout GmbH schon ein etwas konkreteres Bild. Das Unternehmen steht der Ennova SA in der Deutschschweiz beratend zur Seite. «Ab drei Turbinen reden wir von einem Windpark», erklärt Bryner. «Eine landläufige Turbine ist bis zur Rotorachse rund 100 Meter hoch, mit Rotorblättern circa 150 Meter.»

Positive Messresultate sind ein Faktor für eine allfällige Realisierung. Wie das Projekt bei den Braunauerinnen und Braunauern ankommt, ein weiterer. «Die Bevölkerung wird in jede Etappe eingebunden», sagt Schmied. «Wenn sie den Windpark nicht akzeptiert, steigen wir aus.»