WILEN: Er gibt in der Kirche den Ton an

Seit 30 Jahren ist der Wilener Stephan Giger Kirchenmusiker bei der Evangelischen Kirchgemeinde Wil. Schon als Kind wünschte er sich diesen Beruf. Damals verehrte er Bach und verabscheute Popbands wie Abba.

Ursula Ammann
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Stephan Giger an der Orgel in der Wiler Kreuzkirche. (Bild: Ursula Ammann)

Stephan Giger an der Orgel in der Wiler Kreuzkirche. (Bild: Ursula Ammann)

WILEN. Von der Empore hinab steigen Orgelklänge und hallen von den Wänden der Kreuzkirche wieder. Am Instrument sitzt Stephan Giger, vor sich ein romantisches Werk von Max Reger, einem deutschen Komponisten. Giger hält kurz inne, nimmt die Füsse von den Pedalen und die Hände von den Tasten, um mit dem Bleistift ein paar Fingersätze in die Noten zu kritzeln. Bereits jetzt übt er für den Orgelspaziergang des Konzertzyklus Toccatawil, der in einem halben Jahr stattfindet. Konzerte wie dieses sind ein Teil seiner Arbeit – wenn auch ein eher kleiner. Als Kirchenmusiker hat der 53-Jährige aber wöchentlich seine «Auftritte». Nicht nur im Sonntagsgottesdienst an der Orgel, sondern auch mit dem Gospelchor, Kirchenchor und Projektchor, deren Leiter er ist. Viele seiner Tätigkeiten laufen jedoch im Hintergrund ab. So arrangiert Giger beispielsweise Werke für die Chöre oder die Band, die regelmässig im Gottesdienst spielt. Auch um die Technik kümmert er sich. Kurzum: Er ist in fast alles involviert, was die Musik in der evangelischen Kirchgemeinde Wil betrifft, und dies nun schon seit 30 Jahren.

Vieles möglich in der Kirche

Stephan Giger ist 1963 in Nesslau geboren worden und in Wil aufgewachsen. Schon als Primarschüler wusste er, dass er später einmal Musiker werden will. «Mein grösster Traum als Zweitklässler war es, Organist im Berner Münster zu sein», erinnert er sich. Im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden wusste er mit Pop- und Rockmusik nicht viel anzufangen. «Ich war absolut der klassische Typ», erzählt der Kirchenmusiker. «Bach bedeutete mir sehr viel, hingegen waren mir die damaligen Bands wie beispielsweise Abba ein Graus.» Heute mag Stephan Giger die schwedische Gruppe und auch andere Popformationen. Dass diese Art von Musik auch in der Kirche Platz findet, begrüsst er sehr. Sich einer so breiten Palette an Stilen zu bedienen, fasziniere ihn an seiner Arbeit. Überhaupt sei die evangelische Kirchgemeinde sehr offen, was Musik anbelange. «Es ist vieles möglich», sagt der Wilener.

Auch eine Glaubensbezeugung

Seit 1986 steht Stephan Giger im Dienst der evangelischen Kirchgemeinde Wil. Um den Job hat er sich nicht beworben. Vielmehr wurde der damals 23-Jährige angefragt, ob er sich eine solche Arbeit vorstellen könne. Giger sagte ja. Und er sagt es nach wie vor. «Wil hat eine grosse und vielfältige Gemeinde, und ich kann hier als Kirchenmusiker sehr viel machen», erklärt er. «Für mich ist das zudem nicht nur eine Arbeitsstelle, sondern auch eine Glaubensbezeugung.»

Mit dem Orgelspiel hat Stephan Giger im Alter von 13 Jahren begonnen. Zuvor widmete er sich auch dem Klavier und der Oboe. Ein Studium auf diesem Blasinstrument stand für ihn einst zur Diskussion. Doch konnte er sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, später einmal zu unterrichten, wie es die meisten Musiker nebenher tun. So habe er Orgel studiert und sei in der Kirche gelandet, sagt Giger. «Diese Tätigkeit erachte ich als grosses Privileg.»