WILEN: Endlich Tageslicht

Nachdem Asylsuchende sieben Jahre lang unterirdisch untergebracht waren, stellt die Gemeinde im September oberirdische Wohncontainer für sie bereit. Die Einsprachen gegen die Container wurden abgelehnt.

Miranda Diggelmann
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In der unterirdischen Zivilschutzanlage in Wilen können heute bis zu zwölf Asylsuchende beherbergt werden. (Bild: Coralie Wenger)

In der unterirdischen Zivilschutzanlage in Wilen können heute bis zu zwölf Asylsuchende beherbergt werden. (Bild: Coralie Wenger)

Miranda Diggelmann

miranda.diggelmann@ thurgauerzeitung.ch

«Wir haben zu lange zugewartet», gab Kurt Enderli, Gemeindepräsident von Wilen, in einem Zeitungsartikel vom April zu. Nach sieben Jahren unterirdischer Einquartierung in Zivilschutzanlagen werden für die Asylsuchenden, die Wilen unterbringen muss, oberirdische Wohncontainer aufgestellt. Somit hat das Leben im «Betonkeller» und «Loch», wie sie Kurt Enderli selber einst nannte, für die Asylsuchenden definitiv ein Ende.

Die insgesamt zehn Wohncontainer, die den Flüchtlingen künftig mehr Tageslicht bieten sollen, erwirbt die Gemeinde vom Alterszentrum Tannzapfenland in Münchwilen. Im September dieses Jahres sollen sie bezugsbereit sein. Sieben der Container, die neben dem Gemeindehaus aufgestellt werden, sind «Schlafcontainer» und mit je zwei Betten, zwei Kleiderschränken und einem Waschbecken ausgerüstet.

Dass es höchste Zeit war, die Asylsuchenden oberirdisch und am Tageslicht unterzubringen, dieser Meinung ist nicht nur der Wilener Gemeindepräsident. Stefan Frey, Mediensprecher der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, spricht gar von einer «menschenverachtenden Situation», die in Wilen herrsche. «Mir ist schweizweit kein vergleichbarer Fall bekannt», sagt er. Zwar hat er Kenntnis von ähnlichen unterirdischen Unterkünften. Diese seien jedoch lediglich Übergangslösungen für jeweils kurze Zeit gewesen. Auch die Wohncontainer findet Frey nur bedingt ideal. «Besser wären natürlich ordentliche Wohnungen.» Die Wohncontainer seien seiner Meinung nach jedoch ein guter Anfang und eine akzeptable Lösung.

Beide Einsprachen wurden abgelehnt

Doch auf dem Weg zu oberirdischen Unterkünften gab es Hindernisse. Zwei Einsprachen gingen gegen die Wohncontainer ein. Laut Gemeinderat befürchteten die Einsprecher eine Wertverminderung ihres Grundstücks; ausserdem bemängelten sie das Nichteinhalten des Grenzabstandes. Doch der Wilener Gemeinderat lehnte beide Einsprachen ab. Mit der Begründung, der Grenzabstand werde eingehalten. Die Einsprecher hätten danach 20 Tage Zeit gehabt, ihre Einsprache an die nächsthöhere Instanz weiterzuziehen, was sie jedoch nicht taten. Es ist also davon auszugehen, dass das nachträgliche Gespräch zwischen dem Gemeinderat und den Einsprechern gut verlief. Kurt Enderli will sich jedoch nicht weiter zu diesem Thema äussern, wie er auf Anfrage sagt.

Keine Schliessung von Asylzentren im Thurgau

Im Kanton St. Gallen geht die Entwicklung derzeit in eine andere Richtung. Da die sechs St. Galler Asylzentren nur zu 40 Prozent belegt sind, schliesst der Kanton zwei Unterkünfte. Auf Ende November sollen die Asylzentren in Neckertal und auch Wil ausser Betrieb genommen werden. Als Grund führen die Verantwortlichen sinkende Asylzahlen an. Sollte der Flüchtlingsstrom aber dereinst wieder zunehmen, behält sich der Kanton St. Gallen die Wiederinbetriebnahme der Unterkünfte vor.

Der Kanton Thurgau verzichtet derzeit auf einen solchen Schritt, wie ihn St. Gallen angekündigt hat. «Bei uns sind in naher Zukunft keine Schliessungen von Asylzentren vorgesehen», sagt Florentina Wohnlich, Leiterin des Thurgauer Sozialamtes. Und dies, obschon auch im Kanton Thurgau die Zuweisungen von Asylsuchenden in jüngster Zeit eher rückläufig waren.