WIEZIKON: Ein wichtiges Standbein

Vor zehn Jahren gründete eine Handvoll Familien den Verein «Hoflade im Steibruch». Aus der einst politisch motivierten Idee ist ein florierendes Geschäft entstanden.

Ruth Bossert
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Vereinspräsidentin Marion Erne und Bäuerin Regina Appert bei den Vorbereitungen im Hofladen. (Bild: Ruth Bossert)

Vereinspräsidentin Marion Erne und Bäuerin Regina Appert bei den Vorbereitungen im Hofladen. (Bild: Ruth Bossert)

Ruth Bossert

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

«Es war die Diskussion um die Gentechfrei-Initiative vom November 2005, die ein paar befreundete Familien und mich bewogen, möglichst biologisch produziertes Gemüse aus der Region zu kaufen», erzählt Marion Erne, Biologin und Vereinspräsidentin von «Hoflade im Steibruch».

Die Idee, einen eigenen Laden zu führen, liessen die Initianten dann rasch auf der Seite, als sie Josef und Regina Appert kennenlernten. Familie Appert hatte im selben Jahr ihr neues Wohnhaus fertig umgebaut, wo sie im Erdgeschoss einen kleinen Raum für einen möglichen Hofladen eingeplant hatten, um ihre eigenen Produkte wie Dinkelmehl, Eier und Konfitüre zu verkaufen. Marion Erne und ihre Mitinitianten kamen mit der Familie Appert, die seit 2003 nach Bio-Suisse-Richtlinien anbauen, ins Gespräch.

Rasch war man sich einig, dass eine Zusammenarbeit für beide Parteien ein Gewinn wäre und dass sich gemeinsam eine gute und gesunde Sache realisieren liesse. Mit einem Dutzend Interessierten gründete man den Verein «Hoflade im Steibruch». Marion Erne wurde Präsidentin, und vor genau zehn Jahren wurde der Hofladen eröffnet.

«Wir haben ganz klein angefangen», schildert Marion Erne und erzählt, dass sie zu Beginn wöchentlich rund 25 Interessierten per Mail mitteilte, was es am kommenden Samstag im Hofladen zu kaufen gebe. Der Tradition der wöchentlichen digitalen Post vom Hofladen ist die Präsidentin treu geblieben. Heute verschickt sie Mails an 310 Empfänger, Tendenz steigend. Vielem sei man seit Beginn treu geblieben, erzählt auch Regina Appert und verweist auf die Grundidee, möglichst biologisch produzierte Produkte vom eigenen Hof, aus der Region und ausnahmsweise ein paar Schweizer Spezialitäten anzubieten. «Wichtig war uns auch immer, dass wir wissen, woher die Ware kommt», sagt Erne.

Vieles probiert, einiges verworfen

Von Anfang an war es den Initianten wichtig, gemeinsame Festivitäten durchzuführen, um auch die Kontakte untereinander zu pflegen. Durch die Zusammenarbeit des Vereinsvorstandes und der Bauernfamilie wird nun jeweils ein Sommerfest und ein Herbstmarkt organisiert. Hin und wieder nehme man auch an regionalen Märkten teil, doch vieles habe man bereits ausprobiert, einiges auch wieder verworfen, erzählen die Frauen.

Regelmässig finde hingegen der Kurs zum Sauerkrauteinmachen statt. Dieser habe sich seit Jahren etabliert und werde sehr geschätzt. Das Bestellwesen läuft über Regina Appert, welche auch an den Mittwochnachmittagen den Hofladen bedient. Für diesen Tag backt sie regelmässig Brot, hingegen Frischwaren werden keine verkauft.

Der Frischverkauf findet jeweils am Samstag von 9 bis 14 Uhr statt, für den Verkauf sind die Vorstandsmitglieder zuständig. «Dafür wird kein Lohn ausbezahlt, alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich», sagt Marion Erne und betont, dass die Rechnung sonst nicht aufgehen würde. Seit Beginn weg wurde vereinbart, dass man mit einer bescheidenen Marge auskommen möchte, damit auch Junge, Familien oder Senioren mit einem kleineren Einkommen profitieren können.

Bislang habe sich diese Politik ausbezahlt, sagt Erne. Zudem erwirtschafte der Verein jährlich einen kleinen Gewinn, mit dem sie sich nötige Anschaffungen, wie kürzlich eine moderne Kasse, kaufen können. Vorstandsmitgliedern, welche im Laden arbeiten, werde die Marge erlassen. Josef und Regina Appert vermieten dem Verein das Ladenlokal und können ihre Hofprodukte verkaufen, ohne dass sie die Marge abliefern müssen. «So profitieren beide», sagt die Bäuerin. Sie ist froh, dass ihnen der Verein unter anderem die Werbung abnimmt, die Buchhaltung führt, sie beim Verkauf tatkräftig unterstützt und ihnen damit den Rücken stärkt.

Kunden und Produzenten begegnen sich

Auch Marion Erne könnte sich keine idealere Zusammenarbeit vorstellen. Der Hofladen sei nach wie vor überschaubar und ohne grossen administrativen Aufwand zu führen. Sie können der Kundschaft ein gutes, saisonales Angebot zu fairen Preisen anbieten, und die Familie Appert profitiere von einem Standbein, das für sie als Milchwirtschaftsbetrieb mit Kälberaufzucht und mit Ackerbau wichtig sei. Auch ihre geschlachteten Rinder liessen sich im Laden sehr gut verkaufen, und nicht zuletzt trage der Verein dazu bei, dass sich Kunden und Produzenten begegnen.

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