WIEZIKON: Mit den Ziegen an die Olma

Morgen wird in St. Gallen die Ostschweizer Landwirtschaftsmesse eröffnet. Der junge Landwirt Kilian Appert wird dabei am Montag seinen grossen Auftritt haben. Er ist gespannt auf den Blick hinter die Kulissen.

Christoph Heer
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Kilian Appert und seine Toggenburger Ziege «Garonne» freuen sich auf den Auftritt an der Olma. (Bild: Christoph Heer)

Kilian Appert und seine Toggenburger Ziege «Garonne» freuen sich auf den Auftritt an der Olma. (Bild: Christoph Heer)

Christoph Heer

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Am kommenden Montag findet die Präsentation der Schaf- und Ziegenrassen aus dem Gastkanton Thurgau statt. Zwischen 11.30 und 12.30 Uhr wird dann der achtzehnjährige Kilian Appert aus Wiezikon seinen grossen Auftritt haben. Mit drei seiner Toggenburger Ziegen wird er sich einem hoffentlich grossen Publikum präsentieren.

«Das Spezielle an meinen Toggenburger Ziegen ist, dass ich diejenigen, die bei mir das Licht der Welt erblicken nicht enthorne», sagt Kilian Appert. Er befindet sich im dritten Ausbildungsjahr zum Landwirt und züchtet seit bald sechs Jahren Toggenburger Ziegen. «Bald werden zudem auch Bündner Strahlenziegen in meinem Stall zu sehen sein.»

Der junge Landwirt freut sich auf die Olma. So bestätigt er, dass er in den vergangenen Jahren keine einzige Durchführung verpasst hat. «Die Olma ist doch ein Muss für einen Landwirt, der gerne Gleichgesinnte trifft und tolle, gemütliche und interessante Tage verbringen will», sagt er lachend. Für ihn ist die Olma-Zeit ein jährlicher Höhepunkt. «Die zahlreichen Tierschauen, die ausgestellten Kühe und Ziegen und immer wieder das Treffen der bekannten Gesichter, das ist wahrlich eine Freudenzeit. In diesem Jahr bin ich zudem im Stallteam mit dabei, das ermöglicht mir, Blicke hinter die Kulissen zu werfen, darauf bin ich ungemein gespannt und freue mich riesig.»

Grosse Bedeutung auch ohne Rangierung

Kilian Apperts Augen glänzen, wenn er auf seinen Auftritt an der Olma angesprochen wird. Trotzdem will er festhalten, dass der Auftritt nicht überbewertet werden soll. «Natürlich bedeutet mir der Auftritt enorm viel und macht mich stolz, auch wenn es züchterisch keine Bedeutung hat, da die Ziegen weder punktiert noch rangiert werden.»

Speziell vorbereiten wird sich der motivierte und ab kommendem Jahr ausgelernte Landwirt nicht. «Aber natürlich werde ich meine drei Toggenburger vor dem Auftritt waschen und fein säuberlich herausputzen.»

Nebst Apperts Ziegen wird viel Tierisches aus dem Kanton Thurgau zu sehen sein. Jeden Tag kann die Vielfalt der Nutztiere wie Kühe, Pferde, Ziegen, Schweine, Schafe oder Geflügel bestaunt werden. Nachdem der Thurgauer Ruf – unter anderem wegen des unrühmlichen Falls Hefenhofen – in der breiten Öffentlichkeit sehr gelitten hat, könnte das Image der vielen seriösen Thurgauer Tierzüchter und Landwirte wieder aufpoliert werden. Kilian Appert ist ein gutes Beispiel dafür.

Landwirt durch und durch

Kilian Appert wuchs auf dem elterlichen Hof als jüngstes von vier Kindern auf. Seine drei älteren Geschwister haben beruflich die unterschiedlichsten Wege eingeschlagen. «Vom Zimmermann über die Anwältin bis zur Physiotherapeutin, das Spektrum geht weit auseinander», sagt er.

Die Lehrzeit verbringt er auf dem Hof von Simon Schönholzer in Schönholzerswilen. «Dass ich die Möglichkeit habe, meinen Traumberuf zu erlernen, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Die Arbeit mit Tieren und Maschinen macht mir Spass, auch darum, weil es einem ermöglicht wird, die Arbeit selbstständig einzuteilen.» Seine Stärken sieht er ganz klar in den Arbeiten im Stall.

Gedanken macht er sich auch betreffend Zukunft der Landwirtschaft, diese sieht nicht nur rosig aus. «Kann es sein, dass eine Hektar Ökowiese mehr Rendite abwirft als dieselbe Fläche Weizen? Man darf mich nicht falsch verstehen, aber ein grosser Teil der Bevölkerung will vornehmlich eine schön anzusehende, statt eine produzierende Landwirtschaft, und das stimmt mich nachdenklich.»

Auf den Winter freut er sich nicht

Dass Kilian Appert ein Tierliebhaber ist, merkt man schnell. Auch die Erntezeit auf den Feldern gehört zu seinen favorisierten Arbeiten. Dementsprechend freut er sich nicht unbedingt auf die bevorstehende Jahreszeit. «Nein, die Wintersaison mag ich nicht so, weil dann die Arbeiten im Stall enorm grössere Ausmasse annehmen. Aber was getan werden muss, muss halt getan werden, der nächste Frühling kommt ja bestimmt.»

Schon heute verfolgt er ein klares Ziel: die Übernahme des elterlichen Betriebes, nachdem er die Betriebsleiterschule absolviert hat. «Und natürlich will ich meine Ziegenhaltung ausbauen. Ich will noch mehr von meinen schlauen und vorwitzigen, willensstarken und charmanten Ziegen züchten», sagt er.

Dass es bis jetzt überhaupt so gut geklappt hat, verdankt Kilian Appert seinen Eltern. «Da ich wiederkehrend für zehn Tage abwesend bin, bin ich ungemein froh, schauen in dieser Zeit meine Eltern zu den Ziegen.» Damit es dem motivierten jungen Berufsmann nicht langweilig wird, dafür sorgt auch unter anderem auch das hofeigene Lädeli «Im Steinbruch». «Da helfe ich vor allem an den beliebten Sommer- und Herbstfesten mit. Und übrigens gibt es da den besten Ziegenkäse, den würzigsten Alpkäse, hervorragendes Gitzifleisch und vieles mehr», macht Kilian Appert Werbung in eigener Sache.