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WIGOLTINGEN: Der älteste Brauch im Dorf

Das Hochzeitsschiessen datiert aus dem Jahr 1794. Am kommenden Sonntag werden am Traditionsanlass im Schützenhaus Heckemos wieder die Gaben ausgeschossen.
Manuela Olgiati
Die drei Vorstandsmitglieder der Hochzeitsschützengesellschaft Wigoltingen: Präsident Roman Bader, Kassier Jörg Ritschard und Aktuar Eugen Bissegger. (Bilder: Mario Testa)

Die drei Vorstandsmitglieder der Hochzeitsschützengesellschaft Wigoltingen: Präsident Roman Bader, Kassier Jörg Ritschard und Aktuar Eugen Bissegger. (Bilder: Mario Testa)

Manuela Olgiati

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch

Das Hochzeitsschiessen gibt es seit über 220 Jahren. Der kleine, aber feine Anlass ist damit der älteste Brauch in Wigoltingen. Organisiert wird der Anlass, der alljährlich am letzten Sonntag im Oktober stattfindet, von der Hochzeitsschützengesellschaft Wigoltingen. Sie wurde im Jahr 1794 gegründet. Heute sind drei Männer für die Geschicke der Gesellschaft verantwortlich, Präsident Roman Bader, Kassier Jörg Ritschard und Aktuar Eugen Bissegger. Die drei Männer freuen sich auf den 29. Oktober, wenn ihr Anlass im Schützenhaus Heckemos über die Bühne geht.

Die interessanteste und auch schwierigste Arbeit für den Anlass haben die drei Männer im Vorfeld des Schiessens zu erledigen. Sie fordern im Verlauf des Jahres jungverheiratete Paare, die in Wigoltingen verwurzelt sind, dazu auf, Gaben für das Hochzeitsschiessen zu spenden. «Mögliche Kandidaten fragen wir frühzeitig an», sagt Präsident Roman Bader. «Es gibt immer genügend Auswahl. Jungverheiratete Paare, bei denen wir wissen, dass sie hier noch lange sesshaft sind, fragen wir dann an, wenn es mal knapper wird mit Kandidaten.»

Fremde mussten sich mit Gaben einkaufen

Geheiratet wurde früher untereinander, der Sohn des Schreiners heiratete etwa die Tochter des Bäckers. Aber es kam auch die Zeit, in der junge Männer aus der Umgebung ein Auge auf junge Wigoltinger Frauen warfen. Das hat den Einheimischen Ende des 18. Jahrhunderts nicht gefallen. Deshalb beschlossen sie, dass solche «Freier» der Gesellschaft im Gegenzug wenigstens Gaben stiften sollten. So entstand der Brauch des Hochzeitsschiessens. Wie in der Geschichte von Wigoltingen von Pfarrer Gottlieb Amstutz aus dem Jahr 1892 dokumentiert, wurde zu Beginn einfach aus dem ersten Stock einer Wirtschaft geschossen. Heute steht dafür die Gemeinschaftsschiessanlage Heckemos zwischen Wigoltingen und Müllheim zur Verfügung. Die Anlage ist die Heimat der Hochzeitsschützengesellschaft, des Schützenvereins Wigoltingen und der Schützengesellschaft Illhart.

Zu den Anfangszeiten des Schiessens konnte der Gesellschaft nur beitreten, wer einen Reichsthaler bezahlte. Heute sollen die Gaben aus drei Teilen bestehen und einen Gesamtwert von etwa 60 Franken haben. Artikel für den Haushalt, Weine und Käseplättli sind auf dem Gabentisch immer beliebt.

Zum Absenden ein Nachtessen beim Sternekoch

Auch am kommenden Sonntag sind vier junge Wigoltinger Paare dabei. Mit von der Partie ist auch Sternekoch Christian Kuchler. Er ist mit dem Dorf und seinen Traditionen verbunden, war früher auch Jungschütze. Am Hochzeitsschiessen kocht er für die Gesellschaft ein Nachtessen in seiner Taverne zum Schäfli, wo das Absenden und die Gabenausgabe stattfinden. «Insgesamt werden rund 30 Schützen am Hochzeitsschiessen teilnehmen», sagt Präsident Roman Bader. Unter den Gästen wird auch Werner Künzler, Präsident des Thurgauer Kantonalschützenverbandes, sein.

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